Speichermedien – Festplatte, Flashspeicher oder besser Rohling?
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PC-SPEZIALIST, Do, 16. Okt. 2008
in Tipps

Speichermedien – Festplatte, Flashspeicher oder besser Rohling?

An dieser Stelle wieder exclusiv vorab der Beitrag für die Rubrik „Digitale Welt“, die am kommenden Wochenden in der Zeitung „Lippstadt am Sonntag“ erscheint:

Speichermedien – Festplatte, Flashspeicher oder besser Rohling?

Eine immer größere Datenflut an Videos, Bilder, Emails, etc. zwingt den Anwender seine gespeicherten Daten auch langfristig zu sichern.

Unsere heutige Leserfrage: „Auf welchem Speichermedium werden meine Daten am besten gesichert?“

Die drei geläufigsten Medien zu Datensicherung sind heutzutage Festplatten, Rohlinge und Flashspeicher.

Im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung besitzt die Festplatte einen gewissen Ausnahmecharakter. Denn sie gehört zu den wenigen Dingen in PCs und Unterhaltungselektronik, die noch mechanisch arbeiten: Eine oder mehrere übereinander liegende Scheiben, auch als „Platten“ oder „Platter“ bekannt, drehen ihre Runden in einer stabilen Außenhülle. Je nach Modell 4.200 bis 15.000 Mal in der Minute. Jede dieser festen Platten ist mit einer magnetisierbaren Schicht überzogen, die ihren Zustand je nach Art der zu speichernden Daten verändert. Für die nötige Magnetisierung ist ein so genannter „Schreib-Lese-Kopf“, englisch „Head“, zuständig.

Wie der Name schon sagt, sorgt dieser sowohl für das Speichern sprich Schreiben der Daten als auch für das Abrufen beziehungsweise Lesen. Dabei hängt er an einem mechanischen Arm und rast mit hoher Geschwindigkeit über die Plattenoberfläche – das menschliche Auge kann da nicht mehr mithalten. Der größte Feind der Festplatte ist die Erschütterung. Bei harten Stößen im Betrieb kann der extrem knapp über der Scheibe schwebende Kopf die Magnetschicht berühren und ernsthaft beschädigen. Ein „Headcrash“ ist die Folge, ein Super-GAU. Daten können danach nur noch in den unversehrten Bereichen wiederhergestellt werden.

Während eine PC-Festplatte in der Regel nur im ausgeschalteten Zustand transportiert wird, ist das Risiko für einen Headcrash normalerweise gering. Anders sieht es hingegen bei den mobilen Magnetspeichern in Notebooks und MP3-Playern aus, die im laufenden Betrieb herunterfallen könnten. Manche tragbare Festplatten verfügen daher über einen „Fallschutz“, der den Schreib-Lese-Kopf in eine sichere Position fährt, sobald sich eine unangenehme Bekanntschaft mit der Erdanziehungskraft anbahnt. Allerdings existieren noch andere Umstände, die einer Festplatte ganz schön zusetzen können, wie beispielsweise die angegebene Umgebungstemperatur. Normalerweise arbeitet eine Standardfestplatte bei null bis 60 Grad Celsius noch einwandfrei, am wohlsten fühlt sie sich allerdings bei 35 bis 50 Grad.

Wer seine Festplatte ohnehin nur alle paar Tage zur Datensicherung anschließt und sonst im nur Schrank herumliegen lässt, kann ihr durchaus eine Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren bescheren. Wie bei manchen Lebensmitteln ist dabei jedoch die richtige Lagerung wichtig – kühl und trocken.

Andres als die Festplatte ist der so genannte Flash-Speicher ist so schnell nicht kleinzukriegen. Heutzutage stecken die digitalen Speicher-Chips in USB-Sticks, MP3-Playern und Speicherkarten, früher oder später dürften sie sogar der Festplatte die Daseinsberechtigung streitig machen. Sie brauchen keine mechanischen Bauteile und sind dementsprechend unempfindlicher als mechanisch arbeitende Magnet-Festplatten. Manche USB-Sticks überstehen selbst mehrere Schleudergänge in der Waschmaschine. Doch auch der robuste Flash-Speicher ist nicht frei von Alterserscheinungen.

Ein Flash-Chip besteht aus unzähligen, winzigen Speicherzellen mit einer physikalisch begrenzten Lebensdauer, deren Ansteuerung ein so genannter „Controller“ übernimmt. Eine bestimmte, kleine Menge von Speicherzellen wird in Blöcken zusammengefasst. In sehr seltenen Fällen segnet der Controller, etwa eines USB-Sticks, das Zeitliche und die gespeicherten Daten sind zwar noch physikalisch vorhanden, aber nicht mehr ansprechbar. Bei artgerechter Behandlung halten die Daten auf einem USB-Stick jedoch mindestens zehn Jahre. Theoretisch funktioniert er jedoch weitaus länger, deshalb werden hier sogar Garantielaufzeiten bis zum hierzulande möglichen Maximum von dreißig Jahren gewährt.

Im Vergleich zum Flash-Speicher sind CD- oder DVD-Rohlinge bezogen auf den Preis pro Gigabyte deutlich erschwinglicher. Günstige, wiederbeschreibbare DVD-Rohlinge kosten pro Gigabyte mitunter sogar weniger als eine große PC-Festplatte. Für sich betrachtet steht ein Rohling den beiden anderen Speichermedien in puncto Durchhaltevermögen nicht unbedingt nach, fünf bis zehn Jahre sind durchaus denkbar. Dass die Realität meistens anders aussieht, wissen wohl die meisten PC-Besitzer aus eigener Erfahrung: Einmal in der Sonne liegen gelassen oder aus Versehen zerkratzt, schon ist die CD oder DVD nicht mehr lesbar oder wichtige Daten zerstört.

Zumindest theoretisch verkraften CD- und DVD-Rohlinge bis zu tausend Schreibvorgänge, was in Wirklichkeit aber nur selten erreicht wird. Leidet ein Rohling tatsächlich einmal an Altersschwäche, liegt es an Materialermüdung. Am besten aufgehoben sind CD und DVD übrigens in einem dunklen, trockenen Plätzchen mit Raumtemperatur und ohne übermäßigen Druck von schweren Gegenständen.

Fazit: Oft hängt der sicherste Platz für wichtige Daten bereits am eigenen Schlüsselbund. Ein USB-Stick mit Flash-Speicher bietet die geringste Ausfallquote und das beste Durchhaltevermögen. Wegen ihrer anfälligen Mechanik bleibt die Festplatte nur zweite Wahl, auch wenn teurere Profi-Modelle eine höhere Lebensdauer als gewöhnliche offerieren. Eigentlich gebührt dem CD- oder DVD-Rohling der zweite Platz, doch den verspielt seine hohe Anfälligkeit für äußere Einflüsse.

Die Vielfalt macht’s also auch hier: Wer sich nicht allein auf ein Speichermedium verlässt, geht das geringste Risiko ein.