PC Netzteile – auf mehr als nur die Watt Zahl achten!
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PC-SPEZIALIST, Di, 4. Nov. 2008
in Tipps

PC Netzteile – auf mehr als nur die Watt Zahl achten!

Strom braucht jeder Rechner. Doch in Zeiten immer höherer Stromrechungen muss jeder Nutzer für sich entscheiden: Mehr Leistung oder gutes Umwelt-Gewissen?

Unsere heutige Leserfrage: „Was genau macht ein PC-Netzteil und worauf muss ich beim Neukauf achten?“

In Prinzip macht ein Netzteil nichts anderes, als den Strom aus der Steckdose für die PC-Innereien umzuwandeln. „AC/DC“ heißt das Zauberwort, um das es im Grunde geht. „AC“ steht für „alternating current“, sprich Wechselstrom, bei „DC“ dreht es sich um „direct current“, also Gleichstrom. Mit dem Wechselstrom aus der Steckdose kann die Computer-Hardware nicht viel anfangen, denn die braucht nun mal Gleichstrom. Ein klarer Fall für das Netzteil, das sinnigerweise auch als Schaltnetzteil bezeichnet wird. Es verwandelt nicht nur AC in DC, sondern verteilt den Strom auch auf verschiedene Kabel. Diese werden in Spannungen zu zwölf, fünf und 3,3 Volt aufgeteilt: Eine gelbe Leitung steht für zwölf Volt, eine rote für fünf Volt, eine orangefarbene für 3,3 Volt. Eine schwarze Leitung ist hingegen für die so genannte „Masse“ zuständig. Jede PC-Komponente braucht eine bestimmte Spannung. Am wichtigsten für die Stromversorgung eines modernen Rechners ist die Zwölf-Volt-Schiene, da die Hauptverbraucher ihren Strom aus dieser Leitung beziehen.

Vor dem Kauf eines Netzteils lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte. Dort sollte von einer „aktiven PFC“ die Rede sein. Eine veraltete Passiv-PFC hat gleich mehrere Nachteile: Einerseits fällt das Gewicht des Netzteil deutlich höher aus, weil ein klobiger Transformator in Form einer windungsreichen Spule zum Einsatz kommt. Andererseits ist die Leistungsausbeute erheblich niedriger und der „Elektrosmog“ ausgeprägter. Bei einer aktiven, durch eine elektronische „Karte“ geregelten PFC wird der eingehende Strom aus der Steckdose bis zu 99 Prozent umgesetzt. Das kommt auch der Stromrechnung zugute. Dieser Wert ist jedoch nicht mit der Effizienz zu verwechseln, die den Wirkungsgrad aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und auch andere Faktoren, wie zum Beispiel die Wärmeabgabe, mit einbezieht. Gute Netzteile erzielen eine Effizienz von fast 90 Prozent, mit weniger als 80 Prozent sollte man sich nicht abspeisen lassen.

Den Einfluss höherer Macht, etwa eines Blitzeinschlags können PC-Besitzer nicht verhindern, aber Ihren PC können sie dennoch schützen. Gute Netzteile verfügen über integrierte Schutzvorkehrungen gegen Überspannung, Überstrom und Kurzschluss. Damit kann das Netzteil so schnell wie möglich abschalten, sobald Gefahr droht, und somit werden keine Komponenten beschädigt.

Früher war der Hauptverbraucher des Netzteils eindeutig der Prozessor, mittlerweile ist es meist die Grafikkarte. Moderne Grafikkarten genehmigen sich gerne 200 Watt und mehr, wohingegen der Prozessor oftmals unter hundert Watt bleibt, vorausgesetzt es wird nicht übertaktet. Eine Anhebung der Spannung und des dazugehörigen Frontsidebus hat nicht nur einen Geschwindigkeitsvorteil, sondern auch einen erheblich höheren Stromverbrauch zur Folge

Zu kaufen gibt es Netzteile mit einer Lautstärke einer Flugzeugturbine bis nahezu unhörbar. Die Lautstärke eines Netzteils lässt kaum Rückschlüsse auf die Qualität der Ware zu. Manche Netzteile neigen dazu, unter Last hochfrequentiert zu pfeifen, dies kommt meist von einer nicht sauber isolierten Spule. Manche Hersteller setzen leider auf laute Lüfter, die zudem zu unschönen Schleifgeräuschen neigen.

Bei passiven Netzteilen kommen sehr oft Serverkomponenten (sehr hochwertig) zum Einsatz, auch ist die Effizienz meist überdurchschnittlich hoch. All dies hat natürlich seinen Preis. Die nächste Kategorie sind semi-passive Netzteile. Diese besitzen zwar einen Lüfter, jedoch ist dieser meist nicht im Betrieb und schaltet sich erst ein, wenn im Netzteil eine sehr hohe Temperatur herrscht.

Die klassischen Stromversorger haben alle einen großen Lüfter, im Idealfall über die Temperatur geregelt. Die Hersteller sind vor längerer Zeit schon vom Zwei-Lüfter- Konzept abgetreten und auch 80 Millimeter Lüfter kommen kaum mehr zum Einsatz. Heutzutage wird meist ein 120 bis 140 Millimeter Lüfter verbaut. Grundsätzlich hat ein größerer Lüfter eine größere Förderleistung, jedoch spielt neben dem Lüfter auch die Anordnung der Heatpipe, einer Art Wärmeleitung, eine große Rolle, denn diese können den Luftstrom erheblich bremsen.

Oftmals verwirrt der Begriff Kabelmanagement. Dabei bedeutet der Begriff nichts anderes, als dass das Netzteil modulare Kabel besitzt, welche nur bei Bedarf verwendet werden müssen. Diese abtrennbaren Kabelstränge haben den großen Vorteil, dass sie bei Nicht-Verwendung keinen Platz im Gehäuse beanspruchen. Damit wird eine bessere Kabelverlegung gewährleistet und dies wiederum führt zu einem besseren Luftstrom im Gehäuse.

Die Wattzahl ist generell zu vernachlässigen. Oftmals lässt sich anhand des Preises und der Anzahl der verfügbaren Stecker (je mehr desto besser) schon feststellen, ob es sich um ein qualitativ hochwertiges Modell oder um eine wandelnde Zeitbombe handelt. Eine angegebene Effizienz von „80+“ ist eine weitere Voraussetzung.

Ein Blick auf die vom Hersteller angegebene Spannung auf den einzelnen Schienen, insbesondere der Zwölf-Volt-Schiene ist ebenfalls nicht verkehrt, wenngleich hier einige Hersteller tricksen und deren Produkte niemals die Werte, liefern die angegeben werden.

Ein neues Netzteil sollte auf jeden Fall von einer renommierten Marke stammen und nicht unter- oder überdimensioniert sein. Die Auslastung sollte nie unter 20 Prozent fallen und in der Lastspitze die 80-Prozent-Marke nicht übersteigen. Ein modernes Netzteil sollte auch alle Stecker bieten die gebraucht werden. Insbesondere jene für die Grafikkarte, damit nicht mit Adaptern gearbeitet werden muss. Ein schlechtes Netzteil kann im schlimmsten Fall denn ganzen PC ins Jenseits befördern.

 

 

4 Kommentare

  1. Holger sagt:

    Alles über Computernetzteile im ATX Standard

  2. Oli sagt:

    Besten Dank für die ausführliche Info und auch für den Zusatz – nachdem mir zwei NoName Netzteile nach jeweils 3-4 Monaten abgeraucht sind habe ich jetzt zum Bequiet gegriffen – einfach perfekt – Qualität zahlt sich aus.
    Grüße

  3. geek sagt:

    Also der Artikel enthält aber noch einige Fehler werter Kollege…

    „Bei einer aktiven, durch eine elektronische “Karte” geregelten PFC
    wird der eingehende Strom aus der Steckdose bis zu 99 Prozent umgesetzt. Das kommt auch der Stromrechnung zugute.“
    Da sträuben sich jedem Elektriker die Nackenhaare.
    Blindleistung, welche durch die PFC verhindert
    wird, wird von normalen stromzählern nicht erfasst!
    PFC maßnahmen vermindern den wirkungsgrad eines netzteils.
    Und der „Elektrosmog“ wird durch die hochfrequente modulation der Aktiv PFC deutlich erhöht.

    „Andererseits ist die Leistungsausbeute erheblich niedriger und der “Elektrosmog” ausgeprägter“
    Ich kann mir allerhöchstens vorstellen das der Autor damit das mögliche brummen der Spule meinen kann.
    Da eine Passiv PFC naturgemäß (Spulen dämpfen hochfrequenz) beste EMV eigenschaften aufweist.

    „Bei passiven Netzteilen kommen sehr oft Serverkomponenten (sehr hochwertig) zum Einsatz,
    auch ist die Effizienz meist überdurchschnittlich hoch“
    Serverkomponenten? also wirklich… Und dieser blog heisst PC-Spezialist.
    Es mag stimmen das hochwertige komponenten verbaut werden, das hat mit „servern“ jedoch nicht das geringste zutun. Warum nur wird besonders gut immer mit „Server“ übersetzt?

    „…jedoch spielt neben dem Lüfter auch die Anordnung der Heatpipe, einer Art Wärmeleitung…“
    Mir sind nur zwei Netzteile bekannt die wirklich eine Heatpipe haben. Die haben dann wiederum aber einen 80mm lüfter.
    Der Autor meint vermutlich Kühlkörper.

    „Ein Blick auf die vom Hersteller angegebene Spannung auf den einzelnen Schienen, insbesondere der Zwölf-Volt-Schiene ist ebenfalls nicht verkehrt…“
    Die SPANNUNGEN nach ATX spezifikation genormt. Die sind bei ALLEN netzteilen gleich (spezielle mal ausgenommen).
    Allerhöchstes der maximale ausgangstrom bei diesen spannungen unterscheidet sich.

  4. Stefan Bornemann sagt:

    Hallo Herr Hülsbusch,

    recht herzlichen Dank für Ihren umfangreichen Eintrag mit den zahlreichen Detailinformationen.

    Gruß

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