Facebook Connect, Sign in With Twitter & Co.
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Benjamin Thiessen, So, 17. Mai. 2009
in Web

Facebook Connect, Sign in With Twitter & Co.

Für die Community schauen wir uns gerade verschiedene Möglichkeiten für Schnittstellen zu anderen Communities, Social Networks etc. an. Dabei sind wir natürlich auch auf Facebook Connect gestoßen, die API von Facebook. Diese ermöglicht es unter anderem, dass sich Facebook Nutzer mit ihrem Facebook-Login auch auf anderen Webseiten anmelden („Single Sign-on„). Wenn man mal darüber nachdenkt, wieviele verschiedene Logins man schon für die verschiedensten Webseiten hat, kann solch eine „Wiederverwendung“ aus Nutzersicht zunächst mal hilfreich sein. Doch wie sieht es aus der Sicht eines Communitybetreibers aus und welche anderen ähnlichen Dienste gibt es? Dieser Frage möchte ich hier ein wenig auf den Grund gehen.

Die grundsätzliche Funktionsweise lässt sich wie folgt beschreiben: Auf einer an Facebook Connect angebundenen Webseite gibt es beim Login-Feld noch einen zusätzlichen Button „Login with Facebook“.

Facebook Connect Login Button auf Joost

Klickt der Nutzer beim ersten Besuch der Webseite darauf, wird er dazu aufgefordert sich bei Facebook einzuloggen.

Danach kann der Benutzer die Berechtigungen dieser Webseite verwalten und ihr so z.B. erlauben, Daten an Facebook zu senden oder Daten von Facebook zu erhalten.

Facebook Connect Authorisierung für Joost

Authorisiert der Benutzer die Webseite, so kann er anschließend dort ein neues Profil anlegen, das mit Daten aus seinem Facebook-Profil vorausgefüllt sein kann. Zukünftig ist dieses Profil auf der Webseite für den Benutzer mit seinen Logindaten von Facebook erreichbar – kein weiteres Passwort, das er sich merken muss.
Der Datenaustausch zwischen Facebook und der Webseite ermöglicht es ihm zum Beispiel, seine Facebook-Freunde auf der Webseite wiederzufinden.

Aus der Sicht des Betreibers der Webseite ergeben sich verschiedene Vorteile. Die Hürde für die Neuregistrierung wird gesenkt. Die neu angelegten Profile sind in der Regel aussagekräftiger, da Profilinhalte wie Name oder Bild ebenfalls von Facebook übernommen werden können.

Facebook steht mit dieser Funktionalität jedoch nicht alleine da. In der folgenden Übersicht habe ich Facebook Connect, Sign in With Twitter, MySpaceID, Google Friend Connect und den sogenannten Open Stack gegenübergestellt.
Der Open Stack, bestehend aus OpenID, OAuth und Open Social nimmt hier eine besondere Rolle ein: Diese offenen Technologien stehen jedem zur Verfügung, um damit die Funktionalitäten auch auf seine Community / Webseite anzuwenden. Erst die konkrete Anwendung bestimmt, welche Inhalte und wie viele Nutzer tatsächlich angebunden sind.

Ein großer Name hat den Weg in meine Betrachtung nicht mehr gefunden: Microsoft hat schon vor Jahren mit Passport bzw. der Windows Live ID ein ähnliches Ziel verfolgt. Außerhalb der Microsoft-Welt hat sich das jedoch nicht durchsetzen können.

Facebook Connect

Verwendete Technologie proprietär
Profildaten verfügbar ja
Freundeslisten verfügbar ja, Facebook-Freunde
weitere Inhalte verfügbar ja, z.B. Activity Stream
Zurücksenden von Inhalten möglich ja, z.B. Inhalte für den Activity Stream
Kommentar Bei Facebook-Nutzern sind in der Regel umfangreiche Profildaten vorhanden, die genutzt werden können.
Anzahl Nutzer mit entsprechender Identität über 200 Millionen (lt. Facebook)
Davon in Deutschland ca. 2 Millionen (lt. InsideFacebook)
Mehr Informationen Facebook Developers

Sign in With Twitter

Verwendete Technologie OAuth
Profildaten verfügbar ja
Freundeslisten verfügbar ja, z.B. Follower
weitere Inhalte verfügbar ja, z.B. Tweets
Zurücksenden von Inhalten möglich ja, z.B. Tweets
Kommentar Twitter hat nur sehr begrenzte Profildaten, die über diese API genutzt werden können.
Anzahl Nutzer mit entsprechender Identität ca. 6 Millionen (Schätzung via Mashable)
Davon in Deutschland ca. 62.000 (Schätzung lt. den Webevangelisten)
Mehr Informationen Twitter API Wiki

MySpaceID

Verwendete Technologie OAuth, Open Social
Profildaten verfügbar ja
Freundeslisten verfügbar ja, MySpace-Freunde
weitere Inhalte verfügbar ja, z.B. Activities
Zurücksenden von Inhalten möglich nein („coming soon“)
Kommentar Ähnlich umfangreiche Profildaten wie bei Facebook, aber basierend auf offenen Technologien.
Anzahl Nutzer mit entsprechender Identität ca. 260 Millionen (lt. Wikipedia)
Davon in Deutschland ca. 4 Millionen (lt. netzwertig.com)
Mehr Informationen MySpace Developer Platform

Google Friend Connect

Verwendete Technologie OAuth, Open Social
Profildaten verfügbar ja
Freundeslisten verfügbar ja, z.B. Gmail-Kontakte
weitere Inhalte verfügbar ja, über Open Social
Zurücksenden von Inhalten möglich ja, aber nicht eine zentralle Stelle
Kommentar Theoretisch offen für alle Websites, die OpenID zur Identifizierung zulassen.
Hauptsächlich verwendet für Websites, die ohne eigene Entwicklung Social Web Features anbieten möchten. Einbau ohne detailliertes technisches Wissen über Widgets möglich, keine Verbindung zum Inhalt der Website.
Anzahl Nutzer mit entsprechender Identität dank OpenID über 400 Millionen (wovon die wenigsten wissen, dass sie eine OpenID Identität haben)
Davon in Deutschland nicht ermittelt
Mehr Informationen Google Friend Connect

Open Stack

Verwendete Technologie OpenID, OAuth, Open Social
Profildaten verfügbar ja
Freundeslisten verfügbar ja
weitere Inhalte verfügbar ja
Zurücksenden von Inhalten möglich ja
Kommentar Einzelne offene Technologien, die in verschiedenen Kombinationen Grundlage für Umsetzungen sein können. Aber: Community / Nutzerbasis dahinter ist alleine durch die Technologien noch nicht gegeben.
Anzahl Nutzer mit entsprechender Identität dank OpenID über 400 Millionen (wovon die wenigsten wissen, dass sie eine OpenID Identität haben)
Davon in Deutschland nicht ermittelt
Mehr Informationen OpenID, OAuth, Open Social

Steht man nun vor der Entscheidung, welche Möglichkeiten man seinen Nutzern anbietet, sollte man nicht nur auf die nackten Zahlen und Funktionalitäten schauen. Zumindest bei den Funktionalitäten gibt es nicht viele grundlegende Unterschiede.
Viel eher muss man darauf schauen, in welchen Nutzergruppen man die eigene Zielgruppe am ehesten wiederfindet. Auch die User Experience sollte nicht außer Acht gelassen werden – wie stellen sich die verschiedenen Lösungen für den Nutzer dar bzw. wie einfach wird es dem Nutzer gemacht?
Leicht kann man in Versuchung geraten, einfach alle Services anzubieten um keinen Nutzer auszuschließen. Damit erreicht man in der Regel aber nur eine Verwirrung bei den Nutzern und so eher das Gegenteil von den erhofften steigenden Registrierungen.

Diese Betrachtung erhebt nicht den Anspruch, vollständig zu sein. Ich habe mich auf einzelne Aspekte konzentriert. Es gäbe daher zu jedem einzelnen bestimmt noch viel mehr zu sagen! Ergänzungen, Anregungen, Fragen sind daher wie immer herzlich willkommen.

1 Kommentar

  1. Karolin sagt:

    Prinzipiell muss ich sagen, kann man so eine Vereinfachung durchaus begrüßen, schließlich macht sie es mir als User ja doch wesentlich komfortabler, alle Logindaten zu verwalten. Ich brauche ja dann schlicht und einfach viel weniger. Trotzdem mache ich mir doch ein wenig Gedanken über die Sicherheit. Man hört ja doch immer wieder, dass die Daten bei facebook nicht unbedingt so megasicher gelagert sind und wenn ich mir dann vorstelle, jemand hackt sich diesen Login und hat dann damit auch automatisch Zugriff auf viele andere Dienste, die ich mit facebook verknüpft habe… nein, danke.

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