Alleskönner-Suchmaschine? Wolfram Alpha ist da!
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Benjamin Thiessen, Fr, 22. Mai. 2009
in Aktuelles

Alleskönner-Suchmaschine? Wolfram Alpha ist da!

Die neue, sehnlichst erwartete und in SEO-Kreisen schon im Vorfeld heiß diskutierte Suchmaschine Wolfram Alpha ist nun seit genau einer Woche live. Für diejenigen, die noch nichts davon gehört haben möchte ich sie kurz vorstellen. Letztendlich stellt sich die Frage, ob sie tatsächlich eine Konkurrenz für den Suchmaschinen-Marktführer darstellen wird, oder nicht…

Woher kommt diese „Maschine“ und was ist daran so neu?

Die Idee stammt vom britischen Naturwissenschaftler, Forscher und Entwickler der Software „Matematica“ Stephen Wolfram und wurde mit insgesamt 100 Entwicklern über vier Jahre hinweg programmiert. Neu daran ist seine Funktionsweise: Wolfram bietet bei einer Suche nicht wie die herkömmlichen Suchmaschinen eine lange Liste von Ergebnissen zum Thema an, sondern beantwortet die dahintersteckende Frage in einem einzigen Beitrag.

Wie funktionniert das?

Die Suchmaschine Wolfram Alpha „berechnet“ ein Ergebnis bevor sie es liefert. Diese Berechnung läuft über eine semantische d.h. intelligente Online-Suche, die Fragen bzw. ganze Zusammenhänge impliziert, und den zu Grunde liegenden Fakten von Onlinelexika bzw.vorhandenen Webinhalten. Das gelieferte Ergebnis bzw. die Antwort entsteht also aus der Kombination von Online-Suche und Online-Lexikon und wird als Antwort oder Statistik formuliert und dargestellt.

Der humanoide Onkel Wolfram hilft:

Wolfram Alpha kann man sich also als einen intelligenten Roboter vorstellen, der meine Fragen beantwortet und mir eine zusammen hängende Antwort liefert, ohne dass ich auf verschiedenen Webseiten weitersuchen muss. Wenn ich etwas suche oder nicht weiter weiss, kann ich also Onkel Wolfram fragen.

Dass Wolfram Alpha tatsächlich Antworten gibt und versucht eine Art von Kommunikation darzustellen, merkt man, wenn man „hello“ in das Suchfeld eingibt: Wolfram „interpretiert „Hello“ als Satz bzw. semantische Einheit und nicht als einzelnes Wort und gibt darauf die äußerst höfliche berechnete Antwort: „Hello human“

Womit kennt sich Wolfram aus?

Gute Antworten bekommt man in den Themenbereichen, die sehr zahlenlastig sind bzw. viele Zahlen und Fakten vorliegen: Technik, Geografie, Wetter, Wirtschaft, Reisen, Menschen und Musik. Bei meinungslastigen Themen kann Onkel Wolfram nicht so gut oder gar nicht helfen. Ist dies der Fall, antwortet er mit: „Wolfram Alpha isn’t sure what to do with your input“. Übersetzt: „Wolfram ist sich nicht sicher, was er mit der Eingabe tun soll.“ Sollte Wolfram wie gerade beschrieben also keine Antwort geben können, bekommt man jedoch auch gleich eine Hilfe zur Eingabe von Suchbegriffen. So solle man Folgendes bei der Suchanfrage mit Wolfram Alpha beachten : 1. Spezifische Eingaben machen – keine allgemeinen 2. Man bekommt nur Antworten zu „objektiven“ Fakten z.B. keine Antworten zum schönsten oder besten Produkt. Zum höchsten Berg jedoch schon. 3. Nur was bekannt ist, kann Wolfram Alpha auch kennen. So sollte man nicht nach der Anzahl von Monstern in Lochness fragen, wenn man eine Antwort möchte 4. Nur öffentliche Informationen sind über Wolfram erhältlich: Die Telefonnummer von Stars zählen dazu beispielsweise nicht.


Wissenswertes und Kurioses:

Zu manchen Fragen müssen einfach Fakten sprechen. Wenn also die Behauptung aufkommt, dass es früher durchschnittlich in der Region Bielefeld wärmer, kälter oder regnerischer war, wird Wolfram Alpha diese Bedenken ausräumen, die „menschliche Empfindung“ überprüfen und alle erdenklichen Statistiken zum Thema „Weather in Bielefeld“ liefern. Zusätzlich zu den übersichtlich – oft in Tabellenform-  dargestellten Informationen gibt es zahlreiche Buttons,hinter denen noch genauere Informationen stecken.

Auf Kurioses bin ich über einen Tipp von meinem Kollegen Alex gestoßen. Gibt man beispielsweise „88mph“ ein, sagt uns Wolfram, das dies die Geschwindigkeit ist, mit der Marty Mc Fly aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ sein Auto fahren muss, um eine Zeitreise machen zu können… Wer hätte das gedacht.
Konkurrenz zur Google-Suchmaschine ?

„Herkömmliche“ Suchmaschinen wie Google bieten einfach andere Inhalte an. Sie sind weniger intelligent bei der Suche als Wolfram Alpha und können uns mit ellenlangen Listen von unbrauchbaren Links überhäufen. Wir als Nutzer suchen auch „nach der Suche“ weiter nach der für uns passenden Antwort.

Dafür sind die klassischen Suchmaschinen vielfältiger und greifen auf alle Inhalte des Internets zurück. Viele Web 2.0 spezifischen Inhalte, also Meinungen, Bewertungen, Diskussionen, werden bei Wolfram Alpha ausgeklammert, da es sich eben um „subjektive Inhalte“ und nicht um „klassische Fakten und Zahlen“ handelt. Wenn man so will, gehört Wolfram schon der prophezeiten, auf Semantik basierenden, intelligenteren und strukturierteren web 3.0-Generation an.

Im Moment stecken die meisten Internetnutzer, meiner Meinung nach, noch in den Kinderschuhen des sogennanten Mitmach-Internets Web 2.0, in dem unendlich viele für die Allgemeinheit relevante, aber auch viele irrelevante Inhalte publiziert werden. In der Suchmaschinerie von heute kommt Wolfram Alpha sicher für einige selektierende Internetnutzer, die harte Fakten suchen, genau richtig!

Und wie suchst du? Wolframst du schon oder googelst du noch?

6 Kommentare

  1. Effi sagt:

    Danke für eure Kommentare! Wie alles Neue ist auch Wolfram Alpha eben gewöhnungsbedürftig. Ich warte auch gespannt auf die weiteren Entwicklungen. Vielleicht werde ich mich ein wenig zwingen Wolfram öfter zu nutzen, nur so bekommt man heraus, wie nützliche der gute Onkel Wolfram wirklich im Alltag ist 🙂

  2. Kai Thrun sagt:

    @Manuel
    Ich bin mir noch nicht sicher ob ich Wolfram gut oder schlecht finden soll. Ich lasse es auf mich zukommen denke ich und werde die Entwicklungen abwarten. In Moment sehe ich es aber als durchaus „nette“ Ergänzung.
    Die Frage ist halt, ob BigG’s „aufwerten/entfernen“ und Kommentieren von Links auch wirklich angenommen wird. Es wird allerdings Zeit für Alternativen, nachdem ja nun erst United Internet als auch Lycos den Suchschlitz zugeklebt haben (in den letzten Jahren).

    Es ist auch genug Platz für den ein oder anderen Wettbewerber da. Keine Frage. Wie bereits erwähnt, ich bin gespannt, wie das in einigen Monaten aussieht. Hoffentlich geht’s nicht ganz so schnell in die Versenkung oder etabliert sich gar. Vielleicht störe ich mich auch nur daran, dass es anders ist, als erwartet 😉

  3. Manuel sagt:

    @Kai genau dieses Problem könnte aber auch eins der größten Erfolgsgaranten für Wolfram sein. Denn dieser selektierte Teil der Information die ausgegeben wird, ist in einem wissenschaftlichen/objektiven Sinn relevant und nicht einfach durch Usereingriffe veränderbar. Der Relevanzbegriff von google ist i. V. wesentlich weiter (und nicht eindeutig) gefasst und kann relativ leicht beeinflusst werden.

    Ich persönlich bin gespannt wie sich Wolfram entwickeln wird, sobald die API veröffentlicht wird und die geschaffenen Infrastrukturen im Hintergrund angesprochen werden können.

  4. Kai Thrun sagt:

    Das Problem, auf welches Wolfram in Moment zuläuft ist, dass Sie nur einen selktierten Teil der Informationen abgreifen / anbieten. Daher finde ich die Betitelung „Antworten-Automat“ besser als Suchmaschine. Wolfram sucht nicht, sondern hält die Daten vor.

    Könnte aber unter’m Strich erfolgreicher wie cuil werden. Bleibt abzuwarten, wie es ist, wenn der mediale Fokus verschwindet

  5. Pingback: Daily News About Software : A few links about Software - Friday, 22 May 2009 06:00

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