Glasfaser für alle
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admin, Di, 26. Okt. 2010
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Glasfaser für alle

Gleiches Netz und Recht für alle: Die EU-Kommission hat ein Glasfasernetz-Machtwort gesprochen. © Gerd Altmann / PIXELIO www.pixelio.de

Das Geschäft mit der Glasfaser lohnt sich – schon lange und vor allem für die Telekomriesen Europas. Unverzichtbar ist das Thema deshalb, weil ohne Glasfaser kein high-speed Internet der neuen Generation für unsere beliebten Endgeräte und täglichen Wegbegleiter möglich ist, sei es Smartphone, PC, Laptop oder TV. Allein  der Investitionsbedarf hierzulande wird auf bis zu 50 Milliarden Euro geschätzt, europaweit könnten da schon mal 180 bis 270 Milliarden anfallen. Damit sind dann aber endlich auch (lukrative) Dienste wie ruckelfreies Internetfernsehen und Videokonferenzen in HD-Qualität möglich.

Der Ausbau der dafür notwendigen Glasfasernetze soll jetzt aber nicht nur den Top 10 der EU Telko-Riesen für die Errichtung neuer Monopole offen stehen, sondern auch kleineren Anbietern. Das hat die EU-Kommisson in neuen Regeln für das Hochgeschwindigkeitsnetz festgelegt. In den letzten Jahren ging es damit kaum voran, da die Regeln zur Nutzung der Netze unklar waren, und der Ausbau entsprechend stockte. Damit ist jetzt Schluss, denn wer in Europa Glasfaserkabel verlegt, muss allen interessierten Rivalen Zugang zu seinen Netzen geben – und zwar zu regulierten Preisen.

Mit dieser Grundsatzentscheidung (nachzulesen hier) will EU-Telekomkommissarin Neelie Kroes Anreize für den Netzausbau schaffen, ohne den Wettbewerb zu bremsen. Was die großen Anbieter nicht freut. Insbesondere da sie im letzten Jahr noch Rückendeckung der Bundeskanzlerin hatten, die der EU-Kommission damals den Vorschlag nahelegte, bekannten und erfahrenen Größen wie der Deutschen Telekom, Vodafone oder O2 die Chance zu geben, ihren Rivalen die Bedingungen für den Netzzugang vorgeben zu können. Natürlich alles unter dem Deckmäntelchen, die Konzerne damit zu Investitionen zu animieren.

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Pech gehabt, kann man da nur sagen, denn endlich mal gilt Chancengleichheit. Kroes besteht darauf, dass die Bundesnetzagentur allen Anbietern gleiche Zugangschancen bietet und die Leitungsmieten festlegt. Dabei soll die Behörde das Investitionsrisiko der Netzbetreiber „angemessen berücksichtigen“. Wer Glasfaser verlegt, darf die Konkurrenz über Mindestabnahmemengen und Langfristverträge am Risiko beteiligen, aber niemanden durch sein (oftmals willkürlich erscheinendes) Preisgebaren vom Netz ausgrenzen. Das gilt auch für Anbieter, die nur regional hohe Marktanteile haben, beispielsweise Netcologne oder O2 Alice.

Die Beschwerden kampen prompt über den Telko-Dachverband Etno. „Wir fürchten, dass die systematische Anwendung kostenorientierter Zugangsverpflichtungen nicht angemessen ist für Netze der neuen Generation“, sagte Etno-Chef Michael Bartholomew der FTD. Unter diesen Bedingungen sei der Glasfaserausbau eine „Herausforderung für Investoren“. Gut, dass man bekanntlich an seinen Herausforderungen wächst. Und die daraus resultierende Anbietervielfalt uns – den Endkunden und ihren Geldbeuteln – zu Gute kommt.

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