Gema vs. YouTube: Wem bringt Musik auf YouTube eigentlich was?
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Benjamin Thiessen, Do, 23. Feb. 2012
in Aktuelles

Gema vs. YouTube: Wem bringt Musik auf YouTube eigentlich was?

Vielleicht ist in der Internet-Musikwelt bald wieder alles so wie es war, bevor es CD-Brenner und dann das Herunterladen von Musik über das Internet gab und dann auch noch YouTube auf den Plan trat. Auf Golem wird heute Edgar Berg, Chef von Sony Music International, mit den Worten zitiert: „Das Internet ist für uns ein Segen“. Er möchte, dass die Gema die gesperrten Videos auf YouTube wieder freigibt.  Wenn sogar Sony selbst jetzt schon solche Äußerungen von sich gibt, kann die Vereinnahmung der Musikbranche im Internet durch die ehemals – und dann wieder – großen Plattenfirmen nicht mehr weit sein.

Edgar Berg lobt die Verknüpfung von Stars, Künstlern, Fans und Produzenten. Vielleicht gibt es in dieser Reihe eigentlich eine Person, die nicht dazu gehört, vielleicht täusche ich mich da aber auch. Das hier ist meine persönliche Meinung zu dem Ganzen, es gibt sicherlich viele Andere die das anders sehen. Was ich mir wünsche ist natürlich eines: ein Künstler, der seine Zeit am Tag und in der Woche und in vielen Monaten und Jahren damit zubringt, Kunst zu erschaffen (also Musik zu machen, Filme zu drehen, Bücher zu schreiben, Theater zu spielen, Tanz aufzuführen etc. pp.) muss irgendwie sein Leben finanzieren. Der will seine Miete bezahlen, seinen Bauch füllen und ein bisschen Allerwelts-Luxus genießen (meinetwegen sei dazu inzwischen auch ein Smartphone gezählt). Die Plattenfirmen und die Musikindustrie hat uns in den letzten Jahren versucht weiszumachen, dass das nicht mehr geht weil viel zu viel Musik illegal heruntergeladen wird. Darüber kann man geteilter Ansicht sein. Meine Meinung dazu ist, dass die Plattenfirmen sich manchmal vom Kunstkuchen ein zu großes Stück abgeschnitten haben.

Ich habe nichts dagegen, dass sich Leute zusammentun, die sich sagen: Hey, wir wollen Künstlern helfen, bekannt zu werden. Dafür suchen wir uns die Bands und Musiker, übernehmen für sie die Arbeit, machen also Marketing, besorgen ein Studio, strecken Geld für die Vervielfältigung von Datenträgern vor, und bekommen selbst dafür auch etwas. Aber die Verteilung dabei muss gerecht sein. Und das war sie nicht immer. Die Plattenfirmen müssen ihr Denken da immer noch ändern und haben dies zum Teil ja auch schon getan. Die Gema kämpft im Prinzip da ja auch für was Gutes. Sie sorgt dafür, dass die Künstler entlohnt werden. Bei der YouTube Debatte aber schaltet sie sich meines Erachtens zu stark ein und verpennt da auch eine Entwicklung. YouTube selbst hilft dabei, Musik demokratisch zu verteilen. YouTube ist ein Vehikel. Die Stars die bekannt sind, brauchen YouTube nicht. Die Fans werden sich die Platten eh kaufen. Die Bands und Musiker die klein sind, können YouTube nutzen um bekannter zu werden (siehe Walk Off the Earth).

Eins ist dabei definitiv ausgeschaltet: Plattenfirmen können weniger steuern, was wir als Konsumenten zu sehen bekommen und uns weniger Plastik-Bands verkaufen, die am Reißbrett entworfen wurden. Und ich würde alles unterstützen, was die Steuerung der Musikwelt durch Plattenfirmen verringert. Alle sozialen Netzwerke, also Facebook, Twitter und auch YouTube müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie wirksame Instrumente der Nutzer sind. Sie sollten sich da nicht zu sehr an große Konzerne und Unternehmen anbiedern sondern unabhängig bleiben. Auf welche Seite schlägt man sich also nun? Gema, YouTube, Sony Music, Indie-Bands?

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