Sony SmartEyeglass und Google Glass
Author
Lena Kunikowski, Sa, 21. Feb. 2015
in Aktuelles

Sony SmartEyeglass und Google Glass

Was können Datenbrillen?

Monatelang war Google Glass in aller Munde. Obwohl die Datenbrille Kritikermeinungen nach wie vor spaltet und der Verkauf im Januar 2015 gestoppt wurde, ziehen andere Hersteller nach. Ab März gibt es die SmartEyeglass von Sony. Wir erklären euch, was die Gadgets können und für wen sie sich lohnen.

In den Image-Videos versprechen uns Datenbrillen eine faszinierende Zukunft. Beinahe hat es den Anschein, als müsste man künftig weder selbst denken, noch mit anderen Menschen sprechen, um mit so wenig Aufwand wie möglich durch das Leben zu kommen. Datenbrillen sagen uns wo wir sind, wie wir woanders hinkommen, übersetzen für uns Straßenschilder oder Speisekarten und machen auf Ansage Fotos oder Videos von dem, was wir gerade sehen. Sie informieren uns über Sehenswürdigkeiten, erkennen und erklären Gegenstände oder zeigen, ob das neue Kleid im Laden in irgendeinem Online-Shop vielleicht günstiger zu haben ist. Datenbrillen wie Google Glass oder die Sony SmartEyeglass suggerieren –  natürlich in Verbindung mit unseren nicht mehr wegzudenkenden Smartphones –  ein sorgenfreies Leben. Und auch für Unternehmen scheint sich der Einsatz von Augmented Reality Brillen zu lohnen. Der IT-Distributor Bechtle zeigt in einem Video den Einsatz von Datenbrillen im Warenlager: Dort können die Mitarbeiter komplett freihändig arbeiten, während ihnen die Brille anzeigt, welche Waren wie und wohin umgelagert werden müssen.

Google machte den Vorreiter, ging baden und trotzdem zieht Sony jetzt nach. Und auch der chinesische Hersteller Lenovo tüftelt bereits fleißig an seiner Version einer Augmented Reality Brille. Wir haben uns die wichtigsten Fakten und den Funktionsumfang der Datenbrillen einmal genauer angeschaut.

Sony SmartEyeglass

Die Datenbrille von Sony ist ab März 2015 in Deutschland erhältlich. In einem Punkt unterscheidet sie sich besonders von Google Glass: Hier werden beide Brillengläser genutzt. Während bei Googles Datenbrille sämtliche Bilder und Texte nur in einem Prisma im rechten Glas erscheinen, zeigen bei der Sony SmartEyeglass beide Gläser Bildmaterial. Zudem gibt es einen integrierten Helligkeitssensor und Beschleunigungsmesser. Bezüglich der nutzbaren Apps ist bislang bekannt, dass neben Gmail und dem Kalender auch Facebook und Twitter zur Verfügung stehen. Den eigenen Standort lokalisiert die Sony SmartEyeglass über das mit ihr verbundene Smartphone – man sollte also immer beides dabei haben. Mit der Brille kommt übrigens noch ein 44 Gramm schwerer Controller, in dem Mikrophon und Kopfhörer integriert sind.

Daten & Fakten zur Sony SmartEyeglass

  • Preis 800 €
  • Gewicht 77 Gramm, Maße 18 x 3,9 x 18,2 cm (mit geöffneten Bügeln)
  • Gläser 3 mm dünn, 85% transparent, 419 x 138 Pixel Auflösung
  • Kamera 3 Megapixel, Achtung: Videos werden ohne Ton aufgenommen
  • Speicher 16 GB
  • Verbindung Bluetooth 3.0 oder WLAN
  • Betriebssystem Android 4.4 KitKat oder höher
  • Akku (lt. Hersteller) 80 Minuten im Dauerbetrieb

Einen großen Nachteil hat die Sony SmartEyeglass aber definitiv: Es gibt nur ein Modell – also nichts für Individualisten. Da sich über Geschmack ja bekanntlich streiten lässt, äußern wir uns zur Optik der Sony SmartEyeglass besser nicht. Nur so viel: Dezent ist etwas anderes. Oder: Sie muss zur Kopfform passen.

Wer jetzt trotzdem Feuer gefangen hat: Hier geht es zur SmartEyeglassVorbestellung

Sony SmartEyeglass Screenshot

Screenshot von https://developer.sonymobile.com/products/smarteyeglass/ – die Optik der SmartEyeglass ist durchaus auffällig

Google Glass

Im Januar gab Google bekannt, dass der offizielle Verkaufsstart von Google Glass auf unbekannte Zeit verschoben wird. Bislang sind nur ein paar tausend Modelle in Umlauf, die nur in den USA erworben werden konnten. Google will nun ein neues Modell mit Intel Prozessor und auch insgesamt besserer Hardware entwickeln. Spannend bleibt, ob mit der nächsten Version die bereits zum Patent angemeldete Laser-Tastatur funktioniert. Damit soll Google Glass eine virtuelle Tastatur auf die Handfläche des Nutzers projizieren können, mit der er Nachrichten schreiben oder Anrufe annehmen kann. Sehr interessant (aber vielleicht auch nutzlos) ist auch die in der jetzigen Version bereits verfügbare Funktion „Screencast“: Mit ihr kann man auf dem Smartphone genau das sehen, was der Träger der Google Glass gerade durch seine Brillengläser sieht. Ansonsten gibt es natürlich eine direkte Verbindung zu den anderen Google Diensten wie Google Maps oder der Google Suche.

Daten & Fakten zur Google Glass

  • Preis 1.500 US Dollar
  • Gewicht 50 Gramm
  • Gläser Auflösung 640×360 Pixel
  • Kamera 5 Megapixel
  • Speicher 16 GB, davon 12 GB nutzbar
  • Verbindung Bluetooth 3.0 oder WLAN
  • Betriebssystem Android 4.0.4  Ice Cream Sandwich oder höher
  • Akku (lt. Hersteller) 8 Stunden (Nutzer-Tests liegen eher bei 2 Stunden)

Lenovo

Über die Datenbrille des chinesischen Herstellers Lenovo ist bislang nicht allzu viel bekannt. Auffällig ist, dass der Akku beim Prototyp nicht in den Bügel der Augmented Reality Brille integriert ist. Stattdessen schwingt er um den Nacken, was laut Lenovo für eine längere Laufzeit sorgen soll. Ansonsten wird das chinesische Modell wohl mehr oder weniger das Gleiche bieten wie die Produkte von Google und Sony: Steuerung durch Sprache oder Gesten, eine 5 Megapixel Kamera und 12 GB nutzbaren Speicher.

Fazit

Braucht man eine Datenbrille? Wahrscheinlich nicht. Will man eine Datenbrille? Das bleibt jedem selbst überlassen. Aber das hat man in den 80er Jahren auch über PCs und in den 90ern über das Internet gesagt. Alle, die sich selbst nicht zu absoluten Technik-Junkies oder gar Nerds zählen, dürfte zumindest heute vor allem der happige Preis, die bislang begrenzten Anwendungsmöglichkeiten und die gewöhnungsbedürftige Optik abschrecken.

Im Zusammenhang mit dem Preis noch ein Fun-Fact zum Schluss: Die Betreiber der Website teardown.com haben Google Glass auseinander genommen und die einzelnen Komponenten genau untersucht. Ergebnis: Die Materialkosten liegen ungefähr bei 100 US Dollar. Wer also einen findigen Bastler im Bekanntenkreis hat…

1 Kommentar

  1. Sebastian sagt:

    Interessantes Thema, ich bin gespannt was da noch kommt …

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