Ist Filme streamen illegal?
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Maren Keller, Do, 27. Apr. 2017
in Aktuelles

Ist Filme streamen illegal?

Der EuGH hat entschieden

Ist Filme streamen illegal? Bislang befanden sich Nutzer, die illegal hochgeladene Filme über das Internet angeschaut haben, also gestreamt haben, in einer rechtlichen Grauzone. Nun hat der europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass Filme streamen illegal ist.

Was das bedeutet, wer betroffen ist und welche Folgen das hat, erklären wir euch.

Was es genau bedeutet, Filme zu streamen, und wie das geht, erfahrt ihr in unserem Ratgeber Alles zum Thema Online Stream.

Filme streamen illegal?

Ist Filme streamen illegal? Der EuGH hat entschieden.

Filme streamen illegal? Der EuGH sagt „ja“

Auch wenn es im aktuellen Fall nur um eine so genannte Streaming Box ging, lässt sich das Urteil des EuGH auf jedes unerlaubte Streamen übertragen. Die rechtliche Grauzone, in der sich die Nutzer bislang befanden, ist verschwunden. Nun ist Filme streamen illegal. Betroffen sind unter anderem illegale Portale wie kinox.to. Und das hat Folgen. Denn das Anschauen von Filmen, die unerlaubt ins Netz geladen wurden, stellt nun eine Urheberrechtsverletzung dar.

Für Musik gilt das ja schon länger: Nutzer von Internettauschbörsen, die Filme oder Musik per „Filesharing“ herunter- und für andere wieder hochladen, bekommen deshalb immer wieder teure Abmahnungen. Droht das jetzt auch, wenn ihr illegal Filme streamt?

EuGH-Urteil zum Filme online kostenlos gucken

Worum geht es genau in dem aktuellen Gerichtsurteil des EuGH zum Filme online kostenlos gucken? Es geht um den niederländischen Anbieter einer Multimedia-Box, auch Kodi-Box geannt. Solche Abspielgeräte gibt es zu Hauf. Mit ihnen lassen sich Inhalte aus dem Internet ganz unkompliziert auf dem Fernseher abspielen. Natürlich nicht nur illegale Streams, sondern auch solche, die legal und kostenlos sind. Der Niederländer hatte auf seiner Multimedia-Box allerdings Programme vorinstalliert, mit denen die Kunden problemlos Filme und Sportübertragungen von illegalen Streamingseiten auf ihren Fernseher bringen können. Genau damit, also mit der Möglichkeit, Kostenpflichtiges umsonst schauen zu können, warb er im Internet.

EUGH: Verkauf der Box für Streaming illegal

Allein der Verkauf einer solchen Multimedia-Box ist für Streaming illegal. So entschied der EuGH, denn allein der Verkauf stellt eine öffentliche Wiedergabe dar, die ohne die entsprechenden Rechte illegal ist. Auch für die Nutzer solcher Boxen gebe es keinen Schutz, so der EuGH weiter. Denn sie greifen ganz bewusst und kostenlos auf illegale Streams zu. Aber auch die vorübergehende Speicherung der illegalen Filme beim Streamen ist vom Urheberrecht geschützt, so der EuGH, da den eigentlichen Inhabern der Film- und Sportrechte durch die Streams ein „ungebührlicher“ Schaden entsteht.

Ist also jedes Filme streamen illegal?

Was bedeutet das Urteil für euch? Ist jedes Filme streamen illegal? In dem Urteil geht es zunächst nur um die Nutzer der Multimedia-Boxen, die für illegale Streams verkauft werden. Dennoch lässt sich laut Jura-Professor Benjamin Raue aus Trier auch für andere Streamer eine Bedeutung herauslesen. Er sagt, das Urteil könne verallgemeinert werden. Denn „auch wer mit seinen Computer bewusst auf eine illegale Streaming-Seite geht oder sich im Internet einen kostenlosen Bundesliga-Livestream sucht, obwohl er weiß, dass die Spiele nur gegen Geld angesehen werden dürfen, der verstößt nach dem heutigen EuGH-Urteil höchstwahrscheinlich gegen das Urheberrecht.“

Somit ist Filme streamen illegal, wenn der Nutzer sich etwas anschaut, von dem er weiß, dass es Geld kostet. Das kann neben Sportereignissen auch auf Filme zutreffen, die frisch im Kino anlaufen, aber bereits in voller Länge im Internet zu sehen sind.

Welche Strafen drohen beim illegalen Streamen?

Was passiert, wenn ihr beim illegalen Streamen erwischt werdet? Natürlich drohen euch dann von den Rechteinhabern Abmahnungen und Schadensersatzforderungen – ähnlich wie beim Filesharing von Musik. Allerdings wird die Strafe nicht ganz so hoch ausfallen. Beim Filesharing zahlt ihr zum einen, weil ihr Musik illegal anhört, zum anderen, weil ihr sie illegal wieder hochladet und anderen zur Verfügung stellt. Beim Streamen von Filmen müsst ihr nur für das illegale Anschauen der Filme zahlen. Abmahnkosten sind im Privatbereich auf 150 Euro gedeckelt, dazu kommt aber noch der Schadensersatz pro Film. Da liegen die Kosten bei 5 bis 10 Euro pro Film.

Keine Abwahnwelle trotz illegalen Streamens

Medienanwalt Solmecke rechnet aber trotz illegalen Streamens nicht mit Abmahnwellen, wie sie von Musik-Tauschbörsen bekannt sind. Nutzer der illegalen Portale wie kinox.to, Streamcloud und anderen können nur über die IP-Adresse ausfindig gemacht werden. Aber viele illegale Portale speichern keine IP-Adressen, um die Anonymität ihrer Nutzer zu gewährleisten. Gefährlich werden kann es für Premium-Nutzer, die für die illegalen Portale bezahlen und deshalb auch Adress-Daten angeben. Sie sind leichter ausfindig zu machen, so dass es schneller zu Abmahnungen durch Forderungen der Rechteinhaber kommen kann.

Unser Tipp: Finger weg vom illegalen Streamen

Am besten ist es, wenn ihr gar nicht erst illegal streamt. Es gibt genügend Anbieter, die ein solides, allerdings zum Teil kostenpflichtiges Angebot an Filmen und Serien legal zur Verfügung stellen. Auch wenn dann natürlich aktuelle Blockbuster nicht zur Verfügung stehen. Mit den Filmen der unterschiedlichen Genres werdet ihr aber dennoch sehr gut unterhalten. Zu nennen wären YouTube, Clipfish, Netzkino, StreamOn der Telekom, MyVideo, Maxdome und Netflix. Wie Netflix funktioniert und was es kostet, erfahrt ihr bei uns im Ratgeberbeitrag Was ist Netflix. Auch legale Musikportale wie Spotify, Napster oder Apple Music gibt es en masse. Wenn ihr euch hier anmeldet, droht euch die Gefahr einer Abmahnung oder Strafzahlung nicht.

Noch mehr Informationen zu der Frage, ob Filme streamen illegal ist, findet ihr in den Artikeln EuGH erschwert illegales Streamen, illegales Streamen wird schwieriger, Abmahnung Streaming und Neues Urteil.

2 Kommentare

  1. Ulrike sagt:

    Interessant, dass trotz des Streaming-Verbotes keine bundesweite Abmahnwelle zustande kam. Jedoch glaube ich auch, dass es besser ist nicht zu streamen und habe meinen Kindern auch gesagt, die Finger von solchen Seiten zu lassen. Am Ende geht doch irgendetwas schief und dann muss man den Rechtsanwalt einschalten, um wieder aus der Sache heraus zu kommen..

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