Hilfe-Apps für den Notfall
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Maren Keller, Mo, 17. Jul. 2017
in Smartphone & Tablet

Hilfe-Apps für den Notfall

Wie Lebensretter-Apps helfen können

Ein Unfall ist schnell passiert. Gut wenn ihr wisst, was im Notfall zu tun ist. Doch meistens ist der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon etwas länger her. Wenn ihr euer Smartphone bei euch habt, dann benutzt es nicht, um Gaffer-Filme aufzunehmen, sondern nutzt Hilfe-Apps, um den Verunfallten zu helfen.

Welche Lebensretter-Apps es gibt und welche Notfall-Apps für euer Smartphone sinnvoll sind, erfahrt ihr hier.

Ihr fragt euch, wie ihr richtig helfen könnt? Ihr wisst nicht, was im Notfall zu tun ist? Grundsätzlich gilt: Wichtig ist, dass ihr überhaupt helft. Denn nichts ist schlimmer, als nicht zu helfen und den Verunglückten allein zu lassen oder gar zu ignorieren.

Hilfe-Apps

Hilfe-Apps auf dem Smartphone sind nützlich, wenn ihr im Notfall helfen müsst.

Hilfe-Apps für Beatmung, Reanimation und Co.

Stellt euch vor, ihr seid in der Stadt unterwegs und plötzlich bricht vor euch jemand zusammen. Klar wollt ihr helfen, aber wie? Was ist zu tun? Wenn ihr nicht mehr wisst, wie Beatmung, Reanimation und Co funktionieren, kann es sinnvoll sein, Hilfe-Apps auf dem Handy zu haben. Sie unterstützen euch im Notfall, wenn ihr nicht mehr weiter wisst. Denn jede Minute ohne Reanimationsmaßnahmen verringert die Überlebenschancen des Verletzten um zehn Prozent. Wird nicht innerhalb von fünf Minuten nach dem Unfall eine Herzdruckmassage durchgeführt, kommt jede Rettung zu spät. Allerdings vergehen hierzulande bis zu 15 Minuten – auf dem Land teilweise noch länger – ehe ein Rettungswagen mit Notfallsanitätern eintrifft. Lebensrettende Maßnahmen durch Passanten sind deshalb so wichtig, weil dadurch die Überlebenschancen steigen.

Hilfe-Apps – eine Auswahl für Erste-Hilfe-Maßnahmen

Unzählige Hilfe-Apps findet ihr beispielsweise im Google Play Store. Ob Malteser oder DRK, Notruf  oder Vergiftung, Hundebiss oder Erste Hilfe am Kind – für beinahe jedes Problem gibt es die passende App. Wir stellen euch eine Auswahl vor, die sicherlich sinnvoll sein kann. Allerdings: Einen praktischen Erste-Hilfe-Kurs ersetzen die Apps natürlich nicht.

Hilfe-App: Notfall ID​

Die Hilfe-App Notfall ID gibt es nur für Android. In der App Notfall ID hinterlegt ihr auf eurem Smartphone wichtige medizinische Hinweise für den Notfall.​ Sei es der Hinweis über eine Medikamentenallergie oder ein notwendiges, lebensrettendes Präparat. Dabei entscheidet ihr selbst, welche Infos ihr in der App hinterlegt. Neben Name und Geburtsdatum ist es vielleicht sinnvoll, die Blutgruppe einzugeben. Dann kann euch mit dieser App schnell geholfen werden, bzw. ihr könnt schnell helfen, wenn andere die App nutzen. Als Ersthelfer habt ihr gute Karten, da die Informationen direkt über den Sperrbildschirm abgerufen werden können. Damit der Datenschutz nicht zu kurz kommt, ist eine Codesperre in die App implementiert. Den Code habt ihr zum Beispiel als Armband dabei, was die App-Macher gleich mit anbieten. Der Preis ist allerdings happig: 27 Euro soll das Armband kosten.

Vorteile: Die App ist kostenlos, lässt sich unbegrenzt mit Informationen füttern, liefert Erste-Hilfe-Tipps vom DRK und ist über die Codesperre abgesichert. Als Nachteile könnt ihr das wenig originelle Design sehen, auf jeden Fall aber die Werbung für das Armband.

Eine ähnliche App gibt es auch für Apple. Health heißt sie und muss nur aktiviert werden. Unter dem Button „Notfallpass“gebt ihr hier eure medizinischen Hinweise ein.

Hilfe-App: ASB Erste Hilfe​

Laut Entwickler bietet die Hilfe-App ASB Erste Hilfe alle Inhalte eines Erste-Hilfe-Kurses.​ Allerdings gibt es auch die App ASB Erste Hilfe nur für Android. Die Icons der App teilen die Inhalte in wichtige Kategorien auf. Unter dem Begriff „Notfall“ sind beispielsweise viele gängige Erkrankungen und Notfall-Themen gelistet.  Hier erfahrt ihr, wie sich ein Herzinfarkt oder Schlaganfall äußert und was dann zu tun ist. Eine weitere Kategorie beschriebt die Wundversorgung, also wie Verbände angelegt werden und welche Sofortmaßnahmen bei verschiedenen Verletzungsarten nötig sind. Dabei erleichtern Bilder die Herangehensweise und das Verständnis der Maßnahme. Der Bereich „Wiederbelebung“ ist leider sehr ausführlich beschrieben, so dass ihr hier im Notfall zu viel Zeit mit Tippen und Lesen verliert. Außerdem fehlt ein Metronom als Taktgeber oder ein Liedvorschlag für die korrekte Frequenz der Herzdruckmassage.​

Die Vorteile dieser App sind die leichte Bedienbarkeit und die gut bebilderten Erklärungen. Als Nachteil ist zu sehen, dass sich die Videos in unserem Test nicht abspielen ließen.

Hilfe-App: DRK Erste Hilfe​

Auch das Deutsche Rote Kreuz hat eine Hilfe-App entwickelt. Die DRK Erste Hilfe kann als Auffrischung mit Notfall-Assistent im Taschenformat gesehen werden. Die App gibt es sowohl im Google Play Store​ als auch im Apple App Store​. Diese App bietet im Notfall die Möglichkeit, den Nutzer mit einer interaktiven Galerie durch die Situation zu führen. Dabei ermittelt die App über Ja/Nein-Fragen, was passiert ist und welche Hilfe nötig ist. Ist der Betroffene bei Bewusstsein? Hat er sich verletzt? Die App gibt Hilfestellungen über Bilder und mit Sprachausgabe. So erfahrt ihr ganz schnell, wie ihr beispielsweise einen Bewusstlosen in die stabile Seitenlage bringt, einen Druckverband anlegt oder eine Wiederbelebung durchführt. Die App enthält ein Metronom, das den Rhythmus der Herzdruckmassage vorgibt. Zudem sind die Infos zu Erste-Hilfe-Maßnahmen gut und ausführlich beschrieben und der Notruf-Assistent mit Tipps zum korrekten Vorgehen und integrierter Standortbestimmung rundet die App ab.​​ Nachteil: Sie kostet 0,89 Euro.

Hilfe-App: Defi-App​

​Mit einer nützlichen Hilfe-App namens Defi-App findet ihr im Notfall den nächstgelegenen Defibrillator.​ Die App gibt es von Google und Apple. Europaweit sind 17.200 dieser Defibrillatoren verzeichnet, die bei einem Herzstillstand die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich erhöht und teilweise sogar bei der manuellen Herzmassage unterstützt. Beim Start der App öffnet sich ein Fenster, aus dem ihr direkt den Notruf absetzen könnt. Daraufhin könnt ihr über die in die App integrierte Google-Maps-Karte den nächsten Defibrillator finden. Ein Plus ist auch, dass Gehörlose die App nutzen können. Dafür braucht es allerdings ein Passwort, das Betroffene beim App-Entwickler, dem Bayrischen Roten Kreuz, erhalten. Zugleich baut die App auf die Mithilfe der Nutzer: Wer einen Defibrillator sieht, der noch nicht verzeichnet ist, kann ihn mit dem Anmeldeformular in die App aufnehmen.​ In größeren Städten wie Hamburg oder Berlin gibt es Apps vom Arbeiter-Samariter-Bund, in denen Defi-Standorte verzeichnet sind.

Notruf auch ohne Hilfe-Apps

Nicht zu vergessen ist natürlich, dass ihr auch ohne Hilfe-Apps sowohl Erste Hilfe leisten und auch Hilfe bekommen könnt. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ihr noch alle Grundlagen der Ersten Hilfe beherrscht, solltet ihr euer Wissen in einem Kurs auffrischen oder vertiefen. Und wenn ihr euch selbst in einem Notfall befindet, könnt ihr einen Notruf auch immer über das gesperrte Smartphone absetzen. So ist stets gewährleistet, dass Polizei und Feuerwehr erreichbar sind. Sogar, wenn das Guthaben auf euer Prepaid-Karte bereits verbraucht ist.

Außerdem gibt es zahlreiche Notfall-Apps die für euch Hilfe holen. Welche das sind und wie gut sie funktionieren, hat der WDR getestet. Das Ergebnis zeigt euch dieses YouTube-Video:

Noch mehr Infos, weshalb Erste Hilfe so wichtig ist, erfahrt ihr in dem Artikel So hilft das Smartphone im Notfall. Eine Liste mit Liedern, die den richtigen Takt für eine Herzdruckmassage haben, liefert euch der Artikel Der perfekte Rhythmus.

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