Adware erkennen und entfernen
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Robin Laufenburg, Mo, 11. Okt. 2021
in IT-Sicherheit

Adware erkennen und entfernen

Was ist Adware und wie wird man sie los?

Bei Adware oder „Advertising Malware“ handelt es sich um bösartige Software, die auf Ihren Geräten ungewünschte Werbung schaltet. Leider ist sie nicht immer einfach nur nervig, sondern manchmal auch wirklich gefährlich.

Was Adware genau ist, wie Sie sie erkennen und sich vor ihr schützen, erfahren Sie hier!

Was ist Adware?

Auch dann, wenn Sie nicht wissen, was Adware ist, dürften Sie sie aus Film und Fernsehen kennen: Aufgrund der präsenten Pop-Ups, die ganze Bildschirme einnehmen und sich oft nicht schließen lassen, wird sie medial oft stellvertretend für sämtliche Schadsoftware gezeigt.

Der Begriff Adware ist die Kurzform von Advertising Malware (aus dem Englischen für „werbende Schadsoftware“) und bezeichnet Software, die dazu dient, Werbung anzuzeigen oder auf das Zielsystem zu schleusen. Bei sogenannten Werbeprogrammen handelt es sich um Software, die als Hauptfunktion hat, Werbung anzuzeigen. Es kann sich bei Adware bzw. werbefinanzierter Malware auch um einen integrierten oder extern hinzugefügten Bestandteil von Software handeln. In dem Fall spricht man von Adware-Modulen. Normalerweise gibt es keine Anzeichen dafür, dass sie  installiert wurde, weder in der Startleiste, noch in der Symbolleiste oder auf dem Desktop. Zur bekannten Adware-Programmen gehören Crusader und eFast.

Was ist Adware

Heute sind wir Werbung gewöhnt. Doch was ist Adware und warum ist diese Sonderform von digitaler Werbung so gefährlich? Bild: Ivan Samkov

Handelt es sich bei Adware um Werbeanzeigen?

Man findet in den Weiten des Internets eine ganze Fülle an fragwürdigen Werbeanzeigen. Womöglich denken Sie, wenn Sie diese sehen, dass es sich um Adware handelt. Das ist aber nicht ganz korrekt. Denn genau genommen handelt es sich bei Adware stets um Programme oder Module, die ihren Ursprung auf Ihrem System haben. Besonders häufig wird sie über kostenlose oder qualitativ minderwertige Programme auf Ihren Rechner oder Ihr Handy geschleust. Natürlich nimmt sich Adware dabei in der Erscheinung nicht viel zu unseriösen Werbeanzeigen.

Besonders auf fragwürdigen Internetseiten sieht man eine Menge solcher Werbung. Diese wird aber von der Seite selbst geschaltet und hat ihren Ursprung somit nicht auf Ihrem System. Wenn Sie auf die Anzeigen klicken, ist es wahrscheinlich, dass Sie sich Malware herunterladen, Sie sollten also Online-Anzeigen aus unseriösen Quellen meiden.

Schadet Adware Ihnen?

Adware wird heute wie alle Werbung immer komplexer. Da sich Adware zum Teil erheblich voneinander unterscheidet und entsprechende Programme und Module auch unterschiedlich bösartig – oder sogar legitim – sind, lässt sich nicht generalisierend sagen, wie schädlich Adware ist. Adware kann jedoch in zwei verschiedene Unterarten unterschieden werden: Es kann sich bei ihr zum einen um legal agierende Software bzw. legitime Softwaremodule handeln, aber zum anderen auch um perfide Schadsoftware.

Adware-Anwendungen und Adware-Module verschaffen sich fast immer Zugriffsrechte für Ihr System oder entsprechende Programme und lassen aufdringliche und unerwünschte Anzeigen erscheinen. Bei legaler und verhältnismäßig harmloser Adware erscheinen die Werbeanzeigen und Pop-Up-Fenster & Co. in der Regel lediglich in Verbindung mit dem zugehörigen Programm. Die entsprechende Freeware oder Shareware finanziert sich meistens durch die lästigen Adware-Module. Oft bieten Softwarehersteller kostenpflichtige Versionen an, in denen die Werbeanzeigen automatisch entfernt sind.

Advertisting Malware schadet

Advertisting Malware schadet Ihrem Gerät unter Umständen erheblich und zeigt nicht bloß Pop-Ups an. Bild: Pexels/AndreaPiacquadio

Advertising Malware – das kann sie anrichten

Gefährliche Advertising Malware leitet Ihre Web-Suchanfragen auf Werbewebsites um oder baut auf legitimen Internetseiten zusätzliche Werbeblöcke ein. Adware erfasst dabei meistens personenbezogene Daten und wertet beispielsweise mittels Keyloggern das Nutzerverhalten aus, um personifizierte Werbung zu schalten. In diesem Fall agiert die Adware gleichzeitig auch als Spyware.

Auch können Adware-Komponenten Sicherheitseinstellungen untergraben, Sicherheitslücken ausnutzen oder sogar schaffen. Hierdurch können im schlimmsten Fall auch andere Schadprogramme auf Ihr System gelangen. Werbefinanzierte Software wie Superfish können zudem funktionell Man-in-the-Middle-Angriffe sein, sie leiten also Ihren Datenverkehr an Angreifer weiter.

Adware kann für Sie oft aber auch schon gefährlich sein, ohne dass entsprechende Programme und Module Sicherheitslücken öffnen, Schadsoftware einschleusen oder Teil eines Angriffs sind. Immerhin nimmt Adware hohe Rechenleistung Ihrer Geräte in Anspruch. Die Schadsoftware verlangsamt so ziemlich immer Ihr Gerät und entsprechend genutzte Programme wie Ihren Webbrowser erheblich. An mobilen Endgeräten kommt der meistens ungewöhnlich hohe Datenverbrauch hinzu, der oft ziemlich teuer werden kann.

Exkurs: Sind schädliche Adware-Programme Viren?

Sie fragen sich vielleicht, was schädliche Adware und Computerviren voneinander unterscheidet. Immerhin kommt es immer wieder dazu, dass Personen und Programme den Begriff „Virus“ als Sammelbegriff für sämtliche Schadsoftware, sogenannte Malware, verwenden. Dennoch handelt es sich trotz gewisser Ähnlichkeiten nach genauer Definition bei Adware nicht um Viren. Und das obwohl Bilder von Adware-Programmen und -Modulen oft als mediale Veranschaulichung für Malware und damit fälschlicherweise auch für Viren genutzt werden.

Computerviren sind Anwendungen, die sich selbst vervielfältigen, Dateien beschädigen und sich eigenständig auf neue Hosts verbreiten. Adware verbreitet sich hingegen nicht selbstständig, sondern ist darauf angewiesen, manuell heruntergeladen oder verbreitet zu werden.

Advertisting Malware

Oft wird Advertisting Malware mir Viren oder Trojanern verwechselt. Doch wie unterscheidet sie sich? Bild: Pexels/SoraShimazaki

Welche Geräte können von Adware betroffen sein?

Adware kann auf so ziemlich jedem digitalen Gerät installiert werden. Obgleich man immer wieder liest, dass Adware nur für Windows-Computer eine ernstzunehmende Gefahr sei, handelte es sich laut Avast-Untersuchung aus dem Jahr 2017 bei circa 250 Millionen für Apple Macs und MacBooks gefährlich eingestufter Malware bei immerhin 41 Millionen Bedrohungen um unerwünschte Werbeprogramme. Wie kaum eine andere Malware ist Adware Bestandteil von vielen Programmen, die für alle Betriebssysteme verfügbar sind.

Nicht anders sieht es auch bei Smartphones aus. Zwar sind Adware-Anwendungen eine deutlich größere Gefahr für Android-Handys als für iPhones, dennoch handelt es sich um eine ernstzunehmende Bedrohung für alle internetfähigen Handys. Laut Aussagen von Avast werden immer wieder hunderte Apps entdeckt, die integrierte Adware-Module aufweisen und zum Teil weltweit hunderte Millionen Mal heruntergeladen werden.

Wie verbreitet sich Adware?

Sie fragen sich, wie Sie an werbefinanzierte Software kommen? Besonders häufig verbreitet sich Adware als Bestandteil von

  • vorinstallierten Software-Bundles: Als Bestandteil von Bloatware ist Adware zum Teil auf Computern von der Stange oder auf Billig-Smartphones vorinstalliert. Mit diesen unerwünschten Werbeprogrammen finanzieren Hersteller oder Wiederverkäufer ihre Billiggeräte. Hierzu gehört unter anderem auch die teilweise auf Android-Handys vorinstallierte Adware Cociloon.
  • Gratis-Software: Besonders für die Finanzierung von Freeware- oder Shareware-Programmen sind Adware-Komponenten beliebt. Vor allem, wenn Sie kostenlose Software aus unseriösen Quellen downloaden, besteht die Gefahr, dass Sie werbefinanzierte Software mitherunterladen.
  • fingierter Software: Werbesoftware verbreitet sich über Anzeigen auf unseriösen oder fingierten Internetseiten wie polizei-presse.com als scheinbar nützliches Plugin oder wichtiges Programm. Besonders häufig tarnen Cyberkriminelle Werbeprogramme als angebliche  Antivirenprogramme.
  • inoffiziellen Software-Modifikationen: Häufig werden in Mods Adware-Module implementiert, die die benutzererstellten Erweiterungen finanzieren sollen. Leider handelt es sich hierbei nicht immer nur um harmlose Werbemodule, sondern oft auch um Schnittstellen, die gefährliche Trojaner herunterladen. Vor Kurzem (Stand Oktober 2021) war die WhatsApp-Mod mit dem kryptischen Namen FMWhatsApp in den Schlagzeilen, weil sie durch ein Werbemodul dem Trojaner Triada Tür und Tor öffnet.
  • Plugins und Browser-Extensions: Adware-Module können auch als schädliche Plugins fungieren. Besonders häufig finden sie sich dabei als Webbrowser-Plugins. Vielleicht haben Sie ja schon einmal etwas von Adblockern gehört? Das sind Browser-Plugins, die dafür sorgen, dass Sie keine Werbung mehr angezeigt bekommen. Das komplette Gegenteil sind Adware-Module, die nicht Werbung ausblenden, sondern einblenden. Sie sehen die durch Programme geschalteten Anzeigen zusätzlich zu den Werbeanzeigen der Website.
  • Drive-by-Downloads: Zwar können sich unerwünschte Werbeprogramme nicht selbstständig verbreiten, dennoch können Adware-Komponenten Bestandteil von Programmen sein, die sich automatisch herunterladen. Man spricht bei dieser Verbreitungsmethode von Malware auch von Browser-Hijacking.

    Adware-Infektion

    Wie Sie eine Adware-Infektion erkennen? Wir haben die Symptome für Sie aufgelistet! Bild: Pexels/TatianaSyrikova

Wie Sie eine Adware-Infektion erkennen

Werbefinanzierte Malware kann sich auf Ihrem System ohne Ihr Wissen ausbreiten oder Sie können Programme mit entsprechenden Komponenten absichtlich herunterladen. Dabei können Kriminelle die Adware-Komponenten als harmlose Werbemodule verkaufen, obgleich es sich bei ihnen um gefährliche Malware handelt.

Sie fragen sich vielleicht, wie Sie erkennen, dass Ihr System Opfer einer Adware-Infektion geworden ist? Zwar sind viele Werbeanzeigen ein erster Indiz dafür, dass Sie Opfer von werbefinanzierter Software geworden sind, doch hat es natürlich längst nichts zu bedeuten, wenn Ihnen vermehrt Werbung auffällt. Immerhin sind Werbeanzeigen auf Websites normal und auch Programme schalten nicht selten Anzeigen.

Dennoch gibt es verschiedene Tricks, mit denen Sie kontrollieren können, ob es Ihr Gerät mit werbefinanzierter Malware infiltriert wurde: Öffnen Sie eine seriöse Internetseite mit dem Gerät, von dem Sie denken, es enthält Adware, und mit einem sauberen Gerät ohne Adblocker parallel. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie Opfer von Advertising Malware geworden sind, wenn sich die Anzahl der Werbeanzeigen drastisch unterscheidet. Haben Sie nur ein Gerät zur Verfügung? Besuchen Sie dann erst einmal seriöse Websites, die Sie gut kennen. Wenn auf ihnen plötzlich deutlich mehr Werbeanzeigen als gewohnt zu sehen sind, ist es wahrscheinlich, dass sich auf Ihrem System ein Werbeprogramm befindet, das die Darstellung von seriösen Internetseiten manipuliert.

Symptom-Checkliste

Mit unserer Symptom-Checkliste können Sie vorab auch schon selbst prüfen, ob es wahrscheinlich ist, dass Ihr System Opfer von Adware geworden ist:

  • Anzeigen soweit das Auge reicht! Wenn Sie auf seriösen Internetseiten nicht nur vereinzelt Werbung angezeigt bekommen, sondern die Werbeanzeigen Sie geradezu überschwemmen, ist das ein erstes Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.
  • Ärgerliche Pop-Ups! Auch dann, wenn Sie unverhältnismäßig häufig befremdliche Pop-Ups angezeigt bekommen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie mit Advertising Malware infiziert sind. Besonders dann, wenn Ihnen Pop-Up-Werbung angezeigt wird, ohne dass Sie einen Webbrowser geöffnet haben.
  • Ihr Webbrowser verhält sich seltsam! Wenn sich Ihre Startseite immer wieder automatisch ändert, Sie plötzlich eine neue Symbolleiste haben, Ihnen neue Plugins angezeigt werden oder Sie beim Besuchen von vertrauten Websites automatisch weitergeleitet werden, ist es wahrscheinlich, dass Sie Opfer von unerwünschten Werbeprogrammen geworden sind. Auch dann, wenn Ihr Browser langsam geworden ist oder häufig abstürzt, sind das Indizien für Advertising Malware.
  • Plötzlich andere Software! Finden sich auf Ihrem Gerät eine neue Anwendung oder Plugins, die Sie nicht heruntergeladen haben, ist das ein schlechtes Zeichen. Genauso ist ein Symptom für Adware und andere Malware, dass Ihr Virenschutzprogramm oder Systemtools deaktiviert sind. Können Sie nicht mehr auf gewohnte Software zugreifen, sollten Sie dringend handeln.

Selbstdiagnosen sind immer problematisch. Immerhin könnte es sich meistens doch um etwas handeln, was ähnliche Symptome hat. Eine eindeutige technische Diagnose können Sie erst dann stellen, wenn Sie das gefährliche Programm oder Modul ausfindig gemacht haben. Genauso wie medizinische Diagnosen ausschließlich vom Arzt vorgenommen werden, sollten Sie eine technische Diagnose direkt von PC-SPEZIALIST in Ihrer Nähe durchführen lassen.

Werbeanzeigen

Anders als Werbeanzeigen in der physischen Welt ist Adware oft gefährlich. Deswegen sollten Sie von vornherein entsprechende Präventionsmaßnahmen treffen. Bild: Unsplash/JazminQuaynor

Advertising Malware vorbeugen

Wie bei fast aller Malware ist es einfacher, zu verhindern, dass unerwünschte Werbeprogramme auf Ihr System gelangt, als Adware professionell zu entfernen. Lesen Sie unsere Tipps, wie Sie sich im Internet verhalten sollten, um Adware vorzubeugen:

  • Kaufen Sie sich keine Billigsmartphones, -notebooks oder -PCs. Lassen Sie sich Ihr Wunschgerät professionell zusammenstellen und kompetent einrichten. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass sich keine Adware als vorinstallierte Bloatware auf Ihrem System befindet.
  • Meiden Sie unseriöse oder dubiose Internetseiten. Vor allem sollten Sie keine illegalen Websites besuchen.
  • Überlegen Sie gut, welche Software Sie installieren möchten. Vor allem unbekannte oder fragwürdige Anwendungen sollten Sie meiden.
  • Klicken Sie nicht auf unseriös wirkende Werbeanzeigen. Anstatt auf eine Anzeige zu klicken, können Sie auch nach dem beworbenen Produkt oder der Dienstleistung direkt in Google suchen. Auf diesem Weg können Sie sicher sein, dass Sie nicht versehentlich Adware oder andere Malware herunterladen.
  • Ignorieren Sie gefälschte Warnungen und Scareware.
  • Verwenden Sie ggf. einen vertrauenswürdigen Werbeblocker. Auf diese Weise blockieren Sie auch gefährliche Drive-by-Downloads.
  • Passen Sie die Datenschutzeinstellungen Ihres Browsers an. Hindern Sie Dritte daran, automatisiert Plugins wie Symbolleisten zu installieren.
  • Installieren Sie einen starken Antivirenschutz.
  • Halten Sie Ihre Firmware und Software mittels kontinuierlichen Patches und vor allem wichtigen Sicherheitspatches immer auf dem neuesten Stand.

Sollten Sie Hilfe oder professionelle Unterstützung bei Ihrer IT-Sicherheit benötigen, ist PC-SPEZIALIST in Ihrer Nähe der geeignete Ansprechpartner für Sie. Lassen Sie sich von PC-SPEZIALIST ein professionelles Patch-Management einrichten und kompetent betreuen. Mit dem Eins-für-Alles-Paket kümmert sich unser kompetentes Expertenteam um die automatische Installation Ihrer Patches und um die Installation und laufende Betreuung Ihres Antivirenprogramms.

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Weiterführende Links: Avast, Kaspersky, AVG, EXPERTE.de

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