Halbleiterkrise
Author
Robin Laufenburg, Di, 22. Feb. 2022
in Hardware

Halbleiterkrise

Gründe und Konsequenzen der Halbleiter-Knappheit

Aktualisiert am 22.03.2022

Halbleiter wie Silizium sind Hauptbestandteil von Computerchips und spielen eine zentrale Rolle im Bereich der Elektronik und Energietechnik. Seit einigen Jahren spricht man jetzt jedoch von einer Halbleiterkrise.

Was es mit dem Begriff auf sich hat und was Gründe für die Halbleiterkrise sind, erfahren Sie hier.

Halbleiterkrise

Halbleiter sind der Hauptbestandteil von Computerchips. Der wohl bekannteste Halbleiter ist der Stoff Silizium. Aufgrund der Komplexität und des Aufwands der Halbleiterherstellung kommt es in Krisensituationen schnell zu Produktions- und Lieferschwierigkeiten von Halbleitern. Schon in den 90er Jahren kam es immer wieder zu Halbleiter-Knappheiten sowie zu Produktionsausfällen von Computerchips. Aber auch während der Nuklearkatastrophe von Fukushima waren Halbleiter knapp. Derzeit ist die Nachfrage nach Halbleitern ebenfalls größer als das Angebot. Man spricht aufgrund des langfristigen Halbleitermangels momentan sogar von einer Halbleiterkrise.

Die Gründe für die Halbleiterknappheit sind vielfältig: Zum einen haben Halbleiter ein Verfallsdatum und können aufgrund dessen nur eine bestimmte Zeit im Lager bleiben. Zum anderen kam es immer wieder zu Lieferschwierigkeiten und Versorgungsengpässen bei Rohstofflieferanten. Auch haben politische Spannungen zur Halbleiterkrise beigetragen.

Halbleiter

Halbleiter wie Silizium finden sich in den allermeisten technischen Geräten und Chips. Die Halbleiterkrise betrifft deswegen die gesamte Wirtschaft. Bild: Pexels/cottonbro

Coronakrise begünstigt Halbleiterkrise

Während Rohstoffe knapper werden, bringt auch die Corona-Pandemie den Chip-Markt durcheinander und trägt ihren Beitrag zum weltweiten Halbleitermangel bei. Im Rahmen der Pandemie ist nämlich der Trend zur Digitalisierung deutlich gewachsen. Gleichzeitig entschleunigen weltweite Produktions- und Lieferengpässe immer wieder die Produktion und führen im schlimmsten Fall sogar zum Produktionsstillstand. In Malaysia konnte wegen stark steigender Infektionen beispielsweise in gigantischen Fabriken zeitweise gar nicht nicht gearbeitet werden.

Aber nicht nur die Coronapandemie an sich begünstigt die Halbleiterkrise. Auch andere Natur- und Umweltkatastrophen, die sich in den letzten Jahren zunehmend häufen, führen zu Produktions- und Lieferschwierigkeiten. In den USA und Japan standen in den vergangenen zwei Jahren Werke beispielsweise auch immer wieder wegen Bränden oder Unwettern still. Natürlich hat auch der Angriff von Russland auf die Ukraine ein wirtschaftliches Ungleichgewicht gefördert, das in Produktionskrisen geradezu reinspielt.

Engpässe durch Lockdown in Shenzhen

Heute (Mitte März 2022) verzeichnet das chinesische Festland die bisher höchsten Corona-Werte seit Pandemiebeginn im Jahr 2020. Die chinesische Regierung verfolgt dabei nach wie vor die Null-Covid-Strategie und hat bereits jetzt mit entsprechenden Eindämmungsmaßnahmen begonnen.

Dazu gehört auch, dass alle Unternehmen in Shenzhen, die nicht mit wesentlichen öffentlichen Dienstleistungen zu tun haben, ihre Produktion einstellen oder ihren Mitarbeiterstamm aus dem Home Office arbeiten lassen müssen. Bewohnern wird geraten, nicht das Haus zu verlassen, die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht mehr, und es ist unter Strafe verboten, die Stadt zu verlassen. Die Hafenmetropole Shenzhen ist Hauptstadt der südchinesischen Provinz Guangdong und gilt als das Silicon Valley Chinas.

Doch in Shenzhen finden sich nicht nur Entwicklungsabteilungen von Tech-Konzernen, sondern in unmittelbarer Umgebung findet auch die Fertigung von Bauteilen im Bereich der Automobil-, Unterhaltungselektronik- und Medizingeräte statt. Betroffen sind von dem Lockdown unter anderem der Apple-Zulieferer Foxconn und Unimicron. Beide Betriebe haben ihre Produktion bereits pausiert. Riesenkonzerne Huawei und Tencent haben in Shenzhen ihren Hauptsitz.

Lockdown in Shenzhen

Der Lockdown in Shenzhen betrifft auch uns in Europa, weil er die Halbleiterknappheit und Chipkrise begünstigt. Bild: Unsplash/@robertbye

Versorgungsengpässe bei Rohstofflieferanten

Vor allem seit Ausbruch der Pandemie kam es immer wieder zu Versorgungsengpässen und Lieferschwierigkeiten. Bis heute hat sich die Logistik, besonders wegen ständiger Verschärfung von Kontrollen nicht wieder erholt. Zwar berappelt sich die Wirtschaft immer wieder, doch durch neue pandemiebedingte Ereignisse wie Restriktionen kommt es auch jetzt noch immer wieder zu Lieferschwierigkeiten.

Der weltweite Halbleitermangel hat dabei gravierende Auswirkungen auf Industrieunternehmen. Bisher hat sich das am stärksten bei der Autoherstellung gezeigt. Produktionsstraßen wurden in den vergangenen Jahren gestoppt und Firmen änderten die Produktionsvorgänge. Neuwagen erhielten zum Teil analoge Tachometer statt einer digitalen Version. Teilweise kauften Automobilhersteller auch Bestände von anderen Neugeräten mit Halbleitern auf, um diese auseinanderzubauen und Bestandteile für Eigenproduktionen verwenden zu können.

Politische Dimensionen der Halbleiterkrise

Aber nicht nur die Verzögerungen von internationalen Lieferungen sind einer der Hauptgründe für die Halbleiterkrise. Mit dem Wechsel ins Kalenderjahr 2021 wurde die gesamte Situation rund um Halbleiter noch einmal komplizierter. Denn es traten mit dem Jahreswechsel in den USA neue Importzölle für chinesische Produkte in Kraft. Deswegen wurden nahezu alle neue Platinen, Computerchips und sonstige PC-Teile höher besteuert. Durch Verarbeitungs- und Lieferketten wurden die Preise auch bei uns in Europa entsprechend höher.

Schnelle Besserung der Halbleiterkrise und Chipkrise ist nicht in Sicht. Die Lage könnte sich womöglich sogar noch verschärfen: Taiwan ist nämlich einer der weltweit größten Chiplieferanten und neue Probleme könnten entstehen, falls das Land politisch instabil wird. Das könnte beispielsweise passieren, wenn China versuchen sollte, seinen Einfluss konsequent auszuweiten.

Halbleiterkrise & Chipkrise

Die Halbleiterkrise ist einer der Hauptgründe für die Chipkrise. Bild: Pexels/PokRie

Halbleiterkrise führt zu Chipkrise

Verbunden mit der Halbleiterkrise kam es auch zu einer Knappheit von Chips und schlussendlich der Chipkrise. Gemeint ist damit, dass Computerchips und sämtliche Geräte, in denen Chips verbaut werden, immer knapper und teurer wurden.

Häufig werden die Begriffe „Halbleiterkrise“ und „Chipkrise“ dabei synonym verwendet. Es handelt sich dabei aber nicht um das gleiche Phänomen. Denn zum einen werden Halbleiter auch für weitere Zwecke als zur Herstellung von Computerchips benötigt und zum anderen gibt es eine Vielzahl an weiteren Faktoren außer der Halbleiterkrise, die zur Chipkrise führen.

In unserem Blog berichten wir ausführlich über die verschiedenen Gründe, die zur Chipkrise geführt haben und diese aufrechterhalten. Auch berichten wir, wie sich die Knappheit von Chips konkret äußert und wie unterschiedliche Weltunternehmen damit umgehen.

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Weiterführende Links: Business Insider, Business Insider, Springer Professional, Süddeutsche Zeitung, t3n

1 Kommentar

  1. Sebastian sagt:

    Ah, was ein interessanter Beitrag! Ich habe mir Ende letzten Jahres (als Weihnachtsgeschenk) einen PC zusammengestellt über Ankermann. Der ist letzte Woche angekommen. Ich habe mich schon gefragt, wieso das so lange gedauert hat. Könnte natürlich daran gelegen haben.

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