Kinder-Selfies

Tipps für die und Gefahren in der Online-Welt

Geschrieben von Maren Keller

In Zeiten, in denen fast jeder ein Smartphone zur Verfügung hat und sich viele Jugendliche und junge Erwachsene auf Instagram, YouTube und Co. präsentieren, sollten vor allem die Eltern wissen, was sie beachten sollten, wenn ihre Kinder Selfies aufnehmen und online stellen.
Denn die Selbstdarstellung im Internet kennt kaum Grenzen. Ob tanzend vor der Kamera oder in jungen Jahren schon geschminkt wie Große – wenn solche Bilder im Internet erscheinen, ist es mit der Kontrolle vorbei, wer wann was mit dem Bild macht.

Kinder-Selfies – geht es um reine Selbstverliebtheit?

Warum lieben es Kinder und Jugendliche, dauernd Fotos von sich zu machen? Warum wissen sie schon in jungen Jahren, wie sie posieren müssen, um den Eltern zu gefallen? Sind Kinder heute wirklich so selbstverliebt? Das fragen sich viele Eltern.
Doch die Grundlage dafür legen die Eltern selbst. Von Geburt an wird der Nachwuchs in allen Lebenslagen geknipst und diese Bilder werden munter per WhatsApp, Facebook und Co. mit der Welt geteilt. Die Kinder lernen, dass sie ihre Eltern entzücken können, wenn sie süße Posen oder den allergrößten Blödsinn machen. Sie lernen also sehr früh, sich selbst darzustellen.
Welche Auswirkungen das ständige Fotografieren und die daraus resultierende Vorzeigbarkeit auf die Psyche hat, ist noch nicht erforscht. Doch Jutta Wiesemann, Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Siegen, sagt in der Süddeutschen Zeitung: „Wir wissen, dass sie Auswirkungen haben wird – auf unsere Vorstellung von Personen und deren Identität.“

Kinder-Selfies: Zwei Kinder mit einem Smartphone. Bild: Unsplash/tim gouw
Kinder sind es von klein auf gewohnt, fotografiert zu werden. kein Wunder, wenn sie sich später gern Selfies knipsen. Bild:Unsplash/tim gouw

Selfies gibt es, seit es Fotoapparate gibt

Kinder sind es also von klein auf gewohnt, dass Bilder von ihnen gemacht werden. Und dieses Phänomen ist nicht neu. Auch wenn vor der Smartphone-Zeit die Filme und die Entwicklung für klassische Fotos recht teuer waren, so wurde auch damals schon die Kamera für Selbstportraits benutzt – allerdings weniger ausgeprägt und natürlich ohne die Möglichkeit, die Bilder direkt bei Instagram, WhatsApp und Co. hochzuladen. Bis heute sind denn auch die guten alten Passfotoautomaten bei Jugendlichen schwer beliebt. Da wir uns nicht selbst sehen, beantworten Selfies die Frage „Wer bin ich?“.
Doch erst mit dem Upload in die sozialen Netzwerke bekommen wir Feedback auf unsere Fotos. „Bin ich beliebt?“, „Bin ich attraktiv?“ und „Wie finden mich andere?“ sind die Fragen, die durch Kommentare und Reaktionen beantwortet werden. Doch es geht um mehr als die Suche nach Anerkennung.

Kinder-Selfies verändern Sichtbarkeit

Durch die Selbstinszenierung mit Schminke, stylischen Posen und modischen Klamotten können Jugendliche, die weder Kind noch Erwachsener sind, ihre Sichtbarkeit in der Online-Welt verändern. Wer erinnert sich nicht an die Situation, dass die Verkäuferin beim Bäcker den erwachsenen Kunden dem Teenie vorzieht? In den sozialen Netzwerken ist dagegen oftmals kaum erkennbar, ob das Foto eine 13-Jährige oder 23-Jährige zeigt.
Doch genau solche Kinder-Selfies haben einen großen Nachteil. Der Charakter des Einzelnen tritt immer weiter in den Hintergrund, die Bedeutung des Äußeren wird zunehmend wichtiger. Der Druck, mit anderen mithalten zu müssen, steigt. Können Jugendliche diesem Druck nicht standhalten, sind ungute Gefühle bis hin zur völligen Verzweiflung die Folge. Gibt es dann auch noch böse Kommentare, ist der Schritt zum Cybermobbing nur noch klein. Das Ziel der Selfie-Knipser, die Kontrolle über ihr Außenbild zu behalten, wird nicht erreicht. Im Internet gibt es keine Kontrolle darüber, was andere mit den eigenen Fotos machen.

Kinder-Selfies: Mädchen am Strand mit Handy in der Hand vor Sonnenuntergang. Bild: Pixabay
Ein harmloses Kinder-Selfie am Strand. Ist es erst einmal online, gibt es keine Kontrollmöglichkeit mehr. Bild: Pixabay

Kinder-Selfies: Schutz und Kontrolle durch Eltern

Eine Frage, die sich sicherlich viele Eltern stellen: Was können sie tun, um ihre Kinder vor den Gefahren im Internet zu schützen? Wo ist Kontrolle notwendig und wie soll sie aussehen?
Sämtliche Erziehungsmaßnahmen sind heikel, denn die Teenies möchten sich beim Thema Selfie nicht reinreden lassen. Eine Einmischung – erst recht durch die Eltern, von denen sie sich in diesem Altern abnabeln wollen – wird als Angriff auf die Privatsphäre verstanden. Dennoch dürfen Eltern die Gefahren nicht unterschätzen und womöglich untätig bleiben. Thomas Feibel empfiehlt: „Wir [müssen] mit ihnen immer wieder über die Risiken sprechen und wie man sich schützen kann.“ Dazu gehört unter anderem immer wieder der Hinweis, dass freizügige Bilder tabu sind und dass vor jedem Post überlegt wird, ob man diese Bilder Fremden zeigen möchte.
Außerdem benötigen Eltern eine große Portion Verständnis in Sachen Kinder-Selfie. Feibel: „Die unzähligen Fotos und Selfies auf den Geräten der Kinder sind nicht einfach Fotosammlungen, sondern ihre Geschichte, die sie ständig bei sich tragen.“ Es ist also kein Wunder, dass sie bei Smartphone-Entzug sofort in die Luft gehen. Für Teenies ist das Smartphone laut Feibel „eine Schatzkiste ihres gegenwärtigen Ichs, gefüllt mit Bildern, Texten und Nachrichten“.

Bilder online stellen – welche Gefahren lauern?

Wer Fotos bei Instagram, WhatsApp oder Facebook teilt, denkt vermutlich nicht an die möglichen Gefahren. Doch Cyberkriminelle sind oftmals in der Lage, zahlreiche Informationen aus einem Bild zu ziehen. Dafür ist es nicht einmal nötig, einen aufschlussreichen Kommentar zu verfassen. Jedes Bild enthält die sogenannten Geo-Daten, wenn die Standortbestimmung aktiviert ist. Kriminelle können also nachverfolgen, wann das Kind wo war. Zusammen mit den Details aus den Selfies und dem Social-Media-Profil des Teenies ergeben sich genügend Informationen, die von Menschen missbraucht werden können.
Sie haben die Standortbestimmung im Smartphone Ihres Kindes deaktiviert? Die Gefahr ist dennoch nicht gebannt, denn kleine Details wie Straßenschilder oder Sehenswürdigkeiten stellen sensible Informationen über den etwaigen Aufenthaltsort der Kinder oder der ganzen Familie dar.

Kinder-Selfies: am Boden sitzendes Kind mit gesenktem Kopf und verschränkten Armen wird vom Handy eingefangen. Bild: Pixabay
Selfies können ursächlich für Cybermobbing sein. Bild: Pixabay

Cybermobbing als Gefahr nicht unterschätzen

Nicht zu unterschätzen ist weiterhin die Gefahr des Cybermobbings. Dabei sind böse Kommentare unter einem Foto noch verhältnismäßig harmlos. Zeigt ein Foto peinliche Situationen, kann der Teenie oder das Kind schnell zum Gespött seiner Mitschüler werden. Grund ist die Viralität von Social-Media-Plattformen. Auch nach Jahren können sich Selfies noch auf die abgelichteten Personen auswirken. Denn: Das Internet vergisst nicht. Und so kann es durchaus vorkommen, dass ein Bild aus Kindertagen im Erwachsenenleben eine Karriere verhindern oder ausbremsen kann. Für Arbeitgeber sind es nur wenige Klicks, um sich über die Online-Präsenz ihrer Bewerber zu informieren.
Daher heißt es nicht nur für Kinder, dass sie beim Veröffentlichen von Bildern vorsichtig sein müssen. Auch Eltern sollten sich genau überlegen, welche Bilder Sie von Ihren Kindern posten.

Selfies und der Datenschutz

Elementar ist auch das Thema Datenschutz, wenn Kinder und Jugendliche in die Online-Welt eintauchen. Zum einen geht es dabei um die Datenschutzeinstellungen des eigenen Profils, auf dem die Kinder-Selfies veröffentlicht werden. Deshalb sollten auch Kinder und Jugendliche wissen, welche Einstellungen sie in ihrem Social-Media-Profil vornehmen können und welche Schutzmaßnahmen sinnvoll sind.
Zum anderen geht es aber auch um den Schutz der Daten und die Bildrechte anderer. Bevor ein Bild online gestellt werden darf, müssen sämtliche Personen, die darauf zu sehen sind, ihre Einwilligung gegeben haben. Alles andere wäre eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts, was möglicherweise rechtliche Konsequenzen zur Folge hat. Eltern sollten ihre Kinder unbedingt darauf hinweisen und Regeln vereinbaren. Dazu kann gehören, dass der Nachwuchs sparsam mit eigenen Daten umgeht, stets mögliche Folgen der Weitergabe beachtet und Vertrauliches lieber offline bespricht.

Kinder-Selfies: Kette mit dem Schriftzug „Private“. Bild: Pixabay
Datenschutz und Privatsphäre spielen auch bei Selfies eine große Rolle. Bild: Pixabay

Kinder-Selfies: So knipsen Teenies gute Fotos

Da Sie das Erstellen von Selfies nicht verhindern können, sollten die Kinder Regeln beachten. Nicht jeder Ort eignet sich wirklich für ein Selfie, schreibt der Elternguide online. So sind Gedenkorte wie Friedhöfe oder Denkmäler wenig taktvoll. Erotische Fotos sollten ebenfalls tabu sein.
Sind die Regeln geklärt, geht es aber darum, dass die Bilder gut aussehen. Denn genau darum geht es den Teenies ja, sie möchten sich ins rechte Licht setzen. Mit folgenden Tipps gelingt das kinderleicht:
  • Tipp 1: Licht ist das A und O eines guten Fotos. Achten Sie auf ausreichend natürliches Licht. Knipsen Ihre Kinder lieber im Zimmer, decken Sie Ihre Deckenlampe mit Pauspapier ab. Mit einer eingeschalteten Nachttischlampe, die Sie vor der Kamera positionieren, hellen Sie die Schatten der Deckenlampe auf.
  • Tipp 2: Der passende Standort mit einem neutralen Hintergrund macht’s. Den finden Sie zahlreich draußen in der Natur, aber auch vor einer neutralen Wand in den eigenen vier Wänden. Geben Sie nicht zuviel von sich und Ihrer Wohnung preis und knipsen Sie nicht genau in dem Augenblick, in dem sich andere Personen im Bild befinden.
  • Tipp 3: Nutzen Sie die Frontkamera, denn dann können Sie das Foto direkt überprüfen.
  • Tipp 4: Achten Sie darauf, wie Sie Ihren Arm halten. Nehmen Sie das Handy waage- oder senkrecht in die Hand, setzen Sie leicht über der Augenhöhe an und richten Sie die Kamera in einem 45-Grad-Winkeln aus. Klingt kompliziert? Die Übung macht’s.
  • Tipp 5: Wer seine Schokoladenseite präsentieren möchte, muss auf die richtige Pose achten: Neigen Sie Ihren Kopf leicht und schauen sie nicht auf den Bildschirm, sondern in die Linse. Strecken Sie den Hals, um ein Doppelkinn zu vermeiden. Lächeln Sie auch mit den Augen. Um das hinzubekommen, entspannen Sie zunächst Ihre Augen und schlagen Sie dann etwas mehr als üblich auf, um sie gleichzeitig ein wenig zusammenzuziehen. Auch hier gilt: Die Übung macht’s.
  • Tipp 6: Das gewisse Extra bekommt jedes Foto, wenn Sie Filter, beispielsweise Vintage- oder Schwarz-Weiß-Filter verwenden. Beliebte Apps mit Filtern sind Instagram (Apple/Android), Picstitch (Apple/Android), Tadaa (Apple), Squaready (Apple/Android) und Picfx (Apple/Android).
Denken Sie an diese Hinweise und zeigen Sie Ihren Kindern, wie sie das perfekte Foto machen. Dann steht einem schönen Selfie nichts mehr im Wege.

Gefahren erkennen und frühzeitig verhindern

Nicht nur beim Thema Kinder-Selfies benötigen die Teenies Unterstützung und ein offenes Ohr ihrer Eltern. Auch bei vielen anderen Medienthemen müssen Eltern aktiv an ihren Kindern dran bleiben, um mögliche Gefahren rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern. Wissenwertes für Eltern bietet die Initiative „Schau Hin“. Sie versteht sich gleichzeitig als Hilfe bei der Medienerziehung.
Wenn Sie selbst keine oder nur wenig Ahnung in Sachen Datenschutz und Einstellungen in den sozialen Medien haben, dann wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren PC-SPEZIALIST vor Ort. Unsere Experten sind Fachleute auf diesem Gebiet und können Ihnen vollumfänglich helfen. Auch Fragen nach Virenschutz und Datensicherung beantworten Ihnen unsere Computer-Fachleute kompetent.
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Verwendete Quellen: Elternguide online, FritzundFraenzi, Handelsjournal, Initiative Schau hin, Süddeutsche Zeitung

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