Apps sammeln Bewegungsprofil
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Maren Keller, Mi, 3. Nov. 2021
in Smartphones

Apps sammeln Bewegungsprofil

Datensammlung mit GPS-Daten und WLAN-Netzen

Wenn eine App trotz nicht erteilter entsprechender Berechtigungen heimlich Daten aus dem Bewegungsprofil sammelt, ist das alles andere als korrekt. Eine Recherche von AppCensus zeigt nun: Harmlose Apps sammeln Bewegungshistorien ihrer Nutzer.

Was das zu bedeuten hat und wie Sie sich dagegen wehren können, erfahren Sie bei uns.

Was ist ein Bewegungsprofil?

Wenn bekannt wird, dass Apps Daten aus dem eigenen Bewegungsprofils sammeln und speichern, löst das bei vielen nur noch ein Schulterzucken aus. Dank unseres digitalen Lebens sind wir längst ziemlich gläserne Menschen geworden. Fragen wie „Was weiß Google über mich?“ oder „wie kann man anonym im Internet unterwegs sein?“ sind nur ein kleiner Versuch, die Privatsphäre zu wahren. Für mehr Privatsphäre können Sie außerdem Ihre Facebook-Chronik aufräumen.

Was genau ist ein Bewegungsprofil? Laut Wikipedia handelt es sich um einen „durch Datensammlung und -verknüpfung erstellter Datensatz“. Dieser Datensatz ermöglicht es, „Bewegungen (ggf. sogar Handlungen) einer Person nachzuvollziehen“ und sie dadurch zu überwachen. Die Folge: Werden personenbezogene Daten aus verschiedenen Quellen chronologisch miteinander verknüpft, kann man zurückverfolgen, wann sich eine Person an welchem Ort aufgehalten hat, was sie dort beispielsweise gekauft hat und welche Telefongespräche geführt wurden.

Bewegungsprofil: Person mit Fernglas zwischen Bücherstapeln. Bild: Pexels/Andrea Piacquadio

Wer bewegt sich wie? Das ist für viele interessant. Das Ausspähen und Datennutzen, um ein Bewegungsprofil zu erstellen, ist aber nicht ohne weiteres erlaubt. Bild: Pexels/Andrea Piacquadio

Welche Infos liefert ein Bewegungsprofil?

Die Sammlung von personenbezogenen Daten, um ein Bewegungsprofil zu erstellen, kann unterschiedliche Zwecke verfolgen. Um die Nutzerverfolgung zu erreichen, stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Supermärkte verfolgen Kunden und deren Kaufverhalten mittels Kundenkarten.
  • RFID-Chips auf Kaufhauswaren oder elektronischen Tickets in öffentlichen Verkehrsmitteln liefern Bewegungsdaten.
  • Die Polizei nutzt das Zusammenführen von Daten wie der Kredikartenabrechnung, um den Aufenthaltsort von Personen zu finden.
  • Auch durch die Anpeilung von Funksignalen durch das Einbuchen in ein Funknetz lässt sich der Aufenthaltsort von Personen bestimmen.
  • In Echtzeit lassen sich Bewegungsprofile via GPS-Ortungsgeräte oder ähnlichem nachvollziehen.

Quellen für die Datenerfassung können also verschieden sein. So dienen einem Bewegungsprofil unter anderem die Funkzellen der Mobilfunknetze. Mit ihnen kann der Netzanbieter ein Handy relativ genau orten. Mit dem Satellitennavigationssystem GPS und Galileo funktioniert eine Ortung sogar bis auf wenige Zentimeter. Und auch mit WLAN oder Bluetooth lassen sich Positionsdaten ermitteln. Wichtig: Wer ein Bewegungsprofil erstellt, benötigt die Zustimmung des Betroffenen.

Bewegungsprofil trotz Nutzer-Widerspruch

AppCensus, ein Unternehmen, das sich auf Verbraucherschutz und Sicherheit spezialisiert hat, hat nun festgestellt, dass Apps die das SDK, also das Software-Development-Kit des Herstellers Huq nutzen, ausgiebige Bewegungsprofile speichern und hochladen. Und zwar auch dann, wenn Nutzer in den App-Berechtigungen dem widersprochen haben. Dazu gehören so harmlose Apps wie Barcode-Scanner, GPS-Tachometer oder Wetter-Apps. Sie sammeln ganz systematisch die Bewegungsprofile Ihrer Nutzer.

Bislang war das Sammeln der Daten in üblichen Tests nicht aufgefallen, schreibt AppCensus in einem Blog. Grund dafür: Das SDK lädt nicht ständig in und in Echtzeit die Nutzerdaten hoch, sondern speichert sie in einer lokalen Datei zunächst zwischen. Und zu den gesammelten Daten gehören neben GPS-Daten auch Informationen über in der Nähe befindliche WLAN-Netze.

Welches Interesse besteht an diesen Daten?

Das Interesse von persönlichen Daten ist grundsätzlich hoch. Dabei ist nur wenig darüber bekannt, wie die Daten erfasst und wofür sie verwendet werden. Es gibt aber Beispiele, die zeigen, wie wichtig ein Bewegungsprofil ist: Supermärkte erfahren beispielsweise durch Kundenkarten, welche Lebensmittel besonders beliebt sind und Kommunen nutzen Bewegungsdaten für die Verkehrsplanung. Investoren können über Bewegungsprofile geeignete Standorte für Ladenlokale ermitteln. Und natürlich geht es auch immer wieder um die Platzierung von Werbung. Daraus folgt: Je mehr Nutzerdaten und Bewegungsprofile gesammelt werden, desto größer ist der Profit der verschiedenen Interessenten.

Um die Daten den Nutzern zuordnen zu können, erfasst Huq laut AppCensus nicht nur die Werbe-ID von Android, sondern weist ihnen auch eine eigene permanente ID zu. Immerhin: Apple und Google haben den Zugriff auf den genauen Standort von App-Nutzern eingeschränkt, um deren Privatsphäre zu schützen. Dem Zugriff auf GPS und andere Ortungsdaten müssen Nutzer seitdem explizit zustimmen. Aber das ist kein vollständiger Schutz. Denn zahlreiche Apps müssen GPS nutzen, um zu funktionieren, etwa Navigations-Apps wie die Autobahn-App oder Wander-Apps. So fand dann auch AppCensus das Entwickler-Kit zur Datenspionage in einer App, die Radarfallen anzeigt. Sie wurde mehr als zehn Millionen Mal installiert – die Daten der User entsprechend gesammelt.

Bewegungsprofil – wer trägt die Verantwortung?

Während Huq auf seiner Homepage damit wirbt, täglich mehr als eine Milliarde Daten zu sammeln und auszuwerten, bleibt offen, woher die Daten stammen. Huq profitiert zwar, sieht aber die App-Entwickler in der Verantwortung. Sie müssen, ehe sie das Entwickler-Kit initialisieren, eine Zustimmung der Nutzer haben.

Allerdings werden sogar dann Daten gesammelt, wenn die Nutzer ausdrücklich ablehnen, schreibt das US-Magazin Vice. Verantwortlich fühlt sich demnach niemand, fest steht aber, dass der Nutzer dem Datensammeln – und dass daraus ein Bewegungsprofil erstellt wird – sehr hilflos ausgeliefert ist.

Auch wir von PC-SPEZIALIST können Sie vor der Datensammelwut einiger Hersteller nicht schützen. Wir können aber dafür sorgen, dass Sie Viren, Würmern und Co. nicht schutzlos ausgeliefert sind. Wenn Sie einen Bedarf haben, dann wenden Sie sich an Ihren PC-SPEZIALIST vor Ort. Wir stehen Firmen und privaten Endkunden mit zahlreichen IT-Services zur Verfügung, beispielsweise mit der Installation eines Virenschutzes für Ihre privaten Computer oder einen Virenschutz für Firmenrechner. Sie haben andere Sorgen und Nöte in Bezug auf Ihre Technik? PC-SPEZIALIST hilft!

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Weiterführende Links: AppCensus, Huq, Vice, Heise, Wikipedia

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