Geplante Obsoleszenz
Author
Maren Keller, Mo, 23. Okt. 2017
in Hardware & Software

Geplante Obsoleszenz

Garantie ist abgelaufen, Gerät geht kaputt?

Die geplante Obsoleszenz, auch geplanter Verschleiß genannt, geistert immer wieder durch die Medien. Gibt es das wirklich, dass elektronische Geräte pünktlich nach Ablauf der Garantie ihren Geist aufgeben?

Die Hersteller wiegeln ab, die Erfahrungen von Kunden sprechen eine andere Sprache. Immer wieder kommt es demnach zu Ärger mit neuen Geräten kurz nach dem Ende der Garantie. Wir klären auf.

Geplante Obsoleszenz ist ärgerlich

Sei es der hochwertige Fernseher, der plötzlich Pixelfehler hat, der Drucker, der nicht mehr drucken will oder das Laptop, das sich nicht mehr anschalten lässt. Das Handy, das ihr auf einmal und völlig unerwartet nicht mehr laden könnt oder der Heimrechner, der nur noch brummt, aber nicht mehr arbeitet – und das alles kurz nachdem die Garantie abgelaufen ist. Wie ärgerlich. Aber wer kennt das nicht? Geplante Obsoleszenz ist das Fachwort dafür und verärgert nicht nur alle Kunden, sondern auch die Verkäufer.

Geplante Obsoleszenz

In Frankreich wurde Epson wegen geplanter Obsoleszenz angezeigt.

Was ist geplante Obsoleszenz?

Was genau bedeutet geplante Obsoleszenz? Reicht es aus, dass elektronische Geräte, aber auch alle anderen technischen Geräte, wie Waschmaschinen oder Toaster, kurz nach Ablauf der Garantiezeit nicht mehr funktionieren, um von Obsoleszenz zu sprechen? Stefan Schridde, Vorstand der Initiative MURKS? NEIN DANKE! erklärt: „Geplante Obsoleszenz liegt dann vor, wenn betriebliche Entscheidungen dazu geführt haben, dass die Nutzungsdauer eines Produkts kürzer ist, als diese unter sonst gleichen Umständen möglich gewesen wäre. Nicht nur Arglist oder Vorsatz, auch Unterlassungen oder Inkompetenz können betriebliche Gründe dafür sein. Konkret bedeutet das beispielsweise, dass Bauteile falsch ausgelegt sind und sich beschleunigt abnutzen, der Zugang zu Ersatzteilen erschwert oder verteuert wird, Wartungen und Reparaturen konstruktiv erschwert werden oder vermeintliche Innovationen oder verführerische Werbung einen Neukauf beschleunigen sollen.“

Klage wegen geplanter Obsoleszenz

In Frankreich wurde im Jahr 2015 der Straftatbestand „geplante Obsoleszenz“ eingeführt. Danach ist es verboten, Geräte absichtlich so zu bauen, dass sie schneller kaputt gehen. Denn das Ziel, das die Hersteller verfolgen ist eindeutig: Sie möchten den Verkauf neuer Geräte ankurbeln.

Jetzt wurde in Frankreich ein Druckerhersteller angezeigt – wegen Betrugs und geplantem Verschleiß: der Vorwurf an Epson: Der Druckerhersteller würde seine Kunden zum Kauf von neuen Druckerpatronen und Tintenschwämmen bewegen, obwohl die alten noch funktionierten. Konkret geht es darum, dass Epson-Drucker nicht mehr drucken, weil die Patrone angeblich leer sei. Bei der Kontrolle der Patrone war aber noch genügend Tinte vorhanden. Außerdem zeigen Epson-Drucker an, dass der Tintenschwamm nicht funktioniere, obwohl er noch überflüssige Tinte auffangen könnte. Das alles hat die französische Verbraucher-Organisation Halte à l’Obsolescence Programmée (HOP)  herausgefunden und Anzeige erstattet. Die Organisation spricht davon, dass auch HP, Canon und Brother betroffen sind, es aber nicht genügend Beweise gab, um diese Hersteller zu überführen.

Gibt es geplante Obsoleszenz in Deutschland?

Bleibt die Frage, ob es die geplante Obsoleszenz auch in Deutschland gibt? Die Stiftung Warentest hat bislang keine Beweise dafür finden wollen und schreibt: „Was indes fehlt, ist der Nach­weis, dass Hersteller den Murks gezielt zusammenbauen, um Verbraucher übers Ohr zu hauen“. Stefan Schridde widerspricht: „Die Belege für geplante Obsoleszenz sind eindeutig und vielfältig. Studien bestätigen den dringenden rechtlichen Handlungsbedarf. Der französische Haushaltsgeräte-Hersteller SEB, zu dem unter anderem Moulinex, WMF und Tefal gehören, bestätigt geplanten Verschleiß und beschließt interne Gegenmaßnahmen. Dies kommt einem Eingeständnis gleich. Nur in Deutschland wird immer noch diskutiert, ob die Industrie den vorzeitigen Verschleiß und beschleunigten Verkauf ihrer Produkte tatsächlich plant.“

Geplante Obsoleszenz

Geplante Obsoleszenz ist ärgerlich – für Kunde und Verkäufer. Gut, wenn eine Reparatur möglich ist.

Längere Garantie schützt vor geplantem Verschleiß

Aber so lange in Deutschland noch diskutiert wird, gibt es eben auch kein Gesetz gegen geplante Obsoleszenz. Ihr könnt also nichts dagegen tun, wenn plötzlich kurz nach Ende der Garantie eure Geräte den Dienst verweigern. Allerdings kann auch der Händler, bei dem ihr eure Ware gekauft habt, nichts dafür.

Aber: Bei PC-SPEZIALIST werdet ihr ehrlich beraten. Unsere Techniker können euch nicht nur praktische Tipps zum Kauf geben, sondern empfehlen euch Geräte, die sich im Notfall reparieren lassen. Fragt am besten direkt beim Kauf nach, ob es für euer Wunschgerät Ersatzteile gibt und ob eine Reparatur im Fall der Fälle möglich ist.

Interessantes zum Weiterlesen findet ihr in dem Bericht Plötzlicher Tod der Glühbirne. Hier geht es um den ersten Fall von geplanter Obsoleszenz aus dem Jahr 1924. Berichte der Stiftung Warentest zum Thema findet ihr in Gerade gekauft und schon wieder hin? und Geplanter Verschleiß. Und in dem Interview Geplanter Verschleiß als organisierter Betrug erfahrt ihr, wer wirklich profitiert, wenn Geräte frühzeitig kaputt gehen.

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