Paywall wird ausgetrickst
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Janina Kröger, Mi, 7. Aug. 2019
in Aktuelles

Paywall wird ausgetrickst

Chrome 76 kommt mit einigen Neuerungen

Ihr kennt das bestimmt: Ihr habt auf einer Nachrichtenseite einige wenige Artikel gelesen und dann ist plötzlich Schicht im Schacht – ihr habt die Bezahlschranke erreicht. Das neue Chrome 76 scheint diese Paywall aushebeln zu können.

Wie das Austricksen der Paywall funktioniert und was bei Chrome 76 sonst noch neu ist, lest ihr bei uns.

Paywall – was ist das?

Der englische Begriff Paywall lässt sich mit „Bezahlschranke“ übersetzen. Viele Nachrichtenportale und Web-Magazine nutzen Paywalls, um dadurch aus ihren Digitalangeboten Einnahmen zu erzielen. Das Problem vieler klassischer Medien ist es, dass immer mehr Menschen Informationen digital abrufen anstatt, wie früher üblich, eine Tageszeitung oder ein Magazin in Papierform zu abonnieren.

Deshalb setzen auch diese klassischen Medien immer stärker auf die Online-Schiene, führen seit einigen Jahren aber vermehrt Bezahlschranken ein. Schließlich müssen Redakteure und Co. für ihre Arbeit bezahlt werden und das ist schlecht möglich, wenn sämtliche Artikel kostenlos im Internet aufgerufen und gelesen werden können. Genau hier greift das Modell der Paywall.

Die sogenannte Metered-Paywall funktioniert folgendermaßen: Ihr könnt beispielsweise auf der Webseite eurer Lokalzeitung monatlich eine bestimmte Zahl an Artikeln lesen, dann aber greift die Paywall und ihr müsst zahlen, wenn ihr weitere Texte lesen möchtet. Dafür gibt es verschiedene Bezahloptionen.

Zu sehen sind zwei Hände, die ein Tablet halten. Auf dem Tablet ist die Paywall der Nachrichtenseite von welt.de zu sehen. Bild: www.unsplash.com / NordWood Themes / Montage PC-SPEZIALIST

Viele Nachrichtenseiten – in diesem Beispiel die Welt – nutzen Paywalls als Bezahlsysteme.
Bild: www.unsplash.com / NordWood Themes / Montage PC-SPEZIALIST

Inkognito ist nicht inkognito

Das funktioniert, in dem Nachrichtenseiten Cookies nutzen. Diese zählen sozusagen mit, wie viele Artikel ein User bereits gelesen hat. Der „Inkognito-Modus“ konnte dies in der Vergangenheit schon einmal verhindern und ermöglichte entsprechend, das durch die Paywall festgelegte Artikel-Limit zu umgehen. Dann aber stießen die Betreiber betroffener Nachrichtenseiten auf das sogenannte FileSystem API.

Die Abkürzung steht für den englischen Begriff Application Programming Interface. Im Deutschen ist von der Programmierschnittstelle die Rede. In Chromes Inkognito-Modus ist die API deaktiviert, damit auf dem verwendeten Gerät keine Spuren von den Online-Aktivitäten des Nutzers zurückbleiben. Das wird in einem Beitrag im offiziellen Blog von Google Chrome genau erklärt.

Das Problem an der Sache: Viele Webseiten können mittlerweile erkennen, ob die FileSystem API aktiviert ist – und damit auch, ob ihr inkognito unterwegs seid. Als Folge reagieren sie entsprechend, indem sie beispielsweise die Bezahlschranke sofort aktivieren.

Chrome 76 hebelt Bezahlschranke aus

Google war das ein Dorn im Auge. „Menschen entscheiden sich aus verschiedenen Gründen dazu, im privaten Modus zu surfen. Manche möchten ihre Privatsphäre auf geteilten oder geliehenen Geräten wahren oder bestimmte Aktivitäten aus ihrem Browser-Verlauf ausschließen“, erklärt Barb Palser, der Verfasser des genannten Blogartikels. Er spielt auf politisch Verfolgte oder Opfer häuslicher Gewalt an.

Um die Privatsphäre der Google-Nutzer besser schützen zu können, bessert die neueste Chrome-Version – Chrome 76 – in diesem Punkt nach. Die Paywall von Medienunternehmen zu untergraben, ist dabei aber eigentlich gar nicht das Ziel. Google unterstützt generell deren Forderung, dass sie für ihre oft intensive Recherchearbeit und die Bereitstellung von Informationen angemessen entlohnt werden müssen. Aber bitte schön nicht auf Kosten der Privatsphäre.

Mit Chrome 76 wird das Umgehen der Paywall wieder möglich. Aber vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis findige Web-Entwickler den Ball in diesem Tennis-Match wieder an Google zurückspielen.

Zu sehen ist ein Cressnshot des Inkognito-Modus von Chrome. Er kann Paywalls umgehen. Bild: Screenshot

Mit Chrome 76 kommt ein verbesserter Inkognito-Modus, der Paywalls umgehen kann. Bild: Screenshot

Was die neueste Chrome-Version sonst noch kann

Mehr Privatsphäre dank „echtem Inkognito-Modus“ ist schon einmal eine gute Sache. Aber natürlich ist sie nicht die einzige Verbesserung, die das seit dem 31. Juli verfügbare Update auf Chrome 76 im Gepäck hat – vielmehr gibt es da eine ganz schön lange Liste. Und das, obwohl die vorangegangene Chrome-Version 75 wie üblich erst vor sechs Wochen veröffentlicht worden ist.

Die meisten Neuerungen von Chrome 76 dürften vor allem für fortgeschrittene und professionelle Internetnutzer interessant sein, andere betreffen dagegen auch den Otto-Normal-Nutzer ummittelbar.

Im Blick haben wir hier besonders zwei Neuerungen, dich sich aufgrund ihrer Bedeutung hervortun: Einerseits wird das „www“, das gefühlt seit Anbeginn des Internets als Abkürzung für das „World Wide Web“ steht, künftig aus der URL entfernt; andererseits wird der Dark Mode weiter verbessert. Ihr möchtet dazu mehr Details bekommen? Dann empfehlen wir euch, unbedingt weiter zu lesen.

URL nicht mehr sichtbar

Solltet ihr Chrome 76 bereits installiert haben, habt ihr euch vielleicht gewundert: Irgendetwas ist anders in der Adresszeile des Browsers – der sogenannten Omnibox. Mit dieser Einschätzung liegt ihr richtig. Denn: Google macht Ernst und lässt URL-Bestandteile wie „www“ und „https://“ verschwinden. Im September 2018 gab es dazu schon Tests, aber aufgrund massenhafter Kritik ruderte Google damals wieder zurück.

Google blieb aber trotzdem bei der Meinung, dass URLs zu kompliziert sind, und ließ ein Entwickler-Team einige Zeit an der URL-Darstellung herumexperimentieren. Als Ergebnis entfernt der Browser ab sofort automatisch solche URL-Komponenten, die für normale Nutzer als unnötig angesehen werden. Bei einem Doppelklick auf die Adresszeile könnt ihr euch aber weiterhin die vollständige URL anzeigen lassen und auch beim Kopieren wird sie vollständig übernommen.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – dieses Sprichwort erklärt die neuerlich aufkeimende Kritik. Er wird sich aber bestimmt auch schnell an die neue Darstellungsweise gewöhnen.

Zu sehen ist ein Screenshot von der Startseite des Google Blogs. Der neueste Eintrag informiert über Chrome 76 und die Umgehung der Paywall. Bild: Screenshot

Auf dem offiziellen Blog informiert Google über das Update Chrome 76 und die Möglichkeit, die Paywall zu umgehen. Bild: Screenshot

Verbesserter Dark Mode

Schon seit dem Update auf Chrome 74 im April 2019 haben Chrome-Nutzer die Möglichkeit, den Dark Mode des Browsers zu nutzen. Viele von ihnen hatten darauf schon sehnsüchtig gewartet. Während ihn die einen als angenehmer für das Auge empfinden, mögen sie anderen das Design des Dunkelmodus einfach lieber. Der Dark Mode gilt außerdem als sparsamer hinsichtlich der Akku-Laufzeit.

Chrome 76 verbessert nun diese Funktion, indem Webseiten künftig automatisch darüber informiert werden, ob ein Nutzer den Dark Mode bevorzugt oder nicht. Existiert die aufgerufene Webseite auch in einer dunklen Variante, wird dem besagten Nutzer auch diese Variante ausgespielt – inzwischen haben viele Webseitenbetrieber solche dunklen Designs entwickelt.

Wer es noch etwas etwas genauer wissen möchte: Hier hat das Merkmal „prefers-color-scheme“ seinen großen Auftritt. Die Vision eines Dark Modes für das gesamte Internet rückt damit ein Stück näher.

Jetzt auf Chrome 76 updaten

Wie immer gilt: Wenn das Update auf Chrome 76 auf eurem Smartphone, Laptop oder PC noch aussteht, solltet ihr es umgehend anstoßen. Mit den Updates bringt Google nämlich nicht nur Neuerungen für euren Browser, sondern schließt auch Sicherheitslücken, die seit dem Ausrollen der vorherigen Version bekannt geworden sind.

Dieses Mal wurden 43 solcher Sicherheitslücken entdeckt. Fünf davon hat Google mit dem Bedrohungsgrad „hoch“ eingestuft. Jetzt, wo Google die Lücken namentlich genannt hat, ist die Gefahr besonders groß, dass sie durch Hacker ausgenutzt werden – das Update auf Chrome 76 schließt diese Einfallstore für Cyberkriminelle glücklicherweise mit einem Patch.

Kennt ihr schon unser Eins-für-Alles-Paket? Datensicherheit, Virenschutz, Updates – all das wird damit übernommen. Eine tägliche Systemprüfung und die Online-Sicherung eurer Daten sind ebenfalls inbegriffen. Der PC-SPEZIALIST in eurer Nähe erklärt euch gern die Einzelheiten und kümmert sich auch um die Installation der entsprechenden Software. Eine kleine Vorschau gibt es in diesem YouTube-Video:

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