MiB (Mebibyte) oder Megabyte?
Author
Maren Keller, Do, 2. Jun. 2022
in PC & Notebook

MiB (Mebibyte) oder Megabyte?

Was sind Mebibyte und welchen Unterschied gibt es zu Megabyte?

Megabyte, Kilobyte, Gigabyte – durchaus bekannte Begriffe, wenn es um die Speicherkapazität geht, beispielsweise von Festplatten. Aber kennen Sie Mebibyte? Oder vielleicht die Abkürzung MiB?

Bei uns erfahren, worin die Unterschiede sind und ob Mebibyte noch mehr Speicherplatz bieten.

MiB/Mebibyte in der PC-Industrie

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass eine nagelneue 500-GB-Festplatte anscheinend nur 465 Gigabyte freien Speicherplatz besitzt? Man wundert sich darüber, aber dieses Phänomen hat einen Grund. Und der liegt im Unterschied zwischen Gigabyte und Gibibyte. Beides wird – ebenso wie Megabyte und Mebibyte (MiB) oder Kilobyte und Kibibyte – in der Computerindustrie verwendet.

Grundsätzlich wird in der Computertechnologie das Binärsystem verwendet. Es wird auch als Dual- oder Zweiersystem bezeichnet und kann nur zwischen den Zahlen 0 und 1 unterscheiden. Bis ins Jahr 1996 gab es zudem keine eigenständigen Präfixe für vielfache Zweierpotenzen, sondern nur für das übliche Dezimalsystem. Das Dezimalsystem wird auch Zehnersystem genannt und unterscheidet zwischen den Zahlen 0 bis 9.

MiB: Computerplatine mit der Aufschrift Gigabyte. Bild: Pexels/JÉSHOOTS

Ob Gigabyte oder Gibibyte, ob Megabyte oder Mebibyte – es gibt Unterschiede. Bild: Pexels/JÉSHOOTS

MiB vs. MB: Lücke in der Speicherkapazität

Und weil das Dezimalsystem die Unterscheidung von zehn Zahlen kennt, ist das der Grund, warum Hersteller auch für die Speicherkapazität die gängigen Vorsätze des Dezimalsystems (SI-Präfixe) verwenden. Heißt: Kilo für 1.000 (10³), Mega für 1 Million (10⁶) und Giga für 1 Milliarde (10⁹).

Ob Festplatten, Speichersticks oder CD-Rohlinge – Hersteller nutzen diese Einheiten nach wie vor. Das Problem dabei ist folgendes: Ein Kilobyte besteht aus 1024 Bytes (2¹⁰), aber nicht, wie dem Namen nach zu vermuten, aus 1000 Bytes (10³). So entsteht zwischen der eigentlichen und der realen Speicherkapazität ein Lücke. Und die Differenz wächst prozentual mit der Größe des Speichermediums.

Bei Megabyte und Mebibyte (MiB) sowie bei Gigabyte und Gibibyte handelt es sich um den identischen Effekt. Der Unterschied: Die Zahlen sind größer, da es um eine Million, bzw. eine Milliarde geht. Und das wiederum bedeutet, dass auch die Lücke in der Speicherkapazität steigt.

Neue Präfixe, neuer Name

Im Jahr 1996 wurden vom IEC, der International Electronic Commission, neue Präfixe vorgeschlagen. Die sogenannten Binär-Vorsätze (IEC-Präfixe) setzen sich aus der ersten Silbe der Dezimal-Präfixe und einem angehängten „bi“ für „binär“ zusammensetzen. Aus Kilo wurde Kibi, aus Mega wurde Mebi und aus Giga wurde Gibi. Folglich wurden aus Kilobyte Kibibyte (KiB), aus Megabyte wurden Mebibyte (MiB) und aus Gigabyte wurden Gibibyte (GiB).

Um das Verwirrspiel um Begriffe und Zahlen weiter zu treiben, definieren wir, welche Größe wann auf was zutrifft: Grundlage ist ein Byte. Es besteht immer aus acht Bits. Ein Megabyte (10⁶) kommt demnach auf 1.000.000 Bytes. Ein Mebibyte, also MiB, steht aber für 1.048.576 Bytes.

Die Verwendung der unterschiedlichen Zahlensysteme (Zehnerpotenzen (10ⁿ) versus Zweierpotenzen (2ⁿ)) hat Folgen. Und zwar die, dass es eine Abweichung zwischen der angegebenen und der angezeigten Speicherkapazität gibt. Dabei steigt die Differenz, je größer die Zahlen werden:

SI-Einheit (Dezimalsystem/10ⁿ)IEC-Einheit (Binärsystem/2ⁿ)Unterschied in Prozent
1 Kilobyte (kB) = 10³ Byte = 1000 Byte1 Kibibyte (KiB) = 2¹⁰ Byte = 1024 Byte2,4
1 Megabyte (MB) = 10⁶ Byte = 1.000.000 Byte1 Mibibyte (MiB) = 2²⁰ Byte = 1.048.576 Byte4,9
1 Gigabyte (GB) = 10⁹ Byte = 1.000.000.000 Byte1 Gibibyte (GiB) = 2³⁰ Byte = 1.073.741.824 Bytes7,4
1 Terabyte (TB) = 10¹² Byte = 1.000.000.000.000 Byte1 Tebibyte (TiB) = 2⁴⁰ Byte = 1.099.511.627.776 Bytes10
1 Petabyte (PB) = 10¹⁵ Byte = 1.000.000.000.000.000 Byte1 Pebibyte (PiB) = 2⁵⁰ Byte = 1.125.899.906.842.624 Bytes12,6

Häufig werden die Begriffe Giga- und Gibibyte oder Mega- und Mebibyte allerdings nicht eindeutig und vor allem nicht korrekt verwendet. Bestes Beispiel dafür liefert Windows.

Windows und MiB

Was macht Windows? Windows berechnet intern korrekt auf Basis von Zweierpotenzen, also nach dem Binärsystem (2ⁿ). Allerdings gibt es den Wert dann mit dem Dezimalvorsatz (Mega, Giga, Tera…) an, weil Festplatten-Hersteller auf das Dezimalpräfix setzen.

Das hat zur Folge, dass unter Windows aus den vom Hersteller korrekt angegebenen 500 Gigabyte (ca. 465 Gibibyte) plötzlich nur noch 465 Gigabyte werden. Oder auf der 1 Terabyte (TB) großen Festplatte laut Windows nur 931 Gigabyte (GB) Speicherplatz sind.

Das richtige interne Rechnen und das falsche Anzeigen führen also zu der Differenz. Apple macht es da besser: Seit OS X 10.6 verwendet Apple nur noch die dezimale Angabe. Eine 500-Gigabyte-Festplatte wird im System also auch korrekt mit 500 GB angezeigt. Bei Linux haben Sie dagegen die Wahl zwischen der Anzeige in Megabyte oder Mebibyte (MiB). Linux berechnet die Größe des Speichermediums dann entsprechend entweder im Dezimal- oder Binärverfahren.

_______________________________________________

Verwendete Quellen: WhatIs, Hoegerl, Giga, IT-Business, IEC

0 Kommentare

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.