Krankschreiben lassen per WhatsApp
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Maren, Mo, 7. Jan. 2019
in Aktuelles

Krankschreiben lassen per WhatsApp

AU-Schein ohne Arztbesuch dank App

Stellt euch vor, ihr fühlt euch schlapp, die Nase ist zu und der Hals kratzt. Wäre es nicht toll, wenn ihr euch einfach per WhatsApp krankschreiben lassen könntet, statt sich zum Arzt zu quälen? Ein Hamburger Unternehmen will das jetzt möglich machen.

Alles über das Pro und Contra zu dieser neuen Möglichkeit der Online-Krankschreibung erfahrt ihr bei uns.

Krankschreiben lassen per WhatsApp – worum geht’s?

Das Hamburger Unternehmen au-schein.de hat einen Service entwickelt, mit dem ihr euch per WhatsApp krankschreiben lassen könnt, berichtet der NDR.

Wie funktioniert die Online-Krankschreibung? Bei einer klassischen Erkältung habt ihr die Möglichkeit, das neue Angebot per WhatsApp zu nutzen. Dafür müsst ihr eine Schutzgebühr von neun Euro zahlen, einige Fragen zu eurem Gesundheitszustand und Symptomen beantworten und schon bekommt ihr die Krankmeldung per WhatsApp geschickt. Das Original bekommt ihr dann ein paar Tage später per Post.

Zu sehen ist eine Montage verschiedener WhatsApp-Bildschirme. Sie zeigt den Weg zum Krankschreiben lassen per WhatsApp. Screenshots au-schein.de/Montage: PC-SPEZIALIST

Eure AU könnt ihr via WhatsApp bekommen. Das Verfahren ist umstritten. Screenshots: au-schein.de/Montage: PC-SPEZIALIST

AU-Schein per WhatsApp – ist das erlaubt?

Rechtlich gesehen dürfte es kein Problem sein, wenn ihr euch per WhatsApp krankschreiben lassen wollt. Schließlich wurde das Fernbehandlungsverbot im vergangenen Jahr gelockert. Der Telemedizin wurden damit weitere Möglichkeiten eröffnet, die vor allem auf dem platten Land für eine bessere ärztliche Versorgung sorgen sollen. Nun kommt ergänzend, dass ihr euch per WhatsApp eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung holen könnt.

Für den Kranken ist das sicherlich von Vorteil. Statt sich krank zum Arzt zu schleppen, vielleicht mit Fieber und Gliederschmerzen das Bett verlassen, um im vollen Wartezimmer auf ein Kurzgespräch mit dem Arzt zu warten, könnt ihr im Bett bleiben und euch auskurieren. Die Krankmeldung macht ihr praktisch nebenbei am Smartphone.

Kritik am Krankschreiben lassen per WhatsApp

Doch natürlich gibt es auch Kritik an der neuen Art der Online-Krankmeldung. Die Ärztekammern in Hamburg und Schleswig-Holstein raten von der Nutzung des Online-Angebots grundsätzlich ab. „Allein schon aus datenschutzrechtlichen Gründen“, wie der Ärztliche Geschäftsführer der schleswig-holsteinischen Kammer, Carsten Leffmann, der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Zudem muss die rechtliche Grundlage des Online-Angebots noch geklärt werden“, sagte Nicola Timpe von der Ärztekammer Hamburg.

Selbst wenn ihr dem Datenschutz bei WhatsApp vertraut und keine Angst vor Datenmissbrauch habt  – immerhin müsst ihr unter anderem ein Foto eurer Krankenversichertenkarte versenden – solltet ihr zunächst mit eurem Chef sprechen, ob der die Online-Krankmeldung akzeptiert. Misstrauische Arbeitgeber können die Anerkennung einer mittels WhatsApp ausgestellten Krankschreibung verweigern, meint Timpe.

Ein Handy und ein Stethoskop sind auf dem Bild zu sehen. Sie symbolisieren das Krankschreiben lassen per WhatsApp. Foto: Pixabay

Kommt bald die Diagnose und die Online-Krankmeldung per WhatsApp? Foto: Pixabay

Krankschreiben lassen ohne Arztkontakt?

Ein weiteres Problem bei der Online-Krankschreibung ist, dass ihr keinerlei Arztkontakt habt. Zwar ist das rechtlich dank Telemedizin inzwischen im Einzelfall erlaubt und bietet gerade im ländlichen Raum viele Vorteile. Doch könnten chronische Blaumacher die WhatsApp-Krankmeldung nutzen, um schnell und einfach an den so genannten gelben Schein zu kommen.

Doch dagegen hat sich das Hamburger Unternehmen des Firmengründers Can Ansay abgesichert. Um einem Missbrauch vorzubeugen, könnt ihr euch nur zwei Mal im Jahr mittels WhatsApp krankschreiben lassen. Dennoch prüft zurzeit die Rechtsabteilung der Bundesärztekammer, ob diese Art der Online-Krankschreibung rechtens sein kann.

Nachfrage nach Online-Krankmeldung gering

Bislang haben erst zwölf Patienten das Angebot genutzt. Die Nachfrage nach einer Online-Krankmeldung sei also „eher zögerlich“, so Ansay. Das wird sich vermutlich ändern, wenn die Werbemaschinerie so richtig angelaufen ist.

Doch wie sieht es mit den Blaumachern aus? Laut Firmengründer Ansay haben Umfragen ergeben, dass bisher unter den Krankgeschriebenen etwa „zehn Prozent Blaumacher“ sind. Rechnet man die Dunkelziffer hoch, „dürfte der Anteil bei 20 Prozent liegen“. Aber: „Jeder Patient, der bewusst falsche Angaben macht, begeht einen Betrug“, betont Can Ansay. Und das gilt sowohl für WhatsApp als auch für den echten Arztbesuch.

Die Vor- und Nachteile dieser Art der Krankmeldung hat au-schein.de zusammengefasst. Wie ihr euch per WhatsApp krankschreiben lassen könnt, erklärt dieses YouTube-Video:

Was haltet ihr davon? Könnt ihr euch eine Online-Krankmeldung per WhatsApp vorstellen? Habt ihr Angst vor Datenmissbrauch oder zieht ihr den persönlichen Arztkontakt vor? Lasst uns in unseren Kommentaren wissen, was ihr davon haltet.

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