Coin-Master-App in der Kritik
Author
Janina Kröger, Fr, 16. Aug. 2019
in Smartphone & Tablet

Coin-Master-App in der Kritik

Ist das Top-Handy-Spiel eine Einstiegsdroge für Glücksspiel?

Die Welt der Wikinger kombiniert mit phantasievollen, niedlichen Figuren – darauf basiert das Erfolgsrezept der Coin-Master-App. Millionenfach wird die Spiele-App auf Smartphone und Co. heruntergeladen. Und entpuppt sich dort als gefährlicher und teurer Zeitvertreib. 

Wir stellen euch das Top-Handy-Spiel Coin Master vor und erklären, weshalb die Landesmedienanstalt NRW jetzt davor warnt.

Was ist Coin Master?

Ist euch das Schweinchen aus der Coin-Master-App schon über den Weg gelaufen? Mit Maske, Beutesack und goldglänzender Münze in der Hand ist es eindeutig als Räuber zu erkennen. Und irgendwie scheint dieses Bild als Symbol für die Spiele-App ganz besonders gut zu passen.

Aber erst einmal ganz zum Anfang – also zu der Frage: Was ist Coin Master überhaupt? Es handelt sich um eine Spiele-App, die sowohl für Android- als auch Apple-Systeme geeignet ist. Und ganz offensichtlich ist die App, die eine Kombination aus Strategie- und Glücksspiel darstellt, sehr beliebt: Im Google Play Store ist Coin Master aktuell auf Platz 2 der beliebtesten Spiele-Apps.

Die kostenlose App können Nutzer ab zwölf Jahren herunterladen. Und genau in dieser jungen Zielgruppe ist sie auch besonders populär. Von manchen Medien wird Coin Master schon jetzt als das „berühmteste mobile Spiel aller Zeiten“ gefeiert. So viel schon einmal zum Grundlagenwissen.

Zu sehen sind drei Screenshots aus der Coin-Master-App. Sie zeigen Grafiken eines Dorfes am See, einem Spielautomaten und einer Landkarte. Bild: Screenshot

Dörfer überfallen, Jackpot knacken, neue Welten entdecken – die Coin-Master-App ist bunt und spannend.
Bild: Screenshot

Wie funktioniert Coin Master?

Wie der Name vermuten lässt, dreht sich bei dem Spiel alles um das liebe Geld – die Coins. Ihr ladet das Spiel herunter, entscheidet euch, ob ihr als Gast oder mit eurem Facebook-Account spielen wollt, erstellt euren Avatar und erhaltet in der virtuellen Wikinger-Welt direkt ein erstes Dorf sowie 75.000 Coins.

Die Idee ist es, dass ihr in eurem Dorf Häuser baut, dafür Sterne sammelt und mit genügend Sternen das nächste Level erreicht, wo ihr dann das nächste Dorf aufbauen müsst – insgesamt gibt es mehr als 200 solcher Level. Für den Aufbau der Dörfer benötigt ihr allerdings Coins. Und von den ersten 75.000 Coins sind mit dem ersten Hausbau auch schon 60.000 Coins futsch.

Neue Coins könnt ihr auf verschiedenen Wegen bekommen: Indem ihr andere Dörfer überfallt, an Events mit verschiedenen Aufgaben teilnehmt oder am Spielautomaten euer Glück versucht. Die Coin-Maschine à la „Einarmiger Bandit“ könnt ihr aber nicht einfach so benutzen.

Tausche reales Geld gegen fiktive Coins

Pro Stunde erhaltet ihr nur fünf freie Drehversuche an dem Automaten. Coins erhaltet ihr nur, wenn alle drei Räder des Glücksrads die goldenen Münzen anzeigen. Manchmal bekommt ihr aber auch drei Schweinchen, die euch den Angriff auf ein anderes Dorf ermöglichen, oder drei Schilde, die euch vor den Angriffen anderer Spieler schützen sollen. Oder es kommen verschiedene Symbole und ihr geht leer aus.

Bis zum nächsten Versuch ist dann Geduld gefragt. Wer die nicht hat, kann sich alternativ Werbespots ansehen und damit weitere Spins verdienen oder mit seinen vorhandenen Coins weitere Spiele erkaufen. Oder ihr kauft euch direkt mit realem Geld fiktive Coins. Zur Wahl stehen verschiedene Pakete. Sie fangen bei 1,09 Euro an, können aber auch mit bis zu 350 Euro zu Buche schlagen.

Ihr möchtet noch mehr Geld ausgeben? Kein Problem. In höheren Leveln könnt ihr euch niedliche Begleiter anschaffen – und die haben Hunger. Das Futter lässt sich allerdings nur mit echtem Geld kaufen.

Zu sehen ist eine Grafik aus der Coin-Master-App mit einem kleinen Nashorn, einem kleinen Tiger und einem kleinen Fuchs. Bild: Screenshot

Ihr könnt euch in der Coin-Master-App auch Haustiere anschaffen. Bild: Screenshot

Coin-Master-App – eine echte Geldmaschine

Die App gibt es schon seit 2015, allerdings gehen die App-Downloads in Deutschland erst jetzt so richtig durch die Decke. Warum? Moon Active, das israelische Unternehmen hinter Coin Master, hat deutsche (C-)Promis als Werbegesichter verpflichtet. Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger, Pietro Lombardi, Simon Desue und Bibi von BibisBeautyPalace promoten auf Facebook, YouTube und Instagram das Spiel.

Es heißt, dass die Coin-Master-App mittlerweile fast vier Millionen Mal bei uns heruntergeladen worden ist, davon 1,9 Millionen Mal im Juni 2019. Nach einer Schätzung des Analyse-Tools Priori Data soll die Spiele-App bislang mehr als 280 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht haben. Deutsche Spieler sollen durch In-App-Käufe allein im Juni sechs Millionen Dollar in die Kassen von Moon Active gespült haben.

Nutzer-Berichte geben folgende Beobachtung wieder: Je höher das Level, desto schwieriger wird es, ins nächste zu kommen. Manche kritisieren, ohne den Einsatz echten Geldes sei das gar nicht möglich. Ein echter Coin Master ist dabei also scheinbar nur der Entwickler.

Bedingt Coin-Master-App Glücksspielsucht?

Die Coin-Master-App steht wegen all dem im Verdacht, eine Einstiegsdroge ins Glücksspiel darzustellen. Immerhin funktioniert die Coin-Maschine – sofern der Spieler reales Geld einsetzt – genauso wie jeder andere Einarmige Bandit in altersbeschränkten (Online-)Casinos. Allerdings wird das Glücksspiel hinter der bunten, kindlichen Grafik und durch die Kombination mit einem Strategiespiel gut versteckt.

Spieler berichten von allerlei Mechanismen, durch die die Top-Spiele-App tatsächlich süchtig macht. Der Ansporn ins nächste Level aufzusteigen, Rivalitäten mit anderen Spielern, die Vernetzung mit den eigenen Freunden über Facebook – all das trägt dazu bei, dass viele Nutzer morgens als erstes die Coin-Master-App öffnen und abends vor dem Schlafen als letztes schließen.

Der Verdacht erhärtet sich mit Blick auf die Werbespots, die ihr euch anschauen könnt, um dadurch Coins zu verdienen: Viele davon sind Reklamen für richtige Online-Casinos. Das Räuber-Schweinchen kommt also irgendwie nicht nur in der fiktiven Coin-Master-Welt zum Einsatz, sondern auch in der echten Welt.

Landesmedienanstalt NRW schaltet sich ein

Der Spiegel zitiert in diesem Zusammenhang eine Studie der Uni Hamburg, in der es heißt, dass virtuelle Spielgeld-Casinos wie Coin Master tatsächlich zum Glücksspiel verführen können. In Zahlen: 54 Prozent der 5.000 befragten Gamer gaben an, auch um virtuelles Geld zu spielen. Und weiterhin heißt es in der Studie: Besonders jüngere Spieler seien gefährdet.

Die Landesmedienanstalt NRW lässt die Spiele-App nach Spiegel-Informationen jetzt sogar prüfen. Allerdings geht es ihr nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa eher darum, dass sich die Kampagnen mit den YouTube-Stars direkt an Kinder und Jugendliche richten. Und das sei generell verboten. Es ist nun Sache der Kommission für Jugendmedienschutz dem Vorwurf nachzugehen.

Fest steht: Eltern sollten ihre Kinder für das Suchtpotenzial sensibilisieren – und darauf achten, dass die Rechnungen für die Handys ihrer Sprösslinge nicht plötzlich in die Höhe schießen. Ansonsten steht ihnen unter Umständen ein böses und vor allem teures Erwachen bevor.

Schutz der Kinder und Jugendlichen geht vor

Ihr habt zwar prinzipiell die Möglichkeit, gegen die durch Minderjährige verursachten Handykosten Einspruch einzulegen, allerdings sind uns bislang noch keine Fälle speziell im Zusammenhang mit der Coin-Master-App bekannt.

Sofern eure Kinder die Coin-Master-App nutzen, gilt deshalb grundsätzlich das Prinzip: Vorsorge ist besser als Nachsicht. Ihr könnt auf dem Handy eurer Kinder die Option auf In-App-Käufe ausstellen. Vielleicht interessieren euch in diesem Zuge auch unsere Blogartikel zur Mediennutzung von Kindern, zu den Gefahren im Internet für Kinder und zu Kinderschutzsoftware.

Ihr habt Probleme dabei, so eine Software auf dem Handy eures Kindes zu installieren? Ihr findet die Funktion zum Abschalten der In-App-Käufe nicht? Dann sucht am besten den PC-SPEZIALISTEN in eurer Nähe auf. Er ist euch wie gewohnt auch in diesen Dingen ein kompetenter Ansprechpartner.

3 Kommentare

  1. Luedke sagt:

    Leider ist diese App deine Abzocke. Ohne mit echtem Geld zu kaufen kommt man irgendwann nicht mehr weiter und wenn es Freispiele zu gewinnen gibt ist es noch schwieriger weil man dann beim Drehen nur Müll bekommt anstatt die Angriffe oder Überfälle

  2. Rainer sagt:

    Ich habe Echtes Geld eingesetzt habe mir auch 10 000 Spins erspielt oder sollte man sagen erkauft?
    Nach etwa zwei Minuten war mein Gewinn auch schon Verschwunden von meinem Display. Ich habe mich an den Support gewandt und hoffe nun das ich mein Geld oder die schwer erdrehten Spins wieder bekomme.

  3. Peter sagt:

    Das man das Futter für die Haustiere nur mit echtem Geld kaufen kann stimmt aber nicht ganz, ich habe auch schon mal welches gewonnen. Das ist zwar nicht all zu oft und nur selten, aber kommt mal vor. Dann ist das Haustier aber nur 4 Stunden aktiv, nachdem es wieder Hunger hat.

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