Was ist Tracing?
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Maren Keller, Mo, 22. Jun. 2020
in Aktuelles

Was ist Tracing?

Infos zur Corona-Warn-App

Aktualisiert am 08.03.2021

Immer wieder schwirren Begriffe wie Tracking und Tracing durch den Raum. Erst recht, seit die Corona-Warn-App auf dem Markt ist. Aber handelt es sich um eine Tracking-App oder eine Tracing-App? Was ist Tracing?

Der Unterschied liegt nur in einem einzigen Buchstaben. Wir erklären Ihnen den Unterschied.

Corona-Warn-App – sinnvoll oder nicht?

Von der Corona-Warn-App ist seit Monaten die Rede, seit wenigen Tagen ist die deutsche App erhältlich. Über die schwierigen Anfänge haben wir in unserem Blogbeitrag über Tracking-Apps zu Corona-Zeiten berichtet. Mittlerweile ist sie also am Start und Sie können sie sich im Google Play Store und in Apples App-Store herunterladen.

Aber ist die Warn-App eine Tracking-App oder doch eine Tracing-App? Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen und was ist Tracing? Wie sinnvoll ist die App? Und wie sicher ist sie?

Bevor Sie nun alle die App herunterladen, sollte Ihnen bewusst sein, dass die digitale Kontaktverfolgung kein Selbstläufer ist. So wurde die norwegische Corona-App wegen Datenschutzbedenken ausgesetzt und gesammelte Daten gelöscht. In Australien funktioniert die App unter Umständen auf iPhones nicht und in Singapur hat die Warn-App nicht den erhofften Erfolg gebracht, weshalb die Regierung nun Bluetooth-Sender an die Bevölkerung verteilen will.

Was ist Tracing? Bild zeigt Hand in der Hand, im Hintergrund schwirren Viren umher, Tracing wird laut Display erlaubt. Bild: Pixabay

Tracing oder Tracking? Was macht die Corona-Warn-App? Bild: Pixabay

Was ist Tracing? Was ist Tracking?

Auch wenn erste Tests der deutschen Warn-App positiv verlaufen sind, sind Zweifel zumindest angebracht. Immerhin: Die dezentrale Lösung zur Speicherung der Daten – jeweils auf dem Handy der Besitzer und nicht auf einem Server – sind aus Datenschutzsicht gut und gravierende Schwachstellen haben Experten nicht entdeckt oder rechtzeitig reparieren können.

Die App ist also sicher, setzt aber eine hohe Eigenverantwortung voraus und zudem ein hohes Vertrauen in Robert-Koch-Institut und Bundesregierung. Klar ist, je mehr Leute die App nutzen, desto größer kann ihr Beitrag zur Eindämmung der Pandemie sein. Auch wenn die Warn-App nur ein kleiner Baustein ist. Aber wie ist es mit der Übertragungsart, mit dem Bluetooth? Ist das sicher? Und ist Tracking möglich? Oder doch nur Tracing? Wo liegt der Unterschied?

Was ist Tracking?

Beim Tracking geht es um die Verfolgung von Spuren. So nutzen beispielsweise Paketdienste das Tracking, damit Sie als Kunden stets den Überblick haben, wo sich Ihre Sendung gerade befindet. Sind Sie im Internet unterwegs, zeichnen viele Webseiten Ihr Verhalten auf. Zur Überwachung zählen Datensätze wie Zeitpunkt, Bewegungen innerhalb der Seite und von wo ein User auf die Webseite gekommen ist, ob über eine Suchmaschine oder über Werbeeinblendungen. Infos dazu erhalten Sie in unserem Ratgeber Was sind Cookies?.

Tracking ist auch mittels Apps möglich. Hier werden Infos wie das verwendete Gerät, das Betriebssystem oder auch der Standort verfolgt. Ziel ist immer, möglichst viel über den Nutzer zu erfahren und das Erlebnis auf der Seite zu verbessern sowie gezielte Werbeanzeigen auszuspielen.

Was ist Tracing?

Im Zusammenhang mit der Corona-Warn-App wird immer wieder von Tracing gesprochen. Aber was ist Tracing? Auch hierbei handelt es sich um eine Ablaufverfolgung. Aber im Gegensatz zum Tracking wird beim Tracing mittels Corona-App nur erfasst, ob ein relevanter Kontakt stattgefunden hat. Weder die persönlichen Daten des Nutzers, noch sein Standort oder andere Geräteinformationen erfasst das Tracing.

Die Grundlage ist die Bluetooth-Verbindung und die Kontaktverfolgung ist deutlich datenschutzfreundlicher. Begegnen sich zwei Handys mit aktiver Corona-Warn-App, dann tauschen diese Geräte einfach nur zufällig erzeugte Krypto-Schlüssel via Bluetooth aus.

Was ist Tracing? Screenshot der Cororna-Warn-App aus dem Google Play Store.

Ob die Corona-Warn-App wirklich beim Kampf gegen die Pandemie hilft, wird erst die Zukunft zeigen. Bild: Screenshot Google Play Store

Wie sicher ist Bluetooth für die Corona-Warn-App?

Aber genau die Bluetooth-Verbindung ist das Problem. Denn Bluetooth ist immer wieder anfällig für Hacker. Auch wir haben schon über schwerwiegende Sicherheitslücken, wie Bluetooth-Hack, Bluetooth-Sicherheitslücke entdeckt und Handy gehackt? berichtet. Wer allerdings mit seinen Sicherheitsupdates auf dem aktuellen Stand ist, muss sich bei der Verwendung der Corona-App keine Sorgen machen.

Aber: Wer die Corona-Warn-App nutzt, muss die Standortermittlung aktivieren. Nur dann sucht Ihr Handy nach Bluetooth-Signalen anderer Handys. Standortdaten werden dabei aber nicht gespeichert, heißt es im App-Datenschutzblatt. Allerdings können andere Apps auf Ihrem Handy die Standortfreigabe ebenfalls nutzen. Wenn Sie das nicht möchten, sollten Sie unbedingt die App-Berechtigungen überprüfen und nur für notwendige Anwendungen – wie Navigation – erlauben.

Was ist Tracing und wie zuverlässig ist es per Bluetooth?

Was Tracing ist, haben wir geklärt: Kurz gesagt ermittelt die App per Bluetooth, wer wen trifft, ohne dabei persönliche Daten, den Standort oder anderes zu speichern. Aber ist das Tracing per Bluetooth zuverlässig? Grundsätzlich ist Bluetooth nicht dafür ausgelegt, Kontaktverfolgung dieser Art zu betreiben. Das Problem ist, dass es den Abstand nur ungenau messen kann.

Sitzen Sie in einem Restaurant und haben Sie das Handy in der Hosentasche, reduziert sich das Signal. Die Folge: Die App sieht den Infizierten, der Ihnen gegenübersitzt, eventuell nicht als relevanten Kontakt an. Oder aber Sie stehen an einer Bushaltestelle direkt an der Straße. Der Bus fährt vor und im Bus, direkt neben Ihnen, sitzt ein Infizierter. Hier kommt es zu einer Warnung, obwohl eine Ansteckung ausgeschlossen werden kann. Die App weiß also weder, ob Glasscheiben oder Wände zwischen Ihnen und den Infizierten sind, noch ob alle Mundschutz tragen, was ebenfalls das Risiko verringert.

Wie die Corona-Warn-App genau funktioniert, erfahren Sie in diesem YouTube-Video:

Zweifel an App-Genauigkeit

Daher machen sich bereits Zweifel an der Genauigkeit der App breit. Hinzukommt, dass mindestens 60 Prozent aller Deutschen die App nutzen müssten, damit die App ihren Zweck erfüllt. Laut einer Oxford-Studie besitzen allerdings 30 Prozent kein Smartphone. Und alle anderen müssten die neuesten Betriebssysteme nutzen, da die App nur unter iOS 13.5 und ab Android 6 funktioniert. Wer ein älteres Handy nutzt, hat Pech gehabt.

Wie ist Ihre Meinung zur Corona-Warn-App? Wie stehen Sie zum Tracing? Haben Sie das nötige Vertrauen, dass kein Datenmissbrauch stattfindet und nutzen Sie daher die App bedenkenlos? Oder haben Sie womöglich ein älteres Handy und können die App nicht nutzen? Hinterlassen Sie uns gern einen Kommentar mit Ihrer Erfahrungen und Meinungen zur App. Benötigen Sie Hilfe bei der Einrichtung der App, wenden Sie sich gern an Ihren PC-SPEZIALIST in Ihrer Nähe.

Update vom 30.09.2020: Datenaustausch unter EU-Ländern

Ab Mitte Oktober starten einige Länder in der EU, darunter Deutschland, mit den Datenaustausch der verschiedenen Corona-Apps. Ziel ist die digitale Kontaktverfolgung auch über die Landesgrenzen hinaus. Den Anfang machen Deutschland, Italien und Irland, weitere acht Mitgliedsstaaten der EU folgen in den Wochen danach. Außen vor bleibt die Schweiz als Nicht-EU-Land und Frankreich, da die französische App nicht mit dem EU-Verbund kompatibel ist.

Damit die verschiedenen Apps untereinander kommunizieren können, ist ein Update und eine besondere Zustimmung durch den Nutzer erforderlich. Entwickelt wurde der europäische Datenabgleichdienst von Telekom und SAP und ist als open Source bei Github einsehbar.

EU-weit nutzen nur 10 Prozent der Bevölkerung eine Corona-Warn-App, in Deutschland liegt die Beteiligung mit knapp 20 Prozent deutlich höher.  Für die EU-Kommission gilt: Jede Kontaktbenachrichtigung durch die App hat einen Effekt und kann Leben retten.

Update vom 09.10.2020: Gemeldete Fälle in der Warn-App

Nachdem mittlerweile alle wissen, worum es geht, stellt sich die Frage „Was ist Tracing?“ nicht mehr. Fraglich bleibt aber, ob die Corona-Warn-App ihren Sinn und Zweck erfüllt. Laut Google Play Store liegt die Zahl der Downloads über fünf Millionen. Die Bewertungen sind allerdings schlecht. Allzu oft verteilen Nutzer nur einen oder zwei Sterne und kommentieren mit „Funktioniert nicht“, „stürzt ab“, „kein Testergebnis“ oder ähnliches.

Doch wie sieht es mit den Daten in der App aus? Wieviele Infizierte nutzen die App wirklich? Laut Schätzungen haben sich (Stand 07.Okotber 2020)  insgesamt 7568 Infizierte seit 23. Juni gemeldet. In den letzten Tagen waren es trotz deutlich steigender Zahlen tagesaktuell nur wenige, die ihren positiven Testschlüssel in der Warn-App geteilt haben. Die Zahlen:

  • 01.10.2020: 155
  • 02.10.2020: 191
  • 03.10.2020: 135 
  • 04.10.2020: 100 
  • 05.10.2020: 107
  • 06.10.2020: 149
  • 07.10.2020: 393

Sie möchten sich selbst ein Bild von den aktuellen Zahlen machen? App-Mit-Entwickler Malte Janduda bietet die Daten anonymisiert in den Formaten CSV, JSON und Excel an. Die Daten werden stündlich aktualisiert.

Update vom 08.03.2021: Update erlaubt Datenspende

Zwei neue Updates sollen die Corona-Warn-App verbessern: Zum einen können Sie ab sofort die von der App gesammelten Daten freiwillig teilen. Damit sorgen Sie aktiv für eine Verbesserung der App. Sie müssen dafür die Funktion „Datenspende“ aktivieren. Sobald das geschehen ist, übermittelt die App an das RKI, ob dem Nutzer eine grüne (niedriges Risiko) oder rote Kachel (erhöhtes Risiko) eingeblendet wurde. Außerdem ist die Angabe des Alters, des Bundeslandes und Landkreises, in dem Sie wohnen, möglich. Das RKI nutzt die Informationen,  um herauszufinden, welchem Risiko Personen ausgesetzt waren. Ziel ist es, einen möglichen Zusammenhang zwischen App-Warnungen und lokaler Inzidenz herzustellen.

Ziel ist es, die Wirksamkeit der App zu verbessern. Aber: Die übermittelten Daten erlauben dem RKI keine Rückschlüsse auf individuelle Personen. Das bedeutet, nehmen Sie an der Datenspende teil, weiß das RKI nicht, dass Sie persönlich teilnehmen. Außerdem verursacht die  Datenspende keinerlei Kosten. Die Netzbetreiber tragen die Kosten für die Datenübertragung, wenn der Nutzer eine deutsche SIM-Karte verwendet.

Eine weitere Neuheit nach dem Update ist eine Implementierung einer eigenen Registerkarte für das Kontakt-Tagebuch. Dadurch können die Nutzer schneller von der Startseite der App aus auf das Kontakt-Tagebuch zugreifen können.

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Weiterführende Links: nrk.no, zdnet.com, handelsblatt.com, onetz.de, coronawarn.app, zdnet.de, morgenpost.de, connect.de, Twitter Malte Janduda

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