Online wichteln
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Maren Keller, Mo, 7. Dez. 2020
in Aktuelles

Online wichteln

Vorsicht vor Spiel „Geheime Schwester“

In diesem Jahr kommt wohl niemand am Online-Wichteln vorbei. In den sozialen Netzwerken grassiert dazu ein Spiel namens „Geheime Schwester“ oder „Secret Sister“.

Warum Sie an diesem Spiel besser nicht teilnehmen sollten, erfahren Sie bei uns.

Online Wichteln an Weihnachten?

Wichteln an Weihnachten hat für viele Tradition. Das beginnt meistens in der Grundschule und endet – nie. Auch unter Jugendlichen, Auszubildenden, in der Familie, am Arbeitsplatz unter Kollegen oder im Sportverein wird Jahr für Jahr gewichtelt. Obgleich gerade bei älteren Semestern das Schrottwichteln im Vordergrund steht und es nicht mehr um wirkliche Geschenke, sondern eher um den Spaß an der Sache geht.

Kein Wunder also, dass mittlerweile auf Social-Media Plattformen auch das Online-Wichteln groß im Kommen ist. Doch kann das überhaupt funktionieren? Was steckt hinter dem Spiel „Geheime Schwester“, in dem es um das Wichteln via Facebook geht? Gibt es da überhaupt echte Geschenke? Wie funktioniert Wichteln überhaupt? Wir haben Antworten auf all diese Fragen.

Draufsicht auf zwei Hände, die ein kleines Geschenk halten. Online wichteln. Bild: Unsplash/Ben White

Ein kleines Wichtelgeschenk bereitet Groß und Klein große Freude. Bild: Unsplash/Ben White

Wie funktioniert Wichteln?

Wer kennt das klassische Wichteln nicht? Da wird in einer Gruppe per Losverfahren entschieden, wer welchem Gruppen Mitglied ein Geschenk kaufen muss. Natürlich bleibt geheim, wer der Schenker ist, aber der Geldwert des Geschenks wird verabredet, sodass am Ende jeder in der Gruppe ein kleines, etwa gleichwertiges Geschenk bekommt.

Das ist eine äußerst lustige Angelegenheit, wenn sich alle an die Spielregeln halten und nicht nur unter Kindern äußerst beliebt. Jugendliche und Erwachsene gehen häufig zum Schrottwichteln über. Dabei wird etwas geschenkt, das man selbst besitzt, aber nicht mehr mag oder braucht. Das könnten beispielsweise die ungeliebten Topfuntersetzer von Oma sein, die alte Vase mit den hässlichen Farben oder der Aschenbecher, den man als Nichtraucher noch nie benutzt hat. Die Auswahl im eigenen Haushalt ist meistens riesig und der Spaß bei der Übergabe ebenfalls.

Online wichteln: Kann das klappen?

Auf Facebook kursiert seit einer Zeit das Spiel „Geheime Schwester“. Dabei handelt es sich um ein Weihnachtswichteln im Internet, um Online-Wichteln. Gekauft werden soll – und das ist dann ganz real – ein Wichtelgeschenk im Wert von 10,- Euro. Und dann? Dann bekommen Sie im Gegenzug zwischen sechs und 36 Geschenken, angeblich.

Doch wie funktioniert das Online-Wichteln genau? Eine Person beginnt das Spiel, indem Sie – in diesem Fall – das Spiel „Geheime Schwester“ an sechs Personen weiterleitet. Diese sechs Personen schenken der ersten Person jeweils ein Geschenk und leiten das Spiel jeweils an sechs weitere Personen weiter, von denen sie nun ebenfalls Geschenke erhalten. Und so geht das immer weiter.

Das klingt ziemlich einfach und leicht verständlich, aber es erinnert an die Kettenbriefe von früher. Damals, als man diese Briefe sechsmal mit der Hand abschreiben musste, um sie sechs Freundinnen zu geben und so 36 Tafeln Schokolade zu bekommen. Geklappt hat das damals nie, Schokolade gab es nicht.

Screenshots vom Online Wichteln auf Facebook. Bild: Screenshots Facebook/Montage PC-SPEZIALIST

In dieser Art sehen die Aufrufe zum Spiel Geheime Schwester aus. Bild: Screenshots Facebook/Montage PC-SPEZIALIST

Online wichteln – das Problem

Das Problem beim Wichteln via Facebook ist leicht zu verstehen: Die Zahl der Mitmachenden steigt rasant. Während zunächst nur sechs Teilnehmer mitmachen, sind es in der zweiten Runde bereits 36 Leute (6 x 6). Und dann gehen die Zahlen steil nach oben: über 216 (6 x 6 x 6), auf 1.296 (6 x 6 x 6 x 6), auf 7.776 (6 x 6 x 6 x 6 x 6), auf 46.656 (6 x 6 x 6 x 6 x 6 x 6) und immer so weiter. Dabei sei gesagt, dass sich die Leute untereinander nicht kennen und noch nicht beim Spiel „Geheime Schwester“ mitmachen. Es wird also schon nach sehr kurzer Zeit schwierig, Leute zu finden, die mitmachen können.

Ein weiteres Problem beim Online-Wichteln: Die Verbreitung passiert in einer äußerst rasanten Geschwindigkeit und betrifft Personen, die man größtenteils nicht kennt. Man muss also darauf vertrauen, dass Wildfremde dann auch Geschenke versenden. Da das System bereits in der Kindheit mit den Schokoladen-Kettenbriefen nicht funktioniert hat, lässt vermuten, dass es auch heute nicht klappt.

Fazit zum Spiel „Geheime Schwester“

Das Spiel „Geheime Schwester“ kursiert schon seit mehreren Jahren immer mal wieder über verschiedene Social-Media-Plattformen. Im englischen Sprachraum heißt es „Secret Sister“ und richtet sich ausschließlich an Frauen. Ein solches Spiel gab es auch schon mit anderen Themen, beispielsweise als es darum ging, Kinderbücher auf dieselbe Art zu verschenken.

Aus rein mathematischer Sicht schon kann das Spiel nicht funktionieren. Schon nach äußerst kurzer Zeit bricht das Spiel in sich zusammen. Die Folge: Für diejenigen, die sich an dem Spiel beteiligen, wird es keine Geschenke geben.

Übrigens: Aufgrund der hohen Gewinne (viele Geschenke) bei geringem Aufwand (ein Geschenk) basieren solche Gewinnspiele auf Schneeballsystemen, die zum Gutteil sogar illegal sind. Unser Tipp: Auch wenn Sie solche Einladungen von Kontakten und Freunden bekommen, ignorieren Sie sie am besten und geben Sie niemals Daten an Fremde raus. Welche Gefahren es bei Facebook-Spielen wie zum Eintritt in den Europa-Park oder bei anderen Gewinnspielen gibt, erfahren Sie bei uns im Blog.

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Weiterführende Links: Bachhausen, Mimikama, Network-Karriere, Polizei Berlin, Spam-info, SZ, WasmachtHeli?

1 Kommentar

  1. Anonym sagt:

    Und genau hier ist das Problem dieses Artikels.

    Den es geht dabei nicht ausnahmslos darum ein Geschenk zu erhalten. Sondern bereit zu sein jemandem ein Geschenk zu schicken ohne unbedingt im Gegenzug eins zu kriegen. Meist erhält man denoch 1 bis 2 aber das sollte man nicht erwarten.

    Zu Zeiten von Corona und den dabei mit Füßen getretenen Datenschutz, wo jeder Pommes Verkäufer die Anschrift, sowie Nummer eines Kunden hat, ist der Daten Punkt relativ irrelevant. Zu mal man auch Anonym verschicken kann. Im schlimmsten Fall ist das Paket unzustellbar und wird bei der Post irgendwann versteigert.

    Das Problem in den Köpfen der Leute ist oft das sie mit plus minus 0 rauskommen wollen. Heisst das Sie für jeden Quatsch ein Äquivalent erwarten.

    Ich meine wenn einem dies klar ist und er gerne einem wild fremden Menschen bereit ist eine kleine Freude zu machen, dann kann er das sehr wohl machen. 1 paar Euro machen einen nicht arm und wenn dabei was rauskommt freut man sich.

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