Telegram-Messenger
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Maren Keller, Mo, 18. Jan. 2021
in Aktuelles

Telegram-Messenger

WhatsApp-Alternative hat 500 Millionen aktive Nutzer

Aktualisiert am 02.02.2021

Zum 8. Februar ändert WhatsApp seine Nutzungsbedingen. Seitdem das bekannt ist, laden sich User scharenweise den Telegram-Messenger auf ihre Smartphones. 500 Millionen Nutzer hat die WhatsApp-Alternative aktuell. 

Wir stellen Telegram vor, zeigen die Vor- und Nachteile und klären über die neuen Nutzungsbedingungen bei WhatsApp auf.

Telegram-Messenger – was zeichnet ihn aus?

Bei Telegram handelt es sich um einen kostenlosen Instant-Messaging-Dienst, den Sie in den jeweiligen App Stores (Android/iOS) aufrufen können. Sie können ihn auf Smartphones, Tablets, Smartwatches und PCs nutzen und wie bei anderen Messengern auch Text- und Sprachnachrichten, Fotos, Videos und Dokumente austauschen, sowie mit anderen Telegram-Usern per Sprach- und Videotelefonie kommunizieren.

Die Telegram-App wurde im Jahr 2013 von den Brüdern Pavel und Nikolai Durow gegründet. Die beiden haben auch das russische Online-Netzwerk VKontakte ins Leben gerufen. Weil Telegram sich weigert, mit Behörden zu kooperieren und Verschlüsselungen weiterzugeben, ist die App unter anderem in Russland verboten.

Aber auch am Telegram-Messenger gibt es Kritik: So sind die Chats standardmäßig überhaupt nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sondern nur, wenn der Nutzer das explizit einstellt und die sogenannten geheimen Chats benutzt. Reguläre Chats sind zwar auch verschlüsselt, könnten aber, da sie durch die Cloud-Funktion auf Telegram-Servern zwischengespeichert werden, vom Anbieter theoretisch entschlüsselt und somit mitgelesen werden. Zudem basiert die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf einem proprietären Protokoll. Das bedeutet, dass außer Telegram niemand die Verschlüsselung bewerten und erforschen kann, wie sicher der Algorithmus tatsächlich ist. WhatsApp hingegen nutzt den sicheren Algorithmus von Signal zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Chats und Medien.

Händy am Handy mit Telegram-Messenger. Bild: Unsplash/Christian Wiediger

Rekordzahlen beim Telegram, obwohl der Messenger nicht frei von Kritik ist. Bild: Unsplash/Christian Wiediger

Weitere Kritik an Telegram

Die Messenger-App Telegram wird von den Entwicklern als quelloffen angepriesen. Das bedeutet, Externe können die App analysieren, Bugs und Sicherheitslücken werden schneller gefunden. Doch dem ist nicht wirklich so, denn der Servercode ist nicht öffentlich zugänglich. Was dort passiert, weiß nur der Anbieter selbst. Den Standort des Servers kennt auch nur der Entwickler, welche Datenschutzgesetze also wirklich gelten, ist unklar.

Die Kritik an Telegram ist also berechtigt. Und so schreibt denn auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Wer wegen des Datenschutzes von WhatsApp zu Telegram wechselt, läuft direkt ins offene Messer“. Dennoch sprechen die Zahlen für sich: 25 Millionen Nutzer registriert Telegram in nur drei Tagen.

Doch wer sich nicht so sehr um die Sicherheit schert, sondern die Funktionen schätzt, ist bei Telegram genau richtig: Die Messenger-App bietet nicht nur Gruppen mit bis zu 250.000 Mitgliedern und Filesharing für große Dateien, sondern auch Bots, mit denen sich die Funktionalität noch erweitern lässt. Sämtliche gängige Chatfeatures sind natürlich ebenfalls enthalten. Aber: Vor allem zuletzt machte sich der Telegram-Messenger als Plattform einen Namen, die als vermeintlicher Zufluchtsort von rechtsextremen Verschwörungstheoretikern genutzt wird.

WhatsApp-Boykott wegen Datenschutzbestimmungen

Der Grund, warum sich massenhaft User von WhatsApp verabschieden, liegt in den neuen Datenschutzbestimmungen, die ursprünglich zum 8. Februar in Kraft treten. Die neuen Datenschutzbestimmungen erzwingen die Zustimmung, dass Daten des Dienstes WhatsApp auch mit anderen Facebook-Unternehmen oder Werbepartnern geteilt werden können. Wer nicht zustimmt, kann WhatsApp ab Februar nicht mehr nutzen. Mutterkonzern Facebook geht damit einen Schritt, den Facebook-Chef Zuckerberg bei der Übernahme des Messengers im Jahr 2014 ausgeschlossen hatte. Nach massiven Nutzerprotesten und zahlreichen Abwanderungen zu alternativen Messengern will WhatsApp die neuen Datenschutzbestimmungen erst im Mai einführen.

Immerhin: Die EU-Kommission hatte solch einen Datenaustausch ausdrücklich untersagt. Somit dürfte die neue Datenschutzrichtlinie in der EU auch keine Gültigkeit haben. Zustimmen müssen dennoch alle, die den Messenger weiterhin nutzen wollen.

Wer sich nun überlegt, eine andere Messenger-App zu nutzen, erfährt in unserem Ratgeber welche WhatsApp-Alternativen geeignet sind. Gute Alternativen sind auf jeden Fall der europäische und erwiesenermaßen sichere Threema-Messenger oder der von Elon Musk beworbene Signal-Messenger. Beide gibt es in den jeweiligen AppStores, wobei Signal (Android/iOS) kostenlos ist, während Threema (Android/iOS) mit 3,99 Euro zu Buche schlägt. Wer Hilfe bei der Installation benötigt, wendet sich an seinen PC-SPEZIALIST vor Ort und fragt nach der Software-Installation.

Update vom 02.02.2021: Import von WhatsApp-Chats

Nachdem Telegram es ja in kürzester Zeit geschafft hat, 500 Millionen Nutzer zu gewinnen, schaffen die Entwickler nun einen neuen Anreiz, um der Konkurrenz die Nutzer abzuluchsen. Denn egal, wie man es dreht und wendet – wechseln Sie Ihre Messenger-App bleiben alte Chats beim alten Messenger und sind nicht auf dem neuen verfügbar. Alte Chats sind also verloren.

Das hat Telegram geändert: Ab sofort können Sie Chats aus anderen Messengern in die Telegram-App mitnehmen. Und zwar nicht nur den Chatverlauf, sondern auch Dokumente und Videos. Außerdem ist es auch möglich einen ganzen Gruppenchat zu übertragen, wie Telegram in einem Blogpost mitteilte. Aktuell ist die Chatmitnahme für WhatsApp, Line und KakaoTalk möglich. Folgendermaßen gehen Sie für WhatsApp vor:

Zunächst müssen Sie den Chatverlauf aus Whatsapp exportieren:

  • iOS: Whatsapp-Chat öffnen/Kontaktinfo oder Gruppeninfo öffnen/Chat exportieren/Telegram im Teilen-Menü wählen
  • Android: Whatsapp-Chat öffnen/auf Drei-Punkte-Menü tippen/Chat exportieren/Telegram im Teilen-Menü wählen

Der Import in die Telegram-App erfolgt dann automatisch. Die Entwickler betonen, dass die Nachrichten und Dateien aus den Chats keinen zusätzlichen Speicherplatz im Smartphone belegen müssen. Dafür können Sie den Speicherplatz unter Einstellungen/Daten und Speicher/Speichernutzung freigeben und dennoch weiterhin auf alle Nachrichten zugreifen.

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Weiterführende Links: Chipn-tv, pcwelt, rnd, süddeutsche, Telegram, t3n, Wikipedia

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