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Microsoft-Konto gesperrt
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Maren Keller, Fr, 25. Nov. 2022
in Microsoft

Microsoft-Konto gesperrt

Automatisierte Scans sorgen für Unmut

Mit automatisierten Scans suchen Microsoft, Google und Co. nach strafbaren Inhalten. Das kann dazu führen, dass das Microsoft-Konto gesperrt wird – und zwar auch dann, wenn man keine strafbaren Inhalte hat.

Was es damit auf sich hat und ob Konto und Inhalt für immer verloren sind, erfahren Sie bei uns.

Konto gesperrt – Zugriff verweigert

Wenn von heute auf morgen die digitale Identität verloren ist, kann einen das in Angst und Schrecken versetzen. Denn es bedeutet: Kein Zugriff mehr auf online gespeicherte Fotos, E-Mail, Kontakte und Kalendereinträge. Und wenn es ganz schlecht läuft, sind auch lokal gespeicherte Daten verloren – nämlich dann, wenn Wiederherstellungsschlüssel online gespeichert sind. Und all das kann schneller passieren, als man oftmals denkt, und auch, obwohl man gar nicht weiß, warum.

Grund sind automatisierte Scans, die dafür sorgen, dass strafbarere Inhalte keine Chance auf Weiterverbreitung haben. Finden solche Scans strafbare Inhalte, dürfen Konten sofort gesperrt werden. Denn: Ein Nutzerkonto bei einem Onlinedienst wie Google oder Microsoft ist nach deutschem Recht ein „Dauerschuldverhältnis“. Wird das Konto sofort gesperrt, ist das rechtlich gesehen die Kündigung des Dauerschuldverhältnisses ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist. Und das ist immer dann erlaubt, wenn ein wichtiger Grund vorliegt.

Ein wichtiger Grund ist die Verbreitung strafbarer Inhalte wie Kinderpornografie. Und hierzu reicht der bloße Verdacht bereits aus, um ein Konto ohne Vorwarnung zu sperren.

Gold leuchtendes Vorhängeschloss steht auf Laptop. Bild: ©marchsirawit/stock.adobe.com

Wenn plötzlich und ohne Vorwarnung der Zugang zum Microsoft-Konto versperrt ist, ist guter Rat teuer. Bild: ©marchsirawit/stock.adobe.com

Ohne Vorwarnung: Microsoft-Konto gesperrt

In Foren oder Hilfe-Artikeln im World Wide Web finden sich viele Hinweise darauf, dass Konten bei Microsoft, Apple, Amazon oder Google öfter mal ohne Vorwarnung gesperrt werden. Der Nutzer erfährt den Grund entweder gar nicht oder unverständlich. Und der Support? Fehlanzeige!

Ist das Microsoft-Konto gesperrt, kann das bizarre Auswirkungen haben: E-Mail, Kontakte und Kalender bei Outlook sind nicht erreichbar, ebenso Widerherstellungsschlüssel, die per Microsoft Authenticator generiert werden, lokale Daten sind ebenfalls verloren, wenn die Verschlüsselungsinformationen bei Microsoft hinterlegt wurden. Die Daten auf OneDrive sind natürlich nicht gelöscht, aber unerreichbar – das können Fotos ebenso sein wie Arbeitsunterlagen oder sensible Dokumente. Auch die Xbox-Bibliothek ist nicht aufrufbar und die Office-365-Lizenz ist mit der Kontosperrung nutzlos geworden.

Und warum das Ganze? Weil die Person, der das passiert ist, Fotos über den Microsoft-Account sortiert hat. Kurz danach folgte die Sperrung und ein Hinweis von Microsoft: „Wir haben Aktivitäten festgestellt, die gegen unseren Microsoft-Servicevertrag verstoßen.“

Microsoft-Konto gesperrt – der Grund

Warum das Microsoft-Konto gesperrt wurde, erfuhr das Opfer erst mehr als ein Jahr später. Zu dem Zeitpunkt erreicht das Opfer ein Schreiben von der Kriminalpolizei mit einer Vorladung wegen des Verdachts von „Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften“. Hintergrund: Das Opfer hatte beim Fotosortieren auch Strandbilder seines nackten Neffen umsortiert. Diese Bilder hatte Microsofts künstliche Intelligenz (KI) als Kinderpornografie identifiziert und das Microsoft-Konto gesperrt.

Um Kindesmissbrauch vorzubeugen, scannen viele Plattformen, darunter Google, Microsoft, Meta und Apple, die Inhalte ihrer Nutzer. Algorithmen und maschinelles Lernen sorgen dann dafür, dass entsprechende Bilder gefunden, erkannt und an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden gesendet werden.

Ein anderer Fall beschreibt einen Mann, der Fotos vom Genitalbereich seines Sohnes wegen einer Erkrankung an einen Arzt geschickt hatte. Automatisch bei Google Drive hochgeladen, wurden sie dort als kinderpornografisches Material eingestuft und das Konto gesperrt.

Zwei Finger berühren ein Schloss mit binären Zeichen. Bild: ©vegefox.com/stock.adobe.com

Was tun, wenn das Konto von Jetzt auf Gleich gesperrt wurde? Bild: ©vegefox.com/stock.adobe.com

Konto gesperrt – und nun?

Ist Ihr Microsoft-Konto gesperrt worden (oder auch ein anderes), macht es häufig wenig Sinn, sich durch den Supportdschungel des Betreibers zu quälen. Die Antworten liefern meistens keine wirkliche Unterstützung oder Erklärung, warum das passiert ist.

Statt eindeutige Hilfe zu liefern, empfängt die Support-Website Betroffene mit warmen den Worten, dass bekannt ist, dass „das Sperren Ihres Kontos frustrierend sein kann, und wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeit“. Dann wird auf ein verlinktes Formular verwiesen, dass der Nutzer ausfüllen muss, damit das gesperrte Konto und der Grund für die Sperrung geprüft werden können. Leider bekommen Betroffene auch hier keine erhellenden Antworten, sondern nur die Mitteilung, dass schwerwiegend gegen Microsofts Service Agreement verstoßen wurde. Wie und womit, erfährt der Betroffene nicht. Eine Freigabe des Kontos erfolgt nicht. Und nun?

Eine offizielle Abmahnung kann helfen. Zwar haben Dienste wie Google, Microsoft und Co. das Recht auf ihrer Seite und können Konten sperren, wenn strafbare Inhalte vorliegen, aber reagiert der Dienst nicht auf die Abmahnung, kann der Betroffene eine einstweilige Verfügung beantragen. Diese werden, laut Anwälten, regelmäßig erlassen.

Unschuldig und dennoch ohne Konto

Wer davon betroffen ist, dass sein Microsoft-Konto gesperrt wurde und es keine Aussicht auf Freigabe gibt, hat nur eine Möglichkeit, wieder an sein Konto zu kommen: Sie müssen juristisch gegen die Sperre vorgehen. Bereits nach der anwaltlichen Abmahnung werden Accounts oftmals wieder freigegeben, wenn sie grundlos gesperrt wurden.

Klappt das nicht, kann man sein Konto in Deutschland über ein zivilrechtliches Eilverfahren entsperren. Allerdings: Verfahren gegen Konzerne wie Microsoft gehen oftmals bis zum BGH, sie können also gut und gerne mehrere Jahre dauern. Voraussetzung für den Erfolg vor Gericht ist aber natürlich die Unschuld des Nutzers.

Immerhin: Dank DSGVO (Artikel 20 Absatz 2) hat jeder einen „Anspruch auf Datenportabilität“. Das ist das Recht, seine eigenen Daten zu erhalten und sie für eigene Zwecke bei einem anderen Dienst verwenden zu können. Klappt leider bislang in der Praxis nicht wirklich.

Microsoft-Konto gesperrt: Computerarbeitsplatz. Bild: Pexels/Bich Tran

Damit Sie Ihren Zugriff auf Ihre digitale Identität behalten, haben wir Tipps für Sie! Bild: Pexels/Bich Tran

Microsoft-Konto gesperrt – Tipps

Ist das Microsoft-Konto gesperrt – oder auch irgendein anderes – ist das richtig ärgerlich! Vor allem, weil man es oftmals nicht mal eben zurückbekommt. Immerhin gibt es ein Urteil aus dem Jahr 2016, dass die Entziehung der Nutzungsrechte eine unangemessen Benachteiligung der Kunden darstelle, so die Verbraucherzentrale NRW. Doch wie können Sie den Verlust Ihrer digitalen Identität durch Kontosperrung vermeiden?

Eine einfache Lösung gibt es leider nicht. Aber wir haben Tipps für Sie:

  • Denken Sie an eine Backup-Strategie und sorgen Sie dafür, dass Sie auch ein lokales Backup Ihrer Cloud haben.
  • Nutzen Sie einen unabhängigen Passwort-Manager, um nicht von Diensten wie Microsoft Authenticator abhängig zu sein.
  • Richten Sie eine E-Mail-Weiterleitung ein, damit Sie auch bei gesperrtem E-Mailkonto an Ihre E-Mails kommen.
  • Verwenden Sie einen Virenscanner, der unabhängig von Windows ist.
  • Bei der Anmeldung zu einem Microsoft-Konto ist die automatische Upload-Funktion voreingestellt. Deaktivieren Sie sie und richten Sie stattdessen eine Backup-Routine ein.

Bei all diesen Aufgaben hilft Ihnen gern Ihr PC-SPEZIALIST in Ihrer Nähe weiter und unterstützt Sie bei der Auswahl und Installation der Software. Ob Firmenkunde oder privater Endnutzen – nehmen Sie gern unverbindlich Kontakt zu uns auf.

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Andere Stimmen zum Thema: heise, Verbraucherzentrale NRW

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