Datenspionage mit Web of Trust
Author
Maren Keller, Mi, 2. Nov. 2016
in PC & Notebook

Datenspionage mit Web of Trust

Browser-Erweiterung greift Daten ab

Die Browser-Erweiterung Web of Trust (WOT) soll seine Nutzer schützen – vor unseriösen Webseiten und Schadprogrammen. Doch stattdessen werden sensible Daten verkauft. Das fand jetzt das NDR-Magazin Panorama heraus.

Wir erklären euch, was WOT ist, wie es funktioniert und was ihr tun solltet, wenn ihr die Browser-Erweiterung aktuell nutzt.

Web of Trust

Web of Trust (WOT) kennzeichnet sichere Webseiten mit einem grünen Punkt.

Web of Trust bewertet Webseiten auf ihre Sicherheit

Die Idee hinter WOT: Manche Webseiten sehen vertrauenswürdig aus, sind es aber nicht. Ihr Ziel ist es, Schadsoftware auf dem Rechner zu installieren. Hilfe bietet da Web of Trust, eine kleine Erweiterung für alle gängigen Browser.

WOT bewertet Webseiten auf ihre Sicherheit mit einem Ampelsystem. Rot steht für „geht gar nicht“, zeigt das Add-on sein grünes Licht, könnt ihr sicher surfen. Laut finnischem Hersteller wurde das Add-on 140 Millionen Mal heruntergeladen und installiert.

So weit so gut. Aber im Hintergrund protokolliert die Erweiterung laut Panorama auch die Daten zum Surfverhalten des Nutzers. Diese sensiblen Daten werden an einen Server im Ausland übermittelt. Dort werde dann ein Profil erstellt, bei dem Datum, Uhrzeit, Ort, besuchte Web-Adressen und die Nutzer-Kennung abgespeichert würden. Die Daten werden dann über Zwischenhändler verkauft, der Käufer kann sie für seine Zwecke nutzen.

WOT: Intime Geheimnisse rekonstruiert

Web of Trust

Der Screenshot zeigt: Web of Trust wirbt damit, vor Schadsoftware und gefährlichen Links zu warnen.

Panorama-Mitarbeiter rekonstruierten die Daten, die sie selbst über Zwischenhändler erworben haben. Danach konnten sie Bankgeschäfte, Reiseplanungen oder Einkaufsverhalten einzelnen Personen zuordnen. Neben diesen harmlosen Informationen über die Nutzer können aber auch intime Geheimnisse aus dem Berufs- und Privatleben gelesen werden.

Ob Informationen zu laufenden Polizei-Ermittlungen, Sadomaso-Vorlieben eines Richters, interne Umsatzzahlen eines Medien-Unternehmens oder Web-Recherchen zu Krankheiten, Prostituierten und Drogen. All das konnten die Panorama-Mitarbeiter realen Personen zuordnen. Kriminelle könnten mit Hilfe dieser Unterlagen Identitäten kapern oder Personen mit den Details zu ihrem Surf-Verhalten erpressen.

Web of Trust gibt Datenspeicherung zu

Web of Trust sagt zwar auf seiner Webeite offen, dass es Daten wie Web-Adressen speichert und weitergibt. Dies geschehe laut WOT aber anonym. Dass dem nicht so ist, hat Panorama nun bewiesen. Aber es sind nicht nur Nutzer von WOT betroffen. Experten gehen davon aus, dass sich Datensammler bei Hunderten von Browser Add-ons bedienen. Problem dabei ist, dass der Nutzer denkt, er sei anonym im Netz unterwegs. Er ist es aber nicht.

Wie ihr sicher und anonym im Internet unterwegs seid, haben wir im Blog-Beitrag „Anonym surfen“ beschrieben. Von Browser-Erweiterungen wie WOT solltet ihr aber besser erst einmal die Finger lassen bzw. selbige direkt in euren Browser-Einstellungen löschen. Habt ihr Fragen zur Datensicherheit im Netz? Dann kommt schnell zu eurem PC-SPEZIALIST vor Ort. Unsere Techniker geben euch gern wertvolle Tipps.

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