Nachhaltig: reparieren statt wegwerfen
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Janina, Fr, 17. Mai. 2019
in Aktuelles

Nachhaltig: reparieren statt wegwerfen

Umweltschützer fordern Recht auf Reparatur

Der Laptop ist in die Jahre gekommen und muckt herum? Schnell ist da ein neuer Laptop gekauft und das Altgerät weggeschmissen. Nachhaltig ist das nicht. Vielleicht hätte man es reparieren können. Jetzt scheint ein Umdenken einzusetzen – der Umwelt zuliebe.

Viele Elektrogeräte könnten weiter genutzt werden. Wir berichten, wie dieser Gedanke in den Köpfen ankommt.

Nachhaltig leben? Elektrogeräte reparieren!

Funktioniert ein Gerät nicht mehr so, wie es soll, wird es schnell aussortiert und durch ein neues ersetzt. Für 2013 nannte das Bundesumweltamt diese Zahlen: 1,6 Millionen Tonnen Elektrogeräte wurden in Deutschland gekauft, aber nur 727.000 Tonnen Elektroaltgeräte zurückgenommen – das entspricht einer Rücknahmequote von 45 Prozent. Aber was passiert mit dem Rest? Sie verstauben in Schubladen und Kellern oder landen im Müll. Dabei könnten viele Geräte repariert und weiter verwendet werden.

Aber worin liegt also eigentlich die Ursache dafür, dass diese Wegschmeiß-Mentalität so stark verbreitet ist? Das Umweltbundesamt hat dazu in einer im Januar 2019 veröffentlichten Studie unter dem Titel „Handwerk und Reparatur – ökonomische Bedeutung und Kooperationsmöglichkeiten mit Reparaturinitiativen“ verschiedene Gründe ausgemacht. Manche von ihnen basieren allerdings auf Vorurteile und Bequemlichkeit.

Vorurteile und Unwissen rufen Wegschmeiß-Mentalität hervor

  • Das Know-how fehlt. 
    Konnte man den alten Röhrenfernseher noch selbst aufschrauben und daran herumbasteln, bis er wieder funktionierte, sind moderne Geräte sehr komplex und übersteigen das Know-how des Otto-Normal-Verbrauchers. Da kommt oft die Frage auf: Kann man das überhaupt noch retten?
  • Reparaturen sind umständlich.
    Auf den ersten Blick scheint eine Reparatur kompliziert zu sein. Ihr müsst einen Experten auf dem Gebiet eures kaputten Geräts suchen, es zu ihm bringen und wisst nicht, ob und wann ihr das Gerät heile zurückbekommt. Da ist es doch bestimmt einfacher, schnell ein neues Gerät zu besorgen.
  • Reparaturen sind oftmals teuer.
    Dass der Laptop wieder funktioniert, ist ja schön und gut. Trotzdem ist er technisch vielleicht nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Lohnt es sich da überhaupt, Geld für die Reparatur des Altgeräts in die Hand zu nehmen, anstatt sich ein neues Gerät anzuschaffen? Und wie ist das dann mit der Garantie? Informiert euch bei PC-SPEZIALIST, ob eine Reparatur lohnt, denn meistens sind sie günstiger als man denkt.
  • Neue Geräte sind spannender.
    Klar, ein neues Gerät zu suchen, zu kaufen und auszuprobieren macht Spaß. Aber das Alte war euch doch über längere Zeit ein treuer Begleiter. Lohnt da nicht ein zweiter Blick?
Zu sehen ist ein Container, in dem sich alte Elektrogeräte stapeln. Nachhaltig ist es nicht, Geräte wegzuschmeißen, die noch repariert werden könnten. Bild: www.pixabay.com/dokumol

Nicht immer sind Elektrogeräte wirklich kaputt, wenn sie auf dem Elektroschrott landen. Viele könnten repariert und weitergenutzt werden – das wäre nachhaltig. Bild: www.pixabay.com/dokumol

Umweltschützer fordern Recht auf Reparatur

Was man dabei nicht bedenkt: Für die Herstellung eines Elektrogeräts braucht es Zeit, Energie und Rohstoffe. Deshalb stellt das Umweltbundesamt auch fest: Ein Grund für den starken Rohstoffverbrauch in Industrieländern liegt in der Produktion und im Konsum von Verbrauchsgütern. Der Naturschutzbund (NABU) nennt als erhebliche negative Umweltauswirkungen die Ressourcenausbeutung in ökologisch sensiblen Regionen, den hohen Energieverbrauch sowie die Verseuchung von Böden durch die massenhaft stattfindende illegale Entsorgung.

Für die Nachhaltigkeit sind solch negativen Effekte für die Umwelt natürlich schlecht. Genau hier setzen Reparatur-Initiativen an. Ziel ist es, dass die Nutzungsdauer von bestehenden Konsumgütern verlängert wird – und zwar durch Reparaturen. Die Rechnung klingt erstmal kompliziert, ist aber eigentlich recht einfach: Verlängert sich die Nutzungsdauer, verteilen sich die Herstellungskosten und verbrauchten Ressourcen auch auf einen längeren Zeitraum.

Im Fachchinesisch, sprich der Veröffentlichung des Umweltbundesamts, heißt es dann so: „Der Förderung der Laufzeit von Konsumgütern wird durch Reparatur das Potenzial zur dauerhaften Steigerung der Ressourceneffizienz und Emissionsreduktion zugeschrieben.“

Ressourcen nachhaltig einsetzen

Die deutsche Bundesregierung hat sich zu einer nachhaltigen (Klima-)Politik verpflichtet. Das hat bereits 2002 mit der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie angefangen. Mit dem sogenannten Abkommen von Paris und den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen in der Agenda 2030 ist dieses Vorhaben später noch einmal untermauert worden.

Als ein wichtiger Ansatzpunkt in Sachen Ressourcenschonung gilt dabei die Verlängerung der Lebensdauer elektronischer Produkte. Hier werden Hersteller und Verbraucher gleichermaßen in die Pflicht genommen: Während der Hersteller Produkte auf den Markt bringen soll, deren eine lange Lebenszeit prognostiziert wird und die sich technisch einfach reparieren lassen, soll der Verbraucher seine Geräte erst einmal zur Reparatur bringen, anstatt sie beim ersten Anzeichen von Funktionseinschränkungen direkt durch ein neues Gerät zu ersetzen.

Allerdings ist das gar nicht so einfach umzusetzen. Schließlich lauern an beiden Fronten, also sowohl bei den Herstellern als auch bei den Verbrauchern, Probleme.

Rechtliche Rahmenbedingungen müssen her

In Wirtschaft und Industrie ist die sogenannte Obsoleszenz gang und gäbe. Sie besagt, dass Hersteller bewusst ein Veralten ihrer Produkte herbeiführen, um dadurch nach einer recht kurzen Lebensdauer neue Geräte an den Verbraucher zu bringen. Das Problem auf der anderen Seite ist dieses: Wir haben das Reparieren verlernt.

Während Hobbybastler früher selbst zur Tat schritten und einen Röhrenfernseher kurzerhand auseinander nahmen und selbst reparierten, traut sich dies heute kaum jemand zu – zu Recht, denn elektronische Geräte sind heute natürlich sehr viel komplexer. Aber warum nicht zu einem Fachmann wie PC-SPEZIALIST gehen? Hier spielt oft die Unwissenheit über anfallende Kosten eine große Rolle. Statt Geld in ein altes Gerät zu stecken, wird lieber in ein neues investiert.

Der Naturschutzbund (NABU) hat über eine Lösung des Problems nachgedacht. Er sieht in der Vorbereitung zur Wiederverwendung (VzWv) einen wichtigen Ansatzpunkt für den Ressourcenschutz und setzt sich dafür ein, dass ein verbraucherfreundliches Rückgabesystem geschaffen wird. Rechtliche Rahmenbedingungen müssen her.

  • Der Handel soll Rücknahmestellen einrichten, um die Sammelmengen von Elektroaltgeräten zu erhöhen.
  • Hersteller müssen neue Geräte so produzieren, dass eine Reparatur oder spätere Wiederverwertung einfach umsetzbar sind.
  • Es gilt, Mindestanforderungen an Lebensdauer, Standardisierung und Normung von Elektro(nik)geräten zu entwickeln.
  • Datenlöschungen müssen vom Hersteller so einfach wie möglich geplant sein, damit sie schnell erledigt sind und Datenschutzrichtlinien eingehalten werden.
Zu sehen ist ein in seine Einzelteile zerlegtes Handy. Wenn es repariert wird, gilt das als nachhaltig. Bild: www.pixabay.com/Bru-nO

Reparieren statt wegfahren – so soll die Devise auch bei Handy lauten. Bild: www.pixabay.com/Bru-nO

Umweltbewusstsein greift um sich

Allerdings lässt sich eine positive Entwicklung beobachten: Nachhaltig zu leben liegt im Trend. Das legt zum Beispiel die Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland 2014: Vertiefungsstudie zu Trends und Tendenzen im Umweltbewusstsein“ nahe.

Ein Beispiel dafür sind Reparatur-Initiativen wie Repair Café. Die Idee dazu hatte die Niederländerin Martine Postma. Auch in Deutschland gibt es schon Ableger. Bei den ehrenamtlichen Treffen bringen die Besucher defekte Gegenstände mit und reparieren sie alleine oder gemeinsam mit anderen. Werkzeug und Material für alle möglichen Reparaturen gibt es vor Ort. Kleidung, Möbel und Fahrräder, aber auch eben elektrische Geräte wie Radios und Bügeleisen wird hier neues Leben eingehaucht. Die Repair Cafés sollen die Idee vermitteln: Reparieren macht Spaß und ist oft viel einfacher als gedacht.

Und wie könnt ihr selbst nachhaltig handeln?

Dazu können wir euch einen ganz einfachen Tipp geben: Anstatt beim ersten Anzeichen einer Funktionsstörung bei Unterhaltungselektronik, werft es nicht gleich in die Tonne – sucht besser euren PC-SPEZIALIST vor Ort auf und lasst ihn die Lage bewerten. Vielleicht hat er das Gerät ja sogar im Handumdrehen wieder flottgemacht!

Und wer immer noch meint, dass er lieber ein Neugerät kauft, sollte seinen Elektroschrott wenigstens sinnvoll entsorgen oder spenden, wie wir in unserem Blogbeitrag mit der Fragestellung Wohin mit Elektroschrott? beschrieben haben. Ihr könnte euer Gerät auch verkaufen. Bitte denkt hier aber daran, den Käufer über die Probleme mit dem Gerät zu informieren. Am besten bietet ihr es für Bastler an.

Achtet ihr darauf, nachhaltig zu leben? Wie haltet ihr es mit muckenden Geräten? Gebt ihr sie in die Reparatur oder kommen sie direkt in den Müll? Was denkt ihr über die Einführung gesetzlicher Rahmenbedingungen? Wir freuen uns über eure Kommentare zum Thema.

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