Online-Tutorials
Author
Robin Laufenburg, Fr, 14. Mai. 2021
in Web

Online-Tutorials

Warum Erklärvideos Selbstüberschätzung fördern

Weiterbildung ist genauso wichtig, wie die eigene Grundbildung aufzufrischen. Online-Tutorials sind eine effiziente Möglichkeit, Neues zu erlernen, Kompetenzen zu entwickeln und seine Horizonte zu erweitern. Gefährlich wird es, wenn das Ansehen von Videos zur Selbstüberschätzung führt.

Wieso das gar nicht so selten passiert, was der Dunning-Kruger-Effekt ist und damit zu tun hat, erfahren Sie hier.

Die Gefahr hinter Online-Tutorials

Vor allem seit Beginn der Coronapandemie erfreuten sich Online-Tutorials, Online-Crashkurse und Erklärvideos zu fast allen Themen an immer größerer Beliebtheit. Personen sitzen vermehrt gelangweilt zu Hause und wissen nichts mit ihrer Zeit anzufangen. Sich in wenigen Minuten die Welt erklären zu lassen, scheint da eine durchaus sinnvolle Beschäftigung zu sein. Innovationen wie beispielsweise die Blinkist-App, in der die Kernaussagen von Sachbüchern in 15 Minuten gebündelt werden, bestärken diese Tendenz. Lernen ist angenehmer, einfacher und geht vor allem schneller als jemals zuvor. Das ist ja eigentlich etwas durchaus Positives.

Was Viele dabei jedoch nicht bedenken: Mit Zusammenfassungen kratzen sie ein Thema nur grob an. Auch wenn man den Erklärungen folgen kann und Zusammenhänge versteht, die zuvor im Verborgenen lagen, heißt das noch nicht, dass man ein Thema auch wirklich durchleuchtet hat. Genau das suggeriert der Kopf einem aber. Doch der Schein trügt!

Erklärvideos

Erklärvideos und Lernvideos bieten eine gute Hilfe zur Wissensvermittlung, vermitteln Themen jedoch meistens vereinfacht. Bild: Pexels/ZenChung

Dunning-Kruger-Effekt

In der Wissenschaft wird die Form von kognitiver Verzerrung, bei der sich Personen mit relativ geringem Wissen selbstüberschätzen, als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet. Der Begriff geht auf Publikationen der Sozialpsychologen David Dunning und Justin Kruger zurück. Sie wurden im Jahr 1999 veröffentlicht und beschreiben eine messbare Neigung zur Selbstüberschätzung bei „inkompetenten“ Personen.

Das Selbstvertrauen ist bei Personen nachweislich dann am höchsten, wenn das erste erlernte Wissen und die ersten selbstgemachten Erfahrungen zu einem Thema generiert werden. Dunning und Kruger nennen diesen Höhepunkt des generierten Selbstvertrauens nach ersten eigenen Erfahrungen „Peak of Mount Stupid“ (Englisch für „Gipfel des Berges Dumm“). Bei zunehmender Wissensgenerierung und Erfahrungssammlung sinkt das Selbstbewusstsein wieder rasant. Genau das ist aber nach wissenschaftlichen Annahmen der Grund für die mentale Hemmschwelle, die oft verhindert, dass Personen tiefer in die Materie einzutauchen. Sie glauben ja immerhin, sich bereits auszukennen. Viel lieber verweisen sie  immer wieder auf das bereits Erlebte und Erlernte. Verbunden mit der Selbstüberschätzung belegen Dunning und Kruger auch eine Unterschätzung von Experten und Expertinnen, die bei Personen, die sich mit einem bestimmten Thema anfangen zu beschäftigen festzustellen ist.

Dunning-Kruger-Effekt im Alltag

Wir können den Dunning-Kruger-Effekt täglich beobachten. Man sieht, überspitzt formuliert, überall Experten für alles: Egal, ob es um Fußball, Politik, Straßenverkehr oder das Gesundheitswesen geht. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn eine größere Gruppe, die auf gleichem Wissensstand ist, von ihrer eigenen Expertise dermaßen überzeugt ist, dass sie Fachleute ignoriert.

Das wohl bekannteste und am häufigsten herangezogene Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt ist der Klimawandel. Obwohl sich 97 Prozent aller Klimaforscher weltweit einig sind, dass es nicht nur den Klimawandel gibt, sondern er vom Menschen verursacht wird, gaben bei einer Umfrage aus dem Jahr 2017 mehr als 25 Prozent der befragten Trump-Wähler an, dass sie davon überzeugt seien, dass es keinen vom Menschen verursachten Klimawandel gebe.

Dunning-Kruger-Effect

Der Dunning-Kruger-Effect gibt das tendenzielle Selbstbewusstsein bei Wissen und Erfahrung an. Bild: Wikipedia/Sciencia58

Online-Tutorial ersetzt keine Übung

Eine Studie der Booth School of Business der University of Chicago aus dem Jahr 2018 legt nahe, dass dieses Phänomen besonders stark mit Online-Tutorials und -Crashkursen korrespondiert. Besonders dann, wenn man sich nur oberflächlich mit einem Thema auseinandersetzt, glaubt man tendenziell, es verstanden zu haben.

Erklärvideos und Tutorials auf Facebook, Instagram, YouTube & Co. reißen oft aber nur Themen an und verpacken sie spannend, ohne allzu ausführlich auf die trockene Theorie und Technik einzugehen. Mit ihr will sich immerhin keiner auseinandersetzen – oder zumindest die breite Masse nicht. Ein Video würde dann auch schnell nicht nur eine Viertelstunde lang sein. Vor allem, und das ist der Kern der Studie, glaubt man tendenziell, etwas tendenziell besser zu können, wenn man sich Videos dazu häufiger angesehen hat. Das ist aber nachweislich nicht der Fall. Sieht man etwas an oder bei etwas zu, ist es keinesfalls Ersatz für die eigene Übung.

Knapp tausend Teilnehmende sollten bei einem Online-Experiment einen „Tischdeckentrick“ nachstellen. Eine Gruppe sah sich dafür zwanzig mal ein fünfsekündiges Video vom Vorgang an. Eine andere Gruppe bekam eine schriftliche Anleitung, in der der Trick Schritt-für-Schritt erklärt wurde. Die Gruppe, die das Video angesehen hatte, war am überzeugtesten, den Trick nachstellen zu können. Die Gruppe, die die Anleitung gelesen hatte, war es am wenigsten. Die Personen, die sich das Video angesehen hatten, konnten den Trick dabei aber keineswegs besser als die anderen umsetzen. Ein weiteres Experiment zeigte, dass Versuchsteilnehmende dann deutlich sicherer sind, hohe Punktzahlen beim Dart-Werfen zu erzielen, wenn sie sich vermehrt Videos von Dart-Profisportlern ansehen. Sie schnitten aber nicht besser ab als die anderen Teilnehmenden.

Crashkurse und Online-Tutorials: Segen und Fluch zugleich?

Der Dunning-Kruger-Effekt ist tendenziell bei allen Lernprozessen festzustellen. Sie sollten deswegen jetzt aber nicht aufhören, sich weiterzubilden oder Wissen aufzufrischen! Es ist durchaus sinnvoll, wenn Sie sich auch interessante Erklärvideos und Online-Tutorials ansehen. Dennoch sollte Ihnen immer bewusst sein, dass Sie sich nur einen kleinen Einblick in einem größeren Themenkomplex verschaffen. Mit kostenlosen Tutorials auf YouTube & Co. eignet man sich bestimmtes Wissen und Kompetenzen an. Damit man in einem Thema aber wirklich Experte oder Expertin wird, muss man normalerweise ein mehrjähriges Studium absolvieren oder sich zumindest über einen längeren Zeitraum mit einem Thema intensiv und vor allem tiefergehend beschäftigen.

Wenn man sich Erklärvideos ansieht, sollte man nach Möglichkeit das Erklärte begleitend zum Video direkt auch selbst umsetzen. Auf diese Weise macht man direkt eigene Erfahrungen. Natürlich gilt es dabei immer, auf die eigene Sicherheit sowie auf die Sicherheit der Umgebung zu achten. Auch ist immer auf die Quellenlage zu achten, wenn Sie sich Wissen aneignen. Woher haben Erklärvideos ihr Wissen und sind die entsprechend angegebenen Quellen auch seriös? Wenn Sie noch Hinweise oder Tipps haben, was man bei Online-Tutorials beachten sollte, dann teilen Sie uns diese gern in den Kommentaren mit. Vertrauen Sie, was Ihre IT-Sicherheit angeht, nur auf die Expertise von PC-SPEZIALIST! Ihr kompetenter Ansprechpartner bietet professionelle IT-Services für Firmenkunden und für Privatkunden.

_______________________________________________

Weiterführende Links: National Geographic, Haufe.de, GEO, Human Resources Manager, Computerwelt, Psychologial Science, Pressetext, Psychology Today, NASA

0 Kommentare

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.