Social Bots (Meinungsbots)
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Robin Laufenburg, Mo, 13. Jun. 2022
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Social Bots (Meinungsbots)

Wenn sich Bots als Menschen tarnen und Fake News verbreiten

Social Bots bzw. Meinungsbots machen, wie der Name schon verrät, Meinung. Dabei tarnen sie sich als echte Menschen und bauen sogar ganze Profile auf, von denen aus sie agieren. Was vielleicht harmlos klingt, ist es leider überhaupt nicht.

Warum Social Bots echte Gefahren sind und sogar ganze Demokratien gefährden können, erfahren Sie hier.

Was sind Social Bots (Meinungsbots)?

Bots sind Computerprogramme, die nach ihrer Aktivierung ohne weiteres menschliches Zutun automatisch im Internet agieren und dabei bestimmten nützlichen oder schädlichen Aufgaben nachkommen. Eine vernetzte Gruppe von Bots bezeichnet man als Botnetze. Solche Gruppen werden von sogenannten Bot-Mastern kontrolliert. Bots stehen immer hinter bestimmten Institutionen oder Personen und können in deren Sinn gutartig, aber auch bösartig agieren.

Social Bots (auch als Meinungsbots bezeichnet) sind stets bösartige Anwendungen, die sich in sozialen Netzwerken tummeln und dort als Menschen ausgeben. Sie simulieren in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram mit authentisch wirkenden Identitäten menschliche Nutzer. Das unterscheidet sie beispielsweise von gutartigen Chat-Bots, die unter anderem für Supportzwecke oder zur Beantwortung von FAQ eingesetzt werden.

Social Bots bzw. Meinungsbots

Social Bots bzw. Meinungsbots versuchen, die gesellschaftliche Stimmung über das Internet zu beeinflussen. Bild: Unsplash/@johnschno

Bots in sozialen Netzwerken

Mit ihren fingierten Identitäten erstellen Social Bots Fake-Profile, die keinen Hinweis darauf geben, dass es sich bei ihnen um Maschinen handelt. In der Regel geben sich Social Bots mithilfe von Algorithmen authentische Namen und nutzen echt wirkende Fotos, die sie heute immer häufiger mithilfe von Deepfaking erstellen. Neuere Social Bots verorten ihre Interessen in bestimmten Themenfeldern und liken entsprechende Seiten.

Bots fügen sich auch gegenseitig sowie echte Personen aus der Region hinzu, um mit ihren Profilen möglichst echt zu wirken. Und das gelingt ihnen heute erschreckend gut: Social-Bot-Profile wirken, im Gegensatz zu einfacheren Sex-Spam-Bots, oft so täuschend echt, dass es Nutzern kaum mehr möglich ist, sie von echten Menschen zu unterscheiden.

Dabei sammeln Social Bots, wie bereits im Jahr 2011 durchgeführte Studien offenlegen, nachweislich Daten. Diese werten Sie mittels Deep Learning aus und passen ihr Verhalten an das von echten Personen an.

Das machen Meinungsbots

Das hauptsächliche Ziel von Social Bots bzw. Meinungsbots lässt sich schon im Namen ablesen: Cyberkriminelle setzen die bösartigen Bots dafür ein, um „Meinung zu machen“. Zu den zentralen Techniken von Social Bots gehören unter anderem das

  • Erhöhen von Klickzahlen von bestimmten Seiten, um sie als relevanter darzustellen und echten Benutzern im Newsfeed anzuzeigen,
  • Reagieren auf Seiten oder Beiträge durch beispielsweise Likes, um ein nicht realitätsnahes Stimmungsbild darzustellen,
  • Kommentieren von Beiträgen, um in öffentliche Diskussionen einzugreifen und damit den Diskurs zu beeinflussen,
  • Schreiben von fingierten Bewertungen, um eine Person oder Institution in besserem oder schlechterem Licht darzustellen,
  • Verwenden von Hashtags in bestimmten Kontexten, um Trendverläufe positiv oder negativ zu beeinflussen,
  • Teilnehmen an Umfragen und Abstimmungen, um diese zugunsten bestimmter Interessen zu manipulieren.

Das übergeordnete Ziel der Social Bots ist, das Stimmungs- und Meinungsbild von echten Menschen im Sinne von kollektivem Social Engineering bewusst zu manipulieren. Im Vordergrund steht dabei die Erstellung und Verbreitung von Fake-News.

Meinungsbots manipulieren Meinungen

Meinungsbots manipulieren, wie der Name schon sagt, bewusst Meinungen. Damit können sie politische Diskurse maßgeblich beeinflussen. Bild: Unsplash/@waldemarbrandt67w

Social Bots und Cyberkonflikte

Heute ist sicher, dass Social Bots nicht nur im Netz unterwegs sind, um durch provokante Meinungen Unfrieden zu stiften. Kriminelle setzen sie zudem als Cyber-Angriffsmethode ein, mit denen sie Cyberkonflikte für sich entscheiden möchten. Einige Beispiele für den Einsatz von Social Bots zur Manipulation des politischen Stimmungsbildes sind:

  • der russischen Angriffskrieg auf die Ukraine am 24. Februar 2022. Laut Experten werden von russischer Seite Spam-Bots eingesetzt, die im Sinne eines Cyberkonflikts, der potenziell zum Cyberkrieg werden kann, Putin-Propaganda schüren und Meinung gegen das westliche Demokratie-System machen. Die gezielte Beeinflussung der Weltbevölkerung durch das Internet ist dabei Teil von Russlands Kriegsführung, die nicht nur gegen die Ukraine gerichtet ist, sondern auch in anderen westlichen Ländern Unmut, Verwirrung und Zwietracht auslösen soll.
  • das Brexit-Votum im Juni 2016. Die Mehrheit der Briten entschied sich beim Votum für einen Austritt aus der EU. Zuvor fanden in den sozialen Medien diverse Diskussionen zur bevorstehenden Abstimmung statt, in denen ganz klar die Meinung Pro-Brexit überwog. The Independent hat heute nachgewiesen: An den Diskussionen waren Meinungsbots maßgeblich beteiligt.
  • die US-Präsidentschaftswahlen im November 2016: Donald Trump wurde im November 2016 zum 58. Präsidenten der USA gewählt. Heute wurde nachgewiesen, dass Social Bots eine maßgebliche Rolle bei der Wahl spielten. Laut dem BR kam beim berühmten ersten Fernsehduell jeder dritte Pro-Trump-Tweet von einem Meinungsbot. Die Bots brachten dabei vor allem unglaubliche Fake-News in Umlauf. Die unhaltbare Behauptung, der Papst höchstpersönlich habe empfohlen, Trump zu wählen, wurde immerhin fast eine Million Mal geteilt, nachweislich von vielen Social Bots. Doch die Bots ergriffen nicht nur Trumps Seite: Auch für Hillary Clinton setzten sich duzende Bots ein.

Social Bots wurden auch bei Wahlkämpfen in Deutschland nachgewiesen, beeinflussten die Stimmung aber wohl nur marginal. Sie sollten aber durchaus ernst genommen werden. Immerhin können sie als zentrales Instrument zur kollektiven Manipulation ganze Demokratien gefährden.

Wie kann man Social Bots erkennen?

Social Bots zu identifizieren, wird mit ihrer stets zunehmenden Weiterentwicklung immer schwieriger. Herkömmlich können mithilfe von verschiedenen Fragen, die Sie sich stellen können, Bots erkannt werden. Zu diesen Fragen gehören:

  • Ist der verdächtige Account verifiziert? Bei einer Verifizierung, bei Twitter beispielsweise durch ein blaues Häkchen dargestellt, steckt höchstwahrscheinlich ein echter Mensch dahinter.
  • Wie aktiv ist der Account? Social Bots antworten klassischerweise in kürzester Zeit auf Nachrichten und veröffentlichen verhältnismäßig viele Nachrichten in kurzer Zeit.
  • Wie reagiert der Account auf Kontextfragen? Vor allem komplexere Fragen können Bots nicht verstehen. Ihre Nachrichten wirken dadurch oft allgemein und ihre Antworten nicht selten unpassend.
  • Mit welchen Themen beschäftigt sich der Account? Gerade dann, wenn der komplette Account sich nur um ein einziges Thema kreist, ist wahrscheinlich, dass hinter ihm ein Bot steckt.
  • Wie glaubhaft ist, dass ein Mensch diesen Account so gestalten würde?

Aber die Fragen dienen heute lediglich als Hilfestellung zur Identifikation von Bots. Merkmale, mit denen gestern noch Bots erkannt werden konnten, sind morgen schon nicht mehr gültig.

Das ist beängstigend, weil Meinungen im Internet heute nicht mehr bloß in Bezug auf menschliche Selbstüberschätzung im Sinne des Dunning-Kruger-Effekts, sondern auch in Bezug auf die maschinell gesteuerte Meinungsmache durch Bots äußerst kritisch hinterfragt werden müssen. Sie sollten deswegen bei allen Posts und Kommentaren die Quellen gründlich checken und recherchieren, wer hinter den besagten Quellen steckt.

Meinungsbots

Vor Meinungsbots können Sie sich nur schützen, indem Sie Ihre Medienkompetenz weiterentwickeln. Bild: Pexels/@count-chris-44396569

Schutz vor bösartigen Bots

Social Bots zielen darauf ab, Ihre Meinung zu beeinflussen, daher ist die wichtigste Schutzmaßnahme eine gesunde Medienkompetenz. Da klassische Meinungsbots im Gegensatz zu anderen Bot-Arten wie zum Beispiel Spam-Bots keine Malware verteilen und nicht Ihre digitalen Systeme angreifen, können Sie sich durch einen hochwertigen Antivirenschutz nicht vor ihnen schützen.

Das heißt aber nicht, dass Sie nicht geschützt durchs Internet navigieren sollten. Immerhin wimmelt es in den Weiten des WWW auch von den deutlich angriffslustigeren Geschwistern der Meinungsbots. Bösartige Chat-Bots und Spam-Bots lassen sich zum Beispiel in sozialen Medien wie Facebook oder Instagram, aber auch in Chat-Messengern wie WhatsApp finden.

Benötigen Sie Unterstützung beim umfassenden Schutz vor bösartigen Bots aller Art, vor Malware und möglichen Angriffsversuchen? Dann ist  PC-SPEZIALIST in Ihrer Nähe der geeignete Ansprechpartner für Sie. Leiten Sie ein Unternehmen oder sind Freelancer und haben eine eigene Internetseite? Auch für kleine Betriebe oder Selbstständige hat PC-SPEZIALIST die passenden Lösungen parat. Wir helfen Ihnen gern, dass Ihre Internetseite vor Meinungsbots, Spam-Bots & Co. verschont bleibt.

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Verwendete Quellen: Netzpolitik, Gabler Wirtschaftslexikon, IONOS, IT-SERVICE.NETWORK, BSI Bund, Safterinternet.at

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