Medizinische Fake-News bei Facebook
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Janina Kröger, Mo, 24. Aug. 2020
in Aktuelles

Medizinische Fake-News bei Facebook

Studie prangert Verbreitung von Falschinformationen an

Facebook wird seiner Verantwortung nicht gerecht. Zu diesem Urteil kommt eine neue Studie, die die Verbreitung von medizinischen Fake-News in den Blick genommen hat. Dabei sind Falschinformationen zu Gesundheitsthemen nicht nur in Zeiten der Pandemie ein großes Problem.

Wir erklären, warum Facebook laut der Studie die öffentliche Gesundheit gefährdet.

Facebook: medizinische Fake-News kursieren

Es ist nur natürlich: In Zeiten einer Pandemie sind medizinische Themen auf der Tagesordnung. Auf so vielen Kanälen wie möglich wurden besonders zu Beginn der Corona-Krise Informationen eingeholt – sei es Fernsehen, im Radio oder im Internet. Die Unsicherheiten waren und sind groß. Wie schlimm ist Covid-19 wirklich? Welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll? Wie entwickelt sich die Pandemie?

Und als wenn die Unsicherheit angesichts eines neuen Virus nicht schon groß genug gewesen wäre, mischten sich auch noch jede Menge Fake-News unter die seriösen Nachrichten. In unserem Blog haben wir nicht nur über viele Corona-Themen berichtet, sondern auch seriöse Nachrichtenquellen rund um Coronavirus-Nachrichten für Sie zusammengestellt.

Die sozialen Netzwerke haben bei der Verbreitung solcher Falschnachrichten keine unwesentliche Rolle gespielt. Eine neue Studie hat genau das jetzt in den Blick genommen und festgestellt: Besonders der Facebook-Algorithmus stellt eine große Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar!

Zu sehen sind vier Facebook-Posts mit medizinischen Fake-News zu Covid-19. Bild: AVAAZ/Montage PC-SPEZIALIST

Ob Deutschland oder USA: Medizinische Fake-News zu Covid-19 haben sich massenhaft verbreitet. Bild: AVAAZ/Montage PC-SPEZIALIST

Medizinische Fake News & öffentliche Gesundheit

Die Studie stammt von Avaaz, einem Kampagnen-Netzwerk, das mit Bürgerstimmen politische Entscheidungen beeinflussen will. Mit der Studie hat sich Avaaz medizinische Fake-News vor und während der Corona-Krise vorgeknöpft. Es geht um Falschnachrichten rund um das Coronavirus, aber auch zu Impfungen, Krebs und Co.

Damit stehen medizinische Themen im Fokus, die immer wieder Gegner auf den Plan rufen und bei denen es häufig um Leben oder Tod geht. Und gerade bei solchen Themen ist es moralisch mehr als fragwürdig, mit den Ängsten der Betroffenen zu spielen und in Falschnachrichten beispielsweise zu verbreiten, dass mit alkalischem Wasser längst ein Allheilmittel gegen Krebs zur Verfügung stehe.

Solche falschen Meldungen verbreiten sich über Facebook massiv. Und sie gefährden – so die Studie – die öffentliche Gesundheit. Ein Beispiel: Wenn die Verschwörungstheorie die Runde macht, dass Bill Gates die Bevölkerung durch tödliche Impfungen reduzieren will, lässt sich niemand mehr impfen. Oder: Wenn eine pseudowissenschaftliche Meldung verbreitet, dass ein Mund-Nasen-Schutz nichts bringt, wird die Ablehnung gegen diese Schutzmaßnahme immer stärker.

Forderung: Facebook muss gegen Superspreader angehen

Ein paar Details zur Studie: Es wurde dafür ein Netzwerk an 42 Facebook-Seiten und 82 Webseiten untersucht, die immer wieder falsche oder irreführende Informationen zu medizinischen Themen verbreiten. Und zwar massig. Alleine im April sollen bei Facebook Seiten aus diesem Netzwerk 460 Millionen Aufrufe verzeichnet haben.

Zahlen gibt es in der Studie auch für Deutschland: 2019 sollen deutschsprachige Facebook-Seiten, die dem Desinformationsnetzwerk zugerechnet werden, 128 Millionen Aufrufe generiert haben. Die Studie bezeichnet solche Seiten als Superspreader von Falschinformationen.

Jetzt könnte man meinen, das Facebook ja keine Schuld daran trägt, was die Nutzer dort veröffentlichen. Stimmt. Die Meinungsfreiheit hat schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden. Allerdings könnte – und müsste? – Facebook gegen Meldungen, die nachgewiesen falsch sind, vehement vorgehen. Die Forderung findet sich nicht nur in der Studie, sondern wird von Ärzten und Virologen weltweit geäußert.

Die Rolle des Facebook-Algorithmus

Hier kommt der Facebook-Algorithmus ins Spiel. Auf ihm basiert der News-Feed eines jeden Nutzers. Über vermutlich äußerst komplizierte Wege berechnet der Algorithmus, welche Themen für jeden einzelnen Facebook-Nutzer interessant sein könnte, und spielt diese Beiträge in den jeweiligen News-Feeds ab.

Es wäre durchaus möglich, diesen Algorithmus so zu programmieren, sodass Beiträge, die durch einen Faktencheck bereits als offenkundig falsch deklariert wurden, entweder gar nicht, weniger oder erst ganz am Ende des News-Feeds ausgespielt werden. Dadurch würde sich der Kreis derjenigen, die den Beitrag anklicken, lesen und möglicherweise teilen, deutlich verkleinern.

Tatsächlich gibt es bereits einen Hinweis auf falsche Information. Allerdings ist Facebook nicht konsequent. Das zeigt die Studie anhand eines Beitrags zur Bill-Gates-Verschwörungstheorie. Der ursprüngliche Beitrag vom 9. April 2020 wurde zwar als falsch gekennzeichnet, aber nicht die vielen Beiträge, die diesen ursprünglichen Beitrag aufgreifen und weiterverbreiten. Mehr als 3,7 Millionen Aufrufe hatten diese Beiträge nach kurzer Zeit generiert.

Zu sehen sind vier Beiträge, die eine medizinische Fake-News und ihre Verbreitung zeigen. Bild: Avaaz

Eine Bill-Gates-Verschwörungstheorie nennt die Studie als Beispiel für medizinische Fake-News. Bild: Avaaz

Medizinische Fake-News: Ergebnisse sind erschreckend

Insgesamt ist die Avaaz-Studie 33 Seiten lang. Wir haben daher noch einige wichtige Erkenntnisse daraus im folgenden Überblick für Sie zusammengefasst:

  • Medizinische Falschnachrichten haben 2019 in den USA, Frankreich, Deutschland, Italien und im Vereinten Königreich schätzungsweise 3,8 Milliarden Aufrufe erzielt. Der Höhepunkt war im April 2020 mit 460 Millionen Aufrufen zu verzeichnen.
  • Inhalte von zehn berüchtigten Facebook-Seiten mit Falschinformationen waren ungefähr vier Mal häufiger in den News-Feeds zu sehen als die Inhalte der Facebook-Seiten von seriösen Gesundheitsorganisationen, darunter die WHO. Glaubwürdige Quellen dringen demnach nicht durch.
  • Nur 16 Prozent der als medizinische Falschinformation identifizierten Inhalte erhielten einen Warnhinweis von Facebook. 84 Prozent der medizinischen Fake-News gingen also einfach so durch.
  • Insgesamt bilden 42 Facebook-Seiten die Quelle eines großen Teils der Falschnachrichten. Die Seiten haben zusammen mehr als 28 Millionen Follower und konnten gemeinsam schon mehr als 800 Millionen Aufrufe generieren.

Unterm Strich zieht die Studie das folgende Fazit: Facebook gelingt es nicht, die Menschen während der Pandemie sicher und gut zu informieren. Und genau deshalb gilt Facebook als Gefahr für die öffentliche Gesundheit.

Effektive Maßnahmen gegen medizinische Fake-News nötig

Die Studie kritisiert aber nicht nur, sondern nennt auch konkrete Handlungsempfehlungen für Facebook, mit denen der Kampf gegen medizinische Fake-News und alle anderen Arten von Falschnachrichten effektiv und konsequent erfolgen könnte. Darunter:

  • Aufspüren und abwerten von Falschnachrichten: Die Studie verlangt, dass Facebook Falschinformationen durch unabhängige Faktenprüfer identifiziert und durch den Algorithmus abstraft, sodass sie ganz ans Ende des News-Feeds rutschen.
  • Aufspüren und abwerten von fragwürdigen Facebook-Seiten: Unabhängige Faktenprüfer müssten die Aufgabe verfolgen, Facebook-Seiten und -Gruppen sowie Webseiten aufzuspüren, die immer wieder systematisch Falschnachrichten verbreiten oder gegen die Facebook-Richtlinien verstoßen. Die Abwertung im News-Feed wäre auch hier die Folge. In Zeiten einer Pandemie, einer anstehenden Wahl oder einer spezifischen Notfallsituation müssten spezielle Teams fragwürdige Seiten im Blick behalten und nach wiederholten Fake-News entsprechende Maßnahmen einleiten.
  • Werbemöglichkeiten einschränken: Bei Facebook haben Seitenbetreiber die Möglichkeit, bestimmte Beiträge zu bewerben, damit der Facebook-Algoritmus sie häufiger ausspielt. Tauchen mehrfach fragwürdige Nachrichten auf und erfolgen dazu Verwarnungen, müsste Facebook in letzter Konsequenz die Werbemöglichkeit entziehen.
  • Information von Facebook-Nutzern: Nicht nur die jeweiligen Beiträge, sondern auch als Verbreiter von Falschnachrichten identifizierte Facebook-Seiten und -Gruppen sollten eine entsprechende Kennzeichnung erhalten. Dadurch wären Nutzer, die die Seite besuchen, gewarnt und könnten die Inhalte entsprechend kritisch betrachten.

Facebook betont, dass daran schon gearbeitet wird. Avaaz ist durch die Studie allerdings sicher, dass die notwendige Konsequenz noch fehlt, und fordert: Der Facebook-Algorithmus ist dringend zu entgiften!

Zu sehen ist ein Screenshot aus der Studie von Avaaz, in der es um medizinische Fake-News geht. Bild: Avaaz

Mit solchen Warnungen stellt sich Avaaz die Entgiftung von Facebook vor. Das Ziel ist es, nicht nur medizinische Fake-News einzudämmen. Bild: Avaaz

Kampf gegen Desinformation läuft

Und was sagt Facebook dazu? Der Konzern kritisiert, dass die Studie die bisherigen Maßnahmen gegen Falschinformationen nicht angemessen berücksichtigt. So heißt es beim SPIEGEL. Alleine von April bis Juni 2020 hätten Faktenchecker insgesamt 98 Millionen Covid-19-Fake-News mit einem Warnhinweis versehen und sieben Millionen Beträge gelöscht.

Am Ende des Tages können Sie aus der Studie vor allem eine Erkenntnis für sich mitnehmen: Sie sollten bei allen Beiträgen und Informationen auf Facebook grundsätzlich misstrauisch sein. Oft hilft es, das Thema in eine Suchmaschine zu packen und zu prüfen, ob seriöse Medien darüber berichten und wie sie es einordnen. Sie sind kein Freund von Google? In unserem Ratgeber haben wir alternative Suchmaschinen für Sie gesammelt.

Vor Viren schützen – analog und digital

Zuletzt sei noch gesagt, dass Viren nicht nur die analoge Welt in Aufruhr versetzten. Auch in der digitalen Welt machen Sie sich die Angst um das Coronavirus zunutze und infizieren massenweise Computersysteme. Dazu finden Sie einige Meldungen bei uns im Blog. Zur Hilfe eilt der PC-SPEZIALIST in Ihrer Nähe.

Er verscheucht mit einer professionellen Virenentfernung jeden Wurm von Ihrem Rechner, holt mit der Datenrettung verloren gegangene Daten zurück und schützt Ihr Gerät in Zukunft durch die Installation einer Antvirensoftware. Auf Wunsch installiert Ihnen unser Profi auch das Eins-für-Alles-Paket auf Ihrem Rechner und sorgt damit für einen umfassenden Schutz für Ihr digitales Leben. Nehmen Sie Kontakt auf und lassen sich von den umfassenden Dienstleistungen unseres IT-Fachmanns überzeugen.

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