Darum sind Grafikkarten teuer
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Robin Laufenburg, Mo, 12. Apr. 2021
in Hardware

Darum sind Grafikkarten teuer

Gründe für Preisanstiege & Knappheit von Grafikkarten

Aktualisiert am 10.05.2021

Damit ein Computer die neusten Spiele bewältigt, braucht er neben einer leistungsstarken CPU auch eine professionelle Grafikkarte. Doch sind hochwertige Grafikkarten momentan absolute Mangelware. Sie sind im Vergleich zu den Vorjahren verhältnismäßig teuer und vor allem absolut rar.

Warum werden Grafikkarten teuer und knapp? Gründe für die Preisanstiege und Knappheit von Grafikkarten finden Sie hier!

Grafikkarten teuer und knapp

Sollten Sie sich momentan einen neuen PC einrichten oder einen älteren Computer aufrüsten wollen, dürften Sie schnell merken, dass Grafikkarten absolute Mangelware sind. Vergleicht man die Preise von Grafikkarten mit Blick auf ihre Leistung, fällt sehr schnell auf, dass sie in den letzten Jahren immer teurer geworden sind. Gleichzeitig sind viele hochwertige Grafikkarten über immer längere Zeiträume nicht verfügbar. Aber warum sind Grafikkarten so knapp und warum sind Grafikkarten so teuer? Warum sind so viele Grafikkarten ausverkauft?

Diese Fragen sind leider gar nicht so einfach zu beantworten, weil es nicht eine einzige ausschlaggebende Ursache für die steigenden Preise gab, sondern eine ganze Menge an Faktoren zusammengekommen ist.

Grafikkarten: teuer und knapp

Grafikkarten werden zunehmend teuer und knapp. Bild: Pixabay/LauraTara

Lieferschwierigkeiten von Grafikkarten

Bereits im vergangenem Jahr (2020) kam es vermehrt zu Nichtverfügbarkeiten von High-End-Grafikkarten. Beispielsweise waren AMDs Radeon RX 6000- und Nvidias RTX 3000-Grafikkarten auffallend häufig ausverkauft.

Diese Knappheit ist unter anderem mit Lieferengpässen von GDDR6-Speichern in Zusammenhang zu bringen. Die Speicher werden für entsprechende Grafikkarten wie der Nvidia GeForce RTX 3070 und RTX 3060 Ti benötigt. Auch bei anderen Speichern (wie GDDR6X) gab es Lieferschwierigkeiten. Deswegen waren auch Grafikkarten wie die Nvidia GeForce RTX 3080 und RTX 3090 im vergangenen Jahr immer wieder knapp. Die Lieferengpässe dauern bis heute an. Das liegt daran, dass nicht nur Speicher, sondern auch auch benötigte Substanzen wie Kupfer, Silizium sowie entsprechend verarbeitete Substrate (durch Reaktionen veredeltes oder beschichtetes Material), Wafern (mikroelektronische Elemente) und andere Komponente Mangelware sind und bei der Weiterverarbeitung Lieferengpässen unterliegen.

Gründe für die Lieferschwierigkeiten

Zum Teil können die Lieferengpässe mit dem Chaos, das durch die globale Coronavirus-Pandemie verursacht wurde, in Verbindung gebracht werden. Besonders zu Beginn traf die Pandemie die Logistik-Branche stark, denn zusätzliche Kontrollinstanzen waren jetzt notwendig. Weltweite Zulieferungen stocken seit März 2020, viele Verarbeitungsprozesse konnten aufgrund fehlender Ressourcen nicht zeitig durchgeführt werden. Zum Teil wurde damit verbunden auch schon zynisch von Mangelwirtschaft gesprochen. Bis heute hat sich die Logistik, besonders wegen ständiger Verschärfung von Kontrollen nicht wieder erholt.

Doch ist die Pandemie nicht allein schuld an den Lieferschwierigkeiten. Denkt man an Murphys Gesetz à la „alles was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“, kann man sich schon denken, dass gerade in einer globalen Notsituation auch weitere Probleme auftreten. Wie solche Szenarien aussehen können, sahen wir, als (Ende März 2021) die „Ever Given“ für mehrere Tage den Suezkanal blockierte und damit die weltweite Logistik lahmlegte. Die Schäden liegen in Milliardenhöhe und erneut kam und kommt es bei fast allen ausländischen Produkten zu Lieferengpässen.

Aber nicht nur die Verzögerungen von internationalen Lieferungen stellen ein Problem dar, was die Lieferung von Grafikkarten schwierig werden lässt. Mit dem Wechsel ins Kalenderjahr 2021 wurde die gesamte Situation rund um Grafikkarten noch einmal komplizierter, denn es traten mit dem Jahreswechsel in den USA neue Importzölle für chinesische Produkte in Kraft, weswegen nahezu alle neuen PC-Teile höher besteuert wurden. Durch Verarbeitungs- und Lieferketten werden die Preise auch bei uns in Europa entsprechend höher.

Hoher Bedarf nach Grafikkarten

Traditionell werden zeitgemäße Grafikkarten benötigt, um 3D-Grafiken in Spielen zu rendern und fließend auszugeben. Wenn man auch die neuesten Games flüssig und ruckelfrei spielen möchte, braucht man unbedingt eine aktuelle, hochwertige Grafikkarte. Bis in die 2010er Jahre war dies auch der unangefochtene Hauptgrund, mit dem entsprechendes Zubehör hergestellt und verkauft wurde.

Geändert hat sich dies aber mit komplexeren Anwendungen, für die Computer im privaten und geschäftlichen heute immer mehr eingesetzt werden. Hierzu zählt beispielsweise das Crypto-Mining, für das mindestens OpenCL-fähige Grafikkarten benötigt werden. Crypto-Mining wird immer beliebter, Miner kaufen Grafikkarten und andere benötigte Hardware großflächig auf. Hierdurch werden professionelle Grafikkarten teuer.

Auch immer beliebter werde Deep-Learning-Prozesse wie das Deepfaking bzw. entsprechende Trainingseinheiten benötigen entsprechende Hardware. Da maschinelles Lernen bei immer mehr professionelle Firmensoftware zum Einsatz kommt und selbstlernende Programme in den verschiedenen Arbeitsbereichen immer beliebter werden, steigt auch hier die Nachfrage nach leistungsstarken Computern mit professionellen Hardwarekomponenten.

Mining-Farm

Grafikkarten kommen bei Mining-Farmen zum Einsatz, um Crypto-Mining zu betreiben. Bild: Pixabay/rebcenter-moscow

Scalping macht Grafikkarten teuer

Scalping (aus dem Englischen für „skalpieren“) beschreibt eine fragwürdige, teil- oder sogar illegale Börsenstrategie bzw. Marktmanipulation. Bekannt geworden ist Scalping beim Release der Playstation 5 (PS5). Scalper kaufen die entsprechende extrem begehrte Ware, in diesem Fall die PS5 oder Grafikkarten, in großen Mengen, um sie um ein zigfaches teurer zu verkaufen.

Mit dem Reselling machen die Scalper zum Teil Preiserhöhungen von mehreren hundert Prozent. Durch die hohe Nachfrage nach entsprechenden Gegenständen – wie beispielsweise von PS5 oder hochwertiger Grafikkarten – sind Personen bereit, sehr viel Geld zu zahlen und sogar deutlich mehr, als sie eigentlich kosten würden. Die Scalper machen auf diese Weise ein Vermögen, obwohl sie lediglich ein- und verkaufen. Umso höher die Nachfrage nach einem Produkt ist, umso großflächiger und härter schlagen Scalper zu. Sie sichern sich direkt die begehrte Ware, um sie dann möglichst teuer zu verkaufen.

Hyperscaling & Scaling

Großunternehmen wie Google, Microsoft & Co. agieren momentan als Hyperscaler. Verschiedene Marktbeobachter berichten, dass sämtliche IT-Giganten ihre Rechenzentren momentan massiv ausweiten. Solche werden benötigt, um dem stets zunehmenden Andrang auf Clouddienste wie Microsoft 365 gerecht werden zu können. Mit der Corona-Krise und der Verlagerung ins Home Office wurden Clouddienste immer beliebter. Hyperscaling ist einer der Gründe für die Materialknappheit und die hohe Auslastung der Chipauftragsfertiger, weswegen sie weniger Grafikkarten für den privaten Gebrauch produzieren können.

In einem kleineren Rahmen benötigen auch andere Unternehmen immer größere und professionellere IT-Infrastrukturen, skalieren also. Nahezu jede Firma benötigt unabhängig von ihrer Branche eine moderne IT, die wiederum entsprechende Ressourcen benötigen. Sollten Sie mit Ihrem Unternehmen ebenfalls neue Hardware benötigen, so ist der geeignete und kompetente Ansprechpartner PC-SPEZIALIST bei Ihnen in der Nähe. Wir beraten Sie zu einer geeigneten Ausstattung zu einem fairen Preis. Auch für Privatpersonen ist PC-SPEZIALIST der richtige Ansprechpartner. Benötigen Sie eine neue Grafikkarte? Sprechen Sie uns auf entsprechende PC-Aufrüstungen an!

Update vom 21.04.2021: HDD und SSD folgen

Nachdem zunächst vor allem Grafikkarten für Miner interessant waren und sie deshalb riesige Kontingente an Grafikkarten für das Schürfen von Kryptowährungen kauften, folgen nun HDD und SSD – also Festplatten. Warum? Die Kryptowährung Chia erfordert Speicherplatz statt Rechenleistung. Die Folge: Der Bedarf an Speicherplatz wächst.

Zwar wird die Chia bislang noch gar nicht gehandelt, doch das hält die Mining-Farmen nicht davon ab, zukünftig benötigte Hardware zu bunkern. So sind vor allem Festplatten mit 4 bis 18 Terabyte deutlich knapper und damit teurer geworden. Auch die Nachfrage nach schnellen NVMe-SSDs steigt. Die Folge: Der Preis steigt. Und die Händler reagieren bereits und limitieren die Menge an Festplatten, die von einzelnen Personen gekauft werden kann.

Update vom 06.05.2021: Chia benötigt riesige Datenträger

Mittlerweile ist die Kryptowährung Chia an der Börse Okex unter dem Kürzel XCH erhältlich. Und somit nimmt der Hype um die Währung an Fahrt auf. Gleichzeitig benötigt Chia riesigen Speicherplatz. Datenträger mit einer Kapazität von rund 2,5 Exabyte befinden sich bereits im Netzwerk. 2,5 Exabyte entsprechen mehr als 156.000 16-TByte-Festplatten. Die Preise für benötigte Hardware dürften also weiter steigen.

Ein Chia-Coin kostet aktuell rund 660 US-Dollar oder 550 Euro wert. Wie viele Coins handelbar sind, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass im sogenannten Pre-Farm Entwickler 21 Millionen Coins erzeugt haben. Die befinden sich allerdings nicht alle im Umlauf. Seit dem offiziellen Start sind eine knappe halbe Million weitere Coins hinzugekommen. Mehr Hardware ist nötig mit der Folge: Die Preise steigen weiter an.

Update vom 10.05.2021: Chip-Mangel bei Apple

Laut Insiderinformationen leidet auch Apple unter dem Mangel von Chips, die für Grundplatinen und Displays benötigt werden und schränkt seine Produktion von MacBooks und iPads ein. Trotz der hiermit verbundenen Verschiebungen von Kompoentenaufträge ins zweite Halbjahr 2021 will Apple den Verbrauchern seine Produkte aber weiterhin uneingeschränkt machen.

Apple ist aufgrund einer durchaus ungewöhnlich komplexen Lieferkette eigentlich dafür bekannt, Lieferanten in kurzer Zeit zu mobilisieren und daher von Knappheiten technischer Bestandteile gut geschützt zu sein. Experten stufen die aktuelle Entwicklung vor allem deswegen als äußerst kritisch ein.

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Weiterführende Links: IgorsLab, mdr, Süddeutsche Zeitung, PCGH, techradar, PC-Welt, PC-Welt, PC-Welt, PC Games, Golem, Okex, Silicon.de

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