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Das elektronische Rezept ist da
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Maren Keller, Mo, 5. Sep. 2022
in Aktuelles

Das elektronische Rezept ist da

So funktioniert das neue E-Rezept

Anstelle des rosafarbenen Zettels bekommen Patienten beim Arzt künftig eine Art QR-Code auf ihr Smartphone: das elektronische Rezept. Damit ist Schluss mit der Zettelwirtschaft und dem persönlichen Gang zur Apotheke. 

Welche Vorteile das E-Rezept hat, wie sicher es ist und wie Rezepte ohne Smartphone künftig funktionieren, erfahren Sie bei uns.

E-Rezept statt rosa Zettel

Jeder kennt das Vorgehen: Ist man krank, geht man zum Arzt, der einen untersucht und anschließend einen rosafarbenen, etwa postkartengroßen Zettel mitgibt, auf dem die verschriebenen Medikamente stehen. Nicht verschreibungspflichtige Medikamente erhalten Patienten auf dem grünen Rezept und Privatversicherte bekommen blaue Rezepte.

Das alles ändert sich jetzt, denn seit 1. September gibt es in der Region Westfalen-Lippe als Pilotregion das elektronische Rezept. Funktioniert es dort einwandfrei, wird das E-Rezept bis zum Frühjahr 2023 bundesweit ausgerollt. Bis es soweit ist, bekommen alle, die nicht in Westfalen-Lippe wohnen, weiterhin den rosa Zettel, den es in der Apotheke einzulösen gilt.

Übrigens: Bislang können Sie bereits Zocken auf Rezept und Apps auf Rezept verschrieben bekommen. Die Krankschreibung per WhatsApp gibt es dagegen nicht mehr, Ärzte hatte gegen das Vorgehen geklagt und Recht bekommen. Verschreibungspflichtige Medikamente rezeptfrei kaufen geht natürlich auch weiterhin nicht.

Elektronische Rezept: Patientin erhält Rezept auf Papier von Ihrer Ärztin. Bild: StockPhotoPro/stock.adobe.com

Auch wenn künftig mehr und mehr auf das E-Rezept gesetzt wird, es wird auch weiterhin die Möglichkeit geben, das Rezept auf Papier zu bekommen. Bild: StockPhotoPro/stock.adobe.com

Was ist das elektronische Rezept?

Doch wie funktioniert das elektronische Rezept denn nun? Fakt ist: In den Niederlanden, in Schweden und in der Schweiz gibt es die Möglichkeit, elektronische Rezepte einzulösen, schon länger, Deutschland hinkt mal wieder hinterher. Doch das soll sich nun ändern.

Um das elektronische Rezept zu nutzen, benötigen Sie ein Smartphone, eine App und eine NFC-fähige Gesundheitskarte mit PIN. Letzteres bekommen Sie von Ihrer Krankenkasse, dank Chipkrise kann es zurzeit allerdings zu Wartezeiten kommen.

Grundsätzlich ist das digitale Rezept einem QR-Code ähnlich. Es enthält die Verordnungen in digitaler Form, die Ihr Arzt Ihnen aufschreibt. Aktuell geht es dabei nur um Medikamente, andere Verordnungen, wie Überweisungen, Heil- und Hilfsmittel oder häusliche Krankenpflege sollen hinzukommen.

Wichtig: Arztpraxen, die die technischen Voraussetzungen für das elektronische Rezept nicht erfüllen, können weiterhin die rosa Papierrezepte ausstellen. Und auch wer kein Smartphone hat, muss sich keine Sorgen machen. Derjenige bekommt den Rezeptcode auf Papier ausgedruckt und kann es so in jeder Apotheke einlösen. Ab 2023 sollen E-Rezepte zudem über die Gesundheitskarte in der Apotheke eingelöst werden können – ganz ohne Handy oder Papierrezept.

Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit der Einführung des digitalen Rezepts soll die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorangetrieben werden. Dabei verfolgt das E-Rezept ganz bestimmte Ziele:

  • Behandlungen sollen sicherer werden,
  • Abläufe beim Arzt und in der Apotheke einfacher,
  • die Zettelwirtschaft im Gesundheitssystem nimmt ab und
  • das E-Rezept ist fälschungssicher, während die rosa Papierrezepte relativ einfach gefälscht werden können.

Außerdem können Sie Ihre Rezepte mit dem E-Rezept online bei Ihrer Apotheke einlösen und sich Medikamente nach Hause liefern lassen. Das geht allerdings nur, wenn die Apotheke einen Botendienst oder Versand anbietet. Weiterer Vorteil des digitales Rezepts: Folgerezepte können Sie sich von Ihrem Arzt ohne Besuch an die E-Rezept-App zuschicken zu lassen. Und Sie können in der App Ihre Apotheke über Ihren Medikamenten-Wunsch informieren und nachsehen, ob die Apotheke das Mittel vorrätig hat und wann Sie es dort mit dem digitalen Rezept abholen können. Das spart Zeit und unnötige Wege.

Elektronische Rezept: Apothekerin gibt Medikamente an Kundin aus. Bild: Zamrznuti tonovi/stock.adobe.com

Das elektronische Rezept können Sie wie gewohnt in der Apotheke einlösen. Bild: Zamrznuti tonovi/stock.adobe.com

Das elektronische Rezept nutzen

Sie wohnen in der Testregion Westfalen-Lippe und würden gern das elektronische Rezept bei Ihrem nächsten Arztbesuch nutzen? Dann benötigen Sie neben einem Handy mit mindestens Android 7 oder iOS 14 als Betriebssystem unbedingt die App „Das E-Rezept“. Diese App gibt es sowohl für iOS als auch für Android und Huawei kostenlos.

Aber Achtung: Um Datenmissbrauch zu verhindern, achten Sie unbedingt darauf, die richtige App herunterzuladen. Nutzen Sie unsere Verlinkungen oder achten Sie auf den Hersteller. Die offizielle App stammt von gematik GmbH. Dabei handelt es sich um die nationale Agentur für digitale Medizin, die vom Gesetzgeber beauftragt wurde, die App umzusetzen.

Die App allein hilft Ihnen bei der Nutzung des E-Rezepts noch nicht. Auch Ihrer Versichertenkarte der Krankenkasse muss entsprechend ausgestattet sein: mit der NFC-Funktion, die den kontaktlosen Datenaustausch ermöglicht.

Damit im Falle des Kartenverlusts kein Missbrauch passieren kann, gibt es dazu eine persönliche PIN-Nummer, die Sie von Ihrer Krankenkasse erhalten. Die Gesundheitskarte funktioniert dann so ähnlich wie eine EC-Karte.

Wie funktioniert E-Rezept in der Praxis?

Sind alle technischen Voraussetzungen in der Arztpraxis und bei Ihnen erfüllt, können Sie das elektronische Rezept ganz einfach nutzen: Ihr Arzt übermittelt den Rezeptcode an die E-Rezept-App der gematik. Sie können dann direkt in der nächsten Apotheke den Code auf Ihrem Handy vorzeigen. Die Apotheke wiederum liest den Code und erhält so Einblick in das E-Rezept. Sie bekommen, wie gewohnt, Ihre Medikamente ausgehändigt.

Für Anke Rüdinger, Apothekerin aus Berlin und Leiterin des „Digital Hub“ der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ist klar: „Für Patienten ändert sich sonst kaum etwas durch die Umstellung.“ Wenn Sie anstelle der örtlichen Apotheke lieber die Online-Apotheke nutzen, müssen Sie kein Originalrezept mehr einsenden. Stattdessen können Sie das elektronische Rezept digital übermitteln.

Gut zu wissen: Um die App in der Apotheke zu nutzen, und somit die verschriebenen Medikamente zu erhalten, ist kein Internetempfang nötig. E-Rezepte stehen Ihnen auch offline zu Verfügung.

Elektronische Rezept: Zwei Personen - alt und jung - sitzen auf einer Bank. Bild: ocean nikonos/stock.adobe.com

Angehörige können Rezepte für ihre Kinder oder pflegebedürftige Angehörige einlösen. Bild: ocean nikonos/stock.adobe.com

E-Rezept für Angehörige einlösen

Wer sich um Angehörige oder gebrechliche Nachbarn kümmert oder Kinder hat, der kann aktuell mit der Gesundheitskarte und dem Rezept für die entsprechende Person das Rezept einlösen. Und das elektronische Rezept? Funktioniert das auch für Angehörige? Ja! Daran wurde gedacht.

Die können in der App unbegrenzte Profile anlegen. Dafür benötigen Sie die Gesundheitskarte samt PIN und fügen beides der App hinzu. Sie können das Rezept in der eigenen App empfangen und in der Apotheke einlösen oder den Rezeptcode scannen und in der Apotheke vorzeigen.

Natürlich können Sie jedes E-Rezept nur einmal einlösen. Sobald Sie die Medikamente erhalten haben, ist das Rezept gesperrt. So soll Missbrauch verhindert werden.

Das elektronische Rezept und die Datensicherheit

Sie stellen sich zu Recht die Frage nach Datensicherheit und Datenschutz. Immerhin gelangen sensible Daten wie persönliche Informationen, Versichertenstatus und benötigte Medikamente über die E-Rezept-App an eine Firma, die Sie nicht kennen. Aber Sie können sich sicher sein: Ihre Daten sind gut geschützt.

Denn: In der Arztpraxis erhält das E-Rezept eine elektronischen Signatur. Diese Signatur zeigt der Apotheke, wer das E-Rezept ausgestellt hat und ob der Inhalt des E-Rezepts gegebenenfalls unbefugt verändert wurde. Nur die verordnende Arztpraxis selbst und die Apotheke, in der Sie das Rezept einlösen, können das E-Rezept einsehen.

Die Daten des digitalen Rezepts werden sicher verschlüsselt auf Servern der Telematikinfrastruktur gespeichert. Dabei handelt es sich um die Plattform für Gesundheitsanwendungen in Deutschland. Die Server stehe in gesicherten Rechenzentrum und alle Daten werden automatisch 100 Tage, nachdem Sie das Rezept eingelöst haben, gelöscht. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, Ihre Daten vor Ablauf dieses Zeitraums eigenständig zu löschen.

Natürlich sollten Sie dennoch nicht darauf verzichten, auch Ihr Smartphone sicher aufzustellen. PC-SPEZIALIST in Ihrer Nähe berät und unterstützt Sie bei der Installation des passenden Antivirenprogramms. Das gilt natürlich auch für Diensthandys dank unserer IT-Services für Betriebe mit bis zu zehn PC-Arbeitsplätzen.

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Andere Stimmen zum Thema: Verbraucherzentrale, KBV, Bundesgesundheitsministerium, t3n, bund-verlag, Gematik

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