Scamming & Scamming-Methoden
Author
Robin Laufenburg, Fr, 17. Sep. 2021
in IT-Sicherheit

Scamming & Scamming-Methoden

Was ist Scam und wie schützen Sie sich vor Scammern?

Beim Scamming handelt es sich um eine Form von Internetbetrug, bei dem Täter, sogenannte Scammer, aufrichtiges wirtschaftliches oder persönliches Interesse vorspielen. Nach dem Aufbau einer Bindung nutzen die Betrüger ihre Opfer dabei kaltblütig aus.

Welche Scamming-Methoden es gibt und wie Sie Scamming frühzeitig erkennen, erfahren Sie hier!

Was ist Scamming und was sind Scammer?

Der Begriff Scamming kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt in etwa so viel wie „Vorschussbetrug“, bekannt auch durch das betrügerische Kreditangebot auf Facebook. Bei dieser Sonderform des Internetbetrugs gaukeln Cyberkriminelle, sogenannte Scammer, den ahnungslosen Scamming-Opfern vor, eine vertrauenswürdige Person zu sein. Das Vertrauen ihrer Opfer erreichen sie durch authentische Social-Media-Profile und Webplattformen sowie durch freundliche Chats über alltägliche Geschichten. Sie schreiben über Themen wie Familie, Beruf und Liebe und initiieren Gespräche über gemeinsame berufliche oder private Zukunftswünsche. Dabei bauen Scammer einen persönlichen Kontakt mit ihren Opfern auf, der sich für sie oft geradezu intim anfühlt.

Doch an wahrer zwischenmenschlicher Kommunikation, an ehrlichem Kontakt oder gar Intimität sind Scammer wenig interessiert. Die Identitäten sind ausgedacht und die Geschichten frei erfunden. Den Betrügern geht es lediglich darum, das Scamming-Opfer dazu zu bewegen, Geld zu überweisen, Zugangsdaten weiterzugeben oder andere sensible Informationen wie personenbezogene Daten mitzuteilen.

Scammer

Scammer sind Betrüger, die sich als körperlich oder wirtschaftliche Person ausgeben, um so ihre Ziele zu erreichen. Bild: Pexels/MikhailNilov

Scamming-Methoden: Arten von Scamming

Fast immer handelt es sich beim Scamming um Identitätsbetrug und damit um eine Social-Engineering- bzw. Social-Hacking-Methode. Oft geben sich Scammer als wirtschaftlich oder privat interessante Personen aus, die einen erfolgreichen beruflichen Werdegang und spannende Hobbys haben. Sie scheinen geradezu perfekt für eine romantische Liebesbeziehung oder eine vielversprechende Geschäftsbeziehung zu sein. Die Identitäten sind jedoch komplett ausgedacht, die Namen erfunden und Fotos meistens Stockbilder oder mittels Deepfaking generierte Gesichtsbilder. Bei ihnen handelt es sich um bewusst geformte Honeypots, also digitale Köder.

So vielfältig wie Betrügereien im wahren Leben sind, so vielfältig kann auch digitaler Scamming-Betrug sein. Dennoch läuft Scamming fast immer nach einem ähnlichen Schema ab. Oft haben die verschiedenen Betrugsfälle auch viele Gemeinsamkeiten, weswegen sie als Scammingart zusammengefasst werden können. Zu den bekanntesten Arten von Scamming gehören:

1. Romance Scamming

Beim Romance Scamming oder Love Scamming handelt es sich um perfiden Betrug, bei dem Scammer das Interesse an einer Liebesbeziehung vortäuschen. Oft schreiben sie ihre Opfer über Online-Partnerbörsen oder Dating-Apps wie Tinder oder Facebook Dating an. Aber auch über Dating-Portale wie michverlieben kann man auf Scammer reinfallen. Sie schreiben regelmäßig Nachrichten und sprechen oft auch von persönlichem Kennenlernen.

Sie versuchen, eine emotionale Abhängigkeit zu schaffen. Die Romance Scammer erzählen aber, bevor es zu einem Treffen kommt, dass sie schnellstmöglich Geld benötigen. Sie gaukeln vor, ihr Konto sei gesperrt, sie säßen im Ausland fest oder ihre Dokumente seien gestohlen worden. Durch die bis zu dem Zeitpunkt aufgebaute zwischenmenschliche Verbindung glauben die Opfer, in der Schuld zu stehen und den Betrügern helfen zu müssen. Überweisen sie das gewünschte Geld, bekommen sie es nicht wieder.

2. Immobilienbetrug & Holiday Scamming

Beim Immobilienbetrug gaukeln Scammer auf Immobilien-Seiten vor, eine attraktive Wohnung zu unglaublichen Konditionen anbieten zu können. Die Wohnung hätten sie geerbt oder selbst bewohnt und würden sie aufgrund einer spontanen Auslandsreise nicht mehr benötigen. Personen, die Interesse an den Fake-Wohnungen kundtun, werden jedoch aufgefordert, die Kaution oder eine erste Monatsmiete im Voraus zu zahlen. Das sollten Sie jedoch nicht machen, bevor Sie nicht die Wohnung auch gesehen und einen Mietvertrag unterschrieben haben.

Eine neue Form des Immobilienbetrugs ist das Holiday Scamming. Beim Holiday Scam wird eine als Ferienhaus oder -wohnung angebotene Immobilie auf entsprechenden Plattformen präsentiert, die meistens jedoch nicht einmal existiert; und wenn, dann nicht den Inserenten gehört.

Apartment Scamming

Beim Apartment Scamming werden Wohnung angeboten, die zu schön sind, um wahr zu sein. Bild: Pexels/ExpectBest

3. Job Scamming

Bei falschen Jobangeboten schreiben Betrüger Fake-Stellenanzeigen, die zu schön sind, um wahr zu sein. Oftmals findet sogenanntes Job Scamming über diverse Job-Apps statt,. Betrüger schicken aber zum Teil auch Stellenangebote an Personen, die nach LinkedIn, Polywork & Co. dem ausgeschriebenen Profil genau entsprechen. Oder Sie bekommen direkt eine augenscheinliche E-Mail vom Arbeitsamt. Durch eine persönliche Spear-Phishing-Mail erreichen Job Scammer, dass ihre Opfer gewillt sind, in den fingierten Job finanziell zu investieren.

Oft wird der Job dabei ungewöhnlich früh, meistens sogar ohne ein persönliches Bewerbungsgespräch oder Kennenlernen, zugesagt. Zum Teil wird betont, dass man dem Online-Profil des Opfers entnehme, dass es passend für die Stelle sei.

Jedoch wird im gleichen Atemzug eine Zahlung für angebliche Einarbeitungskurse oder Workshops eingefordert. Alternativ wird eine kostenpflichtige Probearbeit berechnet, die jedoch nie stattfindet. Dass Sie über den Tisch gezogen wurden, merken Sie natürlich erst, nachdem Sie das Geld überwiesen haben.

4. Business Partnership Fraud

Sogenannte Business Partnership Scams oder Business Partnership Frauds sind Betrüge, die sich gegen Unternehmen richten. Scammer treten dabei als Interessenten einer angeblich beidseitig interessanten Geschäftsbeziehung auf, die jedoch entweder nie zustande kommt oder sich nach Vertragsunterzeichnung als für das Opfer nachteilig herausstellt.

Ziele sind meistens regional agierende Kleinunternehmen, die keine eigene juristische Abteilung und keinen Hausjuristen haben. Oft klären sie ihre geschäftlichen Schritte nämlich nicht mit ihrem Anwalt ab. Beim Business Partnership Scamming geht es Betrügern nur um das schnelle Geld. Oft kommt die ursprünglich geplante Zusammenarbeit nach ersten Vorauszahlungen nicht einmal zustande. Die angeblichen Business-Partner sind meistens Scheinfirmen.

Business Partnership Scammer

Business Partnership Scammer treten als wirtschaftlich attraktive Geschäftspartner in Erscheinung. Bild: Pexels/AndreaPiacquadio

5. Produktbetrug: Money Scam

Der Begriff Money Scamming ist etwas irreführend, weil Betrüger beim Scamming ja immer das Ziel haben, an das schnelle Geld zu kommen. Doch handelt es sich beim Money Scamming um eine Betrugsmasche, bei dem Scammer durch einen Online-Kauf in ein Vertragsverhältnis treten. Entweder bieten Sie selbst ein Produkt an, das es oft nicht einmal gibt, oder sie bestellen ein Produkt, bezahlen dafür aber nicht. In jedem Fall enden sie selbst mit Geld und Produkt, ohne das Interesse zu haben, eins von beidem abzugeben.

Für Money Scammer ist eBay Kleinanzeigen eine beliebte Plattform. Lesen Sie in unserem Blog mehr zum Thema eBay-Kleinanzeigen-Betrug und erfahren Sie mehr über die verschiedenen Methoden, die eBay-Scammer bei Kleinanzeigen-Betrügereien nutzen. Auch haben wir in unserem Blog den besonders beliebten Dreiecksbetrug mit PayPal und eBay für Sie erklärt.

6. Scheck-Betrug beim Autokauf & Co.

Wenn es um den Kauf von teuren Produkten und Autos geht, sind Schecks nach wie vor ein beliebtes Zahlungsmittel – vor allem dann, wenn es sich um Betrüger handelt, die das schnelle Geld machen möchten. Denn Scammer melden sich beim sogenannten Scheck-Betrug auf Online-Anzeigen von Privatpersonen und gaukeln ernsthaftes Interesse am sofortigen Kauf vor.

Sie betonen, dass sie am liebsten sofort bezahlen würden, dafür jedoch derzeit nur einen zu hohen Scheck ausstellen könnten. Sie schlagen ihren Opfern dabei meistens zeitgleich vor, dass sie den Differenzbetrag doch als Bargeldtransfer überweisen könnten. Viel zu oft fallen Personen auf diese Masche herein. Das Problem ist, dass Bankangestellte einen solchen Scheck nicht sofort als Fälschung erkennen. Erst nach wenigen Tagen kommt raus, dass der Scheck ungültig war. Bis dahin ist das überwiesene Geld jedoch in undurchsichtige Kanäle verschwunden. Oft leiten Banken zudem rechtliche Schritte gegen das Opfer ein.

7. Scamming mit falschem Geldversprechen

Der älteste bekannte Scammingversuch ist die sogenannte Nigeria Connection. In Phishing-E-Mails gaben sich Scammer dabei als reiche und zumeist adelige Nigerianer oder deren Anwälte aus und versprachen das große Geld. Dieses stände dem Opfer durch Erbschaft nach dem Tod unbekannter Familienangehöriger oder durch Hinterlassenschaft eines alten Familienfreundes zu.

Bevor das Geld jedoch überwiesen werden könnte, benötige man eine Zahlung, um die Notar- und Bearbeitungskosten decken zu können. Natürlich haben Opfer, die das Geld überwiesen haben, nie etwas zurückbekommen. Aufgrund der Abstrusität dieser Scamming-Methode hat die Nigeria Connection bis heute bereits unzähligen Stoff für mediale Adaptionen geliefert.

Diese Ur-Form des Scamming ist in den heutigen Scamming-Methoden, die etwas ausgeklügelter sind, kaum noch zu erkennen. Zwar gibt es immer noch Betrugsversuche, die diese Form von Scamming verfolgen, sie ist jedoch zugunsten von noch perfideren und individuellen Scamming-Methoden zurückgetreten.

Opfer von Scamming

Damit Sie nicht Opfer von Scamming werden, sollten Sie spätestens dann hellhörig werden, wenn Internet-Kontakte nach Geld fragen. Bild: Pexels/cottonbro

Scamming: So schützen Sie sich!

Scamming ist für Privatpersonen und Kleinunternehmen eine große Gefahr. Scammer agieren als fingierte, körperlich oder wirtschaftlich attraktive Personen oder Personengruppen und lassen ihre Opfern glauben, das große Glück zu sein. Prüfen Sie gründlich, wer Sie kontaktiert und googeln Sie auch nach dem Namen, der E-Mail-Adresse oder der vermeintlichen Firmenadresse. Überweisen Sie vor allem niemals Geld an jemanden, den Sie nicht persönlich gut kennen. Vor allem nicht ohne Käuferschutz oder Verifizierung.

Um nicht nur vor Scammern sondern auch Hackern geschützt zu bleiben, sollten Sie Ihre Geräte zudem umfassend absichern. Sowohl das Firmennetzwerk mit allen eingebundenen Geräten wie Firmenhandys und -laptops, als auch sämtliche private Computer, Notebooks und Smartphones sollten Sie stets mit einer vollumfänglichen Sicherheitsmaßnahme wie einem Antivirenschutz absichern.

Wenn Sie hierbei Hilfe benötigen, wenden Sie sich an PC-SPEZIALIST in Ihrer Nähe. Mit dem IT-Basisschutz, den Sie ganz an den individuellen Bedarf Ihres Unternehmens anpassen können, übergeben Sie alle Aufgaben, die für die grundlegende Sicherheit Ihrer Firmen-IT notwendig sind, direkt an PC-SPEZIALIST. Das Eins-Für-Alles-Paket ist das Äquivalent für Ihre privaten Geräte.

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Weiterführende Links: CHIP, Polizeiliche Kriminalprävention, J. Muir & Associates, karrieretipps.de

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